450 Wildtiere illegal erlegt: „Vieles bleibt unentdeckt oder wird nie geklärt“

Der Sellrainer Wolf ist kein Einzelfall: Seit dem Jahr 2000 wurden in Österreich 450 Wildtiere illegal erlegt. Umweltministerin Gewessler will gegensteuern.

Im Sommer 2019 wurde im Sellrain ein erschossener und enthaupteter Wolf entdeckt – bis heute sind der oder die Täter nicht gefunden.
© Polizei Tirol

Von Benedikt Mair

Innsbruck, Wien – Unter einer Baumgruppe entdeckten Pilzesammler im Sommer 2019 im Sellrain den Kadaver eines Wolfes. Dem Tier war in den Bauch geschossen, sein Kopf abgetrennt worden. Bis heute sind der oder die dafür Verantwortlichen unbekannt. Die Tat, die über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen sorgte, ist kein Einzelfall, wie aus einem gestern präsentierten Bericht der Umweltschutzorganisationen WWF und Birdlife hervorgeht. Seit dem Jahr 2000 wurden in Österreich 450 Wildtiere illegal erlegt. Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) kündigte ein Maßnahmenpaket gegen diese Form der Kriminalität an.

„Die Artenvielfalt ist unsere Lebensversicherung“, sagte Gewessler bei einer Pressekonferenz in Wien. Allerdings sei diese Vielfalt in Gefahr. „Leider gibt es in Österreich immer wieder Tierhasser“, die geschützte Vögel, Wölfe oder Luchse erlegen. 450 Fälle der illegalen Tötung seien erfasst worden, „wir müssen darüber hinaus aber mit einer hohen Dunkelziffer rechnen“.

Vorhandener Strafrahmen müsse ausgenutzt werden

Das glaubt auch Gabor Wichmann. „Vieles bleibt unentdeckt oder wird nie geklärt“, meinte der Geschäftsführer von Birdlife. Eingesetzt werde für die Jagd auf geschützte Tiere hauptsächlich Gift, aber auch Fallen und Schusswaffen seien gebräuchlich. Greifvögel werden hauptsächlich in Ostösterreich, im Flachland getötet. Aber auch in Tirol kommt es immer wieder vor, wie etwa im Sommer des Jahres 2012, als ein 28-Jähriger einen Steinadler abschoss. Fälle von erlegten Säugetieren sind in allen Bundesländern – mit Ausnahme von Wien und Vorarlberg – dokumentiert. „Die Verfolgung eines Individuums kann den Bestand einer ganzen Art gefährden“, mahnte WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides. Um die Wildtierkriminalität besser zu bekämpfen, brauche es „mehr Bewusstsein, mehr Ressourcen für ermittelnde Behörden, stärkere Kontrollen“. Zudem müsse laut Johanides „der vorhandene Strafrahmen ausgenützt werden“.

Hier möchte Ministerin Gewessler mit dem geplanten Aktionspaket ansetzen. „Um den Schutz und Erhalt gefährdeter Arten langfristig zu gewährleisten“, erklärte sie. Gemeinsam mit Naturschutzorganisationen sowie dem Justiz- und Innenministerium soll das Programm erarbeitet werden. „Weniger Fälle, mehr Verurteilungen sind das erklärte Ziel.“

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Nicht viele Verurteilte

Die Zahl der einschlägigen Verurteilungen durch österreichische Gerichte ist in der Tat gering – in den vergangenen zwölf Jahren gab es nur acht, davon zwei in Tirol. Auffällig: Alle Verurteilten waren Besitzer einer Jagdkarte. „Da für solch eine Tat entsprechendes Material und Grundwissen notwendig sind, bin ich darüber leider nicht überrascht“, sagt Tirols Landesjägermeister Anton Larcher auf Anfrage der TT. Es stehe jedem in Österreich offen, die Jagdprüfung zu machen, anschließend einen Jagdschein zu lösen. „Ein Jäger aus Überzeugung, der die Natur versteht, kommt für mich als Täter nicht in Frage. In der Aus- und Fortbildung werden Naturschutz, Artenvielfalt und Nachhaltigkeit ausführlich behandelt.“


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