Covid-Massentests in Südtirol: Gemeinden als Basis des Erfolgs

Kaum Pannen, hoher Zuspruch: Über den Ablauf des Covid-Massentests war selbst Südtirol überrascht. Der Leiter der Aktion zieht Bilanz.

„Wir sehen ganz genau, in welchen Gemeinden oder Stadtvierteln besonders viele Infizierte sind.“ – Patrick Franzoni
 (Leiter „Südtirol testet“)
© LPA

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Drei Tage, 350.000 Covid-Tests, keine drei Wochen Vorlaufzeit – Chaos vorprogrammiert? Dass dem nicht so sein muss, hat Südtirol am vergangenen Wochenende bewiesen. Knapp 70 Prozent der Bevölkerung wurden auf das Virus untersucht. Ein fulminanter Erfolg, wie auch die politisch Verantwortlichen rund um Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) betonen. Die Basis dafür bildete die gute Zusammenarbeit zwischen Behörden, Kommunen und Freiwilligenorganisationen, sagt Patrick Franzoni, der Leiter der Aktion „Südtirol testet“.

„In 19 Tagen wurde alles geplant. Auf exekutiver Basis war die Vorbereitungszeit sogar unter zwei Wochen“, meint Franzoni im Gespräch mit der TT. Von Anfang an seien die Gemeinden, Feuerwehren und Rettungsorganisationen in die Planung eingebunden worden. „Wir hatten die Bürgermeister auf unserer Seite, sie waren der direkte Kontakt in die Peripherie, die kleinsten Gemeinden.“ Nur deshalb sei es auch möglich gewesen, Strukturen zu finden, in denen Covid-Screening-Straßen direkt vor Ort eingerichtet werden konnten. „Immerhin war es unser Ziel, dass sich die Leute so wenig wie möglich bewegen müssen, um zum Test zu kommen.“ Insgesamt wurden an dem Wochenende 622 so genannte Test-­Linien bedient – auf jeder davon konnten pro Stunde 20 Bürger getestet werden.

Die gelungene Kommunikation mit den Gemeinden, das Mitwirken der in den Orten verankerten Organisationen war laut Franzoni zudem der Grundstein für die hohe Beteiligung. „Es wurde nicht von oben herab dirigiert, wir haben es umgedreht, auf Freiwilligkeit gesetzt.“ Die Menschen hätten sich gegenseitig motiviert, glaubt er.

„Ich wäre vorher mit 250.000 Teilnehmern zufrieden gewesen. Davon, dass jetzt die 350.000 geknackt werden, bin ich selbst überwältigt.“ Für den Projektleiter ist ein wichtiger Schritt gesetzt worden, um „das Gleichgewicht im Umgang mit dem Virus wieder zu finden. Wir sehen jetzt ganz genau, in welchen Gemeinden oder sogar Stadtvierteln – etwa in Bozen – besonders viele Infizierte sind.“ Hier könnten nun gezielt weitere Schritte gesetzt werden.

Laut Franzoni habe es „einzig auf der informatischen Seite“, mit der Übermittlung mancher Testergebnisse, Schwierigkeiten gegeben. „Alle Positiven wurden aber noch am selben Tag benachrichtigt. Zur Not haben wir sie auf Gemeindeebene kontaktiert.“


Kommentieren


Schlagworte