Rotkreuz-Besuchsdienst: Händehalten geht nicht über Telefon

Der Rotkreuz-Besuchsdienst darf Klienten nur telefonisch betreuen. Körperkontakt und gemeinsames Singen fehlen am meisten.

Der Besuchsdienst des Roten Kreuzes lindert die Einsamkeit von allein lebenden Senioren. Corona hat die Besuche gestoppt.
© ÖRK/Bürgler Martin

Von Catharina Oblasser

Lienz – Den Arm auf die Schultern legen, die Hand halten, eine kurze Umarmung: All das bleibt den alten Menschen, die sonst regelmäßig Besuch von Rotkreuz-Freiwilligen erhalten, zurzeit verwehrt. Der Besuchsdienst muss seine wöchentlichen Visiten wegen der Corona-Beschränkungen auf Eis legen. Die Telefonanrufe, die an die Stelle von persönlichem Kontakt treten, sind nur ein schwacher Ersatz, weiß Juliane Musenbrock. Sie war bis vor Kurzem Teamleiterin des Besuchsdienstes für Lienz-Umgebung und ist heute weiterhin als Ehrenamtliche dabei. Seit acht Jahren betreut sie selbst eine 85-jährige Dame in Lienz.

„Bisher war es so, dass wir etwa einmal die Woche den alten Menschen aufsuchten. Wir haben geschaut, was er gerne tun möchte, zum Beispiel spazieren gehen, ein Spiel spielen oder einfach plaudern“, schildert Musenbrock. Musik, vor allem altbekannte Lieder, spielen für viele Klienten ebenfalls eine große Rolle. Auch Menschen, die geistig nicht mehr so fit sind, haben keine Probleme, sich an die Texte und die Melodien zu erinnern. Doch das fällt jetzt weg. Über Telefon ist weder Gesang noch ein Händedruck möglich, und sogar ein Gespräch ist problematisch. „Wenn jemand zum Beispiel dement ist, ist Telefonieren schwierig“, weiß die Rotkreuz-Mitarbeiterin. Schon allein die Maske, die die Ehrenamtlichen bei den Besuchen vor dem harten Lockdown tragen mussten, verstörte viele Senioren. Skype­ oder Ähnliches ist überhaupt keine Alternative.

In Osttirol hat das Rote Kreuz drei Besuchsdienst-Gruppen: in Lienz, in Sillian und in Matrei. 67 Ehrenamtliche – großteils Frauen – kümmern sich um jeweils ein bis zwei betagte Menschen, die entweder in den eigenen vier Wänden oder in einem der Wohn- und Pflegeheime wohnen – oft bis zum Lebensende der Betreuten. Willi Granig, Koordinator des Rotkreuz-Besuchsdienstes, weiß: „Die Ehrenamtlichen leiden unter dem Kontaktverbot genauso sehr wie die Klienten.“ Es gebe eine starke persönliche Bindung, meint auch Juliane Musenbrock, für die ihre 85-jährige Dame „fast schon ein Familienmitglied“ ist.

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