Ausstellung im Prado: Große Polemik für späte Wiedergutmachung

Mit „Invitadas“ versucht der Prado nun, seine eigene frauenfeindliche Geschichte zu beleuchten und Malerinnen eine Plattform zu geben. Die Ausstellung ruft dennoch auch Kritiker auf den Plan.

2019 zeigte der Prado die Künstlerinnen Sofonisba Anguissola und Lavinia Fontana.
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Madrid – Die Ausstellung sollte eine späte Wiedergutmachung werden. Jahrhundertelang wurden Frauen in der Kunstwelt ignoriert und unterdrückt. Auch in der 200-jährigen Geschichte des Madrider Prado-Museums verschwanden die meisten Werke von Künstlerinnen meistens im Keller. Mit „Invitadas“ versucht der Prado nun, seine eigene frauenfeindliche Geschichte zu beleuchten und Malerinnen eine Plattform zu geben. Die Ausstellung ruft dennoch auch Kritiker auf den Plan.

Insgesamt 60 Werke von Künstlerinnen aus dem 19. und 20. Jahrhundert werden ausgestellt. Die meisten aus dem Bestand des Prados. In weiteren 70 Werken von männlichen Künstlern wird die Rolle der Frauen in der Gesellschaft und in der Kunstwelt der Epoche dargestellt.

Die Idee ist zwar drei Jahre nach der #MeToo-Bewegung nicht mehr originell, dennoch wichtig. Prado-Direktor Miguel Falomir sprach bereits früh im Namen seines Museums ein „Mea Culpa“ aus. „Wir sind Erben einer Sichtweise, und es ist die Pflicht der Museen, diesen Kanon zu überprüfen“, erklärte Falomir vor Jahren und ließ seinen Worten Taten folgen. So würdigte der Prado etwa 2019 die beiden großen Renaissance-Künstlerinnen Sofonisba Anguissola und Lavinia Fontana.

Feministische Künstlerinnen-Verbände stören sich in der aktuellen Ausstellung u. a. an dem ungeschickt ausgewählten Titel. „Invitadas“ bedeutet „Eingeladene“. „Indirekt suggeriert der Prado damit, dass Frauen immer noch nicht ganz zum Kunstbetrieb dazugehören“, ärgert sich die spanische Kunstkritikerin Rocio de la Villa. Und auch das spanische Observatorium für Frauen in der bildenden Kunst bezeichnet die Ausstellung als eine „verpasste Gelegenheit, eine beschämende Lücke in unserer Geschichte zu schließen“.

Kurator Carlos Navarro gehe es darum, den Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts Sichtbarkeit zu verleihen und die patriarchalische Form zu erklären, mit der sie konfrontiert waren. Umstimmen kann das die Kritikerinnen nicht. Aber eine Diskussion ist angefacht. Die erste Sonderschau nach dem Lockdown läuft noch bis März. In Madrid sind Museen aktuell unter hohen Sicherheitsauflagen für Publikum geöffnet. (APA, TT)


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