Guter Radweg ist teuer: Innsbrucks Masterplan für den Radverkehr

Bis 2030 soll jeder fünfte Verkehrsteilnehmer in Innsbruck ein Radfahrer sein. Dafür nimmt die Stadt sehr viel Geld in die Hand. Doch der Weg zum erfüllten Masterplan dürfte lang werden.

Bis 2030 sollen die Radwege in Innsbruck kein abruptes Ende mehr finden.
© Thomas Boehm / TT

Von Marco Witting

Innsbruck – Konzepte gibt es in Innsbruck fast so viele wie städtische Arbeitsgruppen. Der Radmasterplan 2030 hat diese beiden Hürden schon einmal gemeistert und seinen Weg in einen Budgetposten 2021 gefunden. Mit dem gesamten Rahmenprogramm soll der Radverkehrsanteil bis 2030 auf 20 Prozent erhöht werden. Doch schon in diesem übergeordneten Ziel liegt die erste Problematik. Und außerdem sind da noch einmal die rund 38 Millionen Euro, die für die Umsetzung des Planes benötigt werden.

Doch zurück zu den 20 Prozent Radfahrern. Wie weit Innsbruck von dieser Zielsetzung entfernt ist, das weiß man nämlich noch nicht so genau. Die letzten Zahlen des Bundes stammen aus 2014 – und demnach liegt Innsbruck bei rund zehn Prozent Radfahrer-Anteil im Verkehr. Aktuelle Erhebungen laufen. Für eine detaillierte Analyse irrt man aber noch im Zahlendschungel umher.

🚲 Radmasterplan 2030

Der Masterplan selbst mit allen Details ist seit gestern im Internet unter innsbruck.gv.at einsehbar.

Bestehende Lücken im Radnetz schließen

38 Millionen Euro würde die komplette Umsetzung des Planes kosten – nicht alles muss die Stadt in den kommenden Jahren selber zahlen. Es gibt Förderungen von Bund und Land, die zwischen 20 Prozent und 70 Prozent liegen. Die sieben Millionen Euro, die im Budget 2021 vorgesehen sind, bezeichnet die für den Verkehr zuständige Vize-BM Uschi Schwarzl als „Quantensprung“. Der Masterplan, der, wie berichtet, vom Gemeinderat beschlossen wurde, sei eine „Vision“ und ein „Meilenstein“. Bestehende Lücken im Radnetz sollen dabei geschlossen werden. Zudem die Verbindungen zu den Nachbargemeinden ausgebaut und viele kleine Maßnahmen (Einbahnregelungen, etc.) umgesetzt werden.

Klar ist aber: Jedes einzelne Projekt im Masterplan (die Baumaßnahmen kosten alleine 33 Millionen Euro) muss auch sonst durch die Gremien und den üblichen Behördenlauf absolvieren. Eines der spektakulärsten Ziele ist eine Verbindung von der Heiliggeiststraße über eine Aufstiegshilfe und Brücke zum Frachtenbahnhof und von dort weiter nach Pradl. Angesichts der fehlenden Optionen am Frachtenbahnhof derzeit wohl mehr Wunsch als konkreter Plan.

Auch Tempo 30 spielt hier eine Rolle

Schwarzl möchte in den kommenden drei Jahren für „ein bis zwei“ Radbrücken, die geplant wären, zumindest einen Architektenwettbewerb starten. Die ersten Baumaßnahmen des Planes werden die Innsbrucker am Südring sehen. Dort soll zwischen Cineplexx und Neuhauserstraße ein Geh- und Radweg entstehen, wie Christian Schoder von der städtischen Fuß- und Radkoordination bestätigt. Gemeinsam mit Teresa Kalls­perger hat er den Masterplan vorangetrieben. Kallsperger sieht auch in der Sicherheit einen wichtigen Punkt für mehr Radverkehr in der Stadt. Und da gehört auch das Tempo der anderen Verkehrsteilnehmer dazu. Was die Stadtpolitik wieder zum Thema Tempo 30 führt. Kallsperger sagt: „Es kann hier nur ortsspezifische Entscheidungen geben. Keine generellen Regelungen.“

Schwarzl, die in der Koalition ja bereits öfter um Tempo 30 gerungen hat, erklärt, dass man die Maßnahme „logischerweise prüfen muss“.


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