Tiere als Investment: Mit der richtigen Taube zu viel Geld

Für 1,6 Millionen Euro wurde in Belgien eine Brieftaube versteigert. In China werden die Tiere als Investment gesehen. Heimische Experten klären auf.

Egon Lauter zeigt stolz eine seiner Brieftauben.
© Ernst Nebel

Von Manuel Lutz

Innsbruck – Mit 1,6 Millionen Euro würden wohl viele ihr Traumhaus errichten. Autoliebhaber könnten sich damit mehrere Ferraris in die Garage stellen. Das Geld könnte jedoch auch für eine Taube ausgegeben werden.

Denn vor Kurzem hat eine Brieftaube aus der belgischen Provinz Antwerpen bei einer Auktion den Weltrekordpreis von 1,6 Millionen Euro erzielt. In Gold gegossen wäre das knapp 400 Gramm schwere Tier um ein Vielfaches billiger gewesen. Der Bieter musste für „New Kim“ 4000 Euro pro Gramm bezahlen. Dabei soll es sich um die gleiche Person handeln, die im vergangenen Jahr 1,25 Millionen Euro für die preisgekrönte Brieftaube „Armando“ – ebenfalls aus Belgien – hinlegte. Dass er nun für ein Weibchen, die normal weniger wert sind, noch mehr Geld bezahlt hat, lässt vermuten, dass der Chinese die zwei Vögel paaren wird.

Dass dabei auch Glück eine Rolle spielen muss, weiß Maria Hofer vom Landesverband der Rassekleintierzüchter Tirol: „Nicht immer kommt dabei etwas Gescheites heraus. Zudem ist auch nicht sicher, dass eine Nachzucht möglich ist.“ Warum gerade für eine Taube so viel Geld bezahlt wird, ist wohl für viele Leute unverständlich. Denn die Vögel sind auch in Tirol allgegenwärtig und oft ein Feindbild der Menschen. „Der Unterschied zwischen einer Straßentaube und einer Brieftaube ist wie zwischen einem Fahrrad und einem Porsche. Straßentauben fressen nur und hinterlassen überall ihren Kot. Eine Brieftaube ist hingegen für viele ein Sportgerät. Die Tiere werden trainiert und ernährt wie Spitzensportler“, erklärt der Vizepräsident des Österreichischen Verbandes der Brieftaubenzüchter Egon Lauter aus Niederösterreich.

Von der Farbe erinnert die Brieftaube zwar an die Straßentaube, sie ist jedoch mit durchschnittlich 500 Gramm um ein Drittel schwerer. Zudem ist sie größer und hat laut Lauter „einen edleren Kopf“. Bis zu 20 Jahre können die Tiere alt werden. Die besondere Eigenschaft der Vögel ist, dass sie immer wieder von selbst in ihren Schlag finden. „Die Tauben können sich an der Erdstrahlung orientieren und fliegen so wieder zu ihrem Stall zurück, wo sie geboren sind“, weiß Hofer.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Während des Krieges wurden die Tiere eingesetzt, um wichtige Nachrichten von der Front in Hauptquartiere zu transportieren. Heutzutage wird die Eigenschaft hingegen für Taubenrennen genutzt.

„Bei Wettflügen legen die Tiere, je nach Art, bis zu 900 Kilometer an einem Tag zurück“, so Lauter. Die Brieftauben werden zum Startpunkt gebracht. Dort werden sie ausgelassen, um den Heimflug anzutreten. Bei einer günstigen Wetterlage können sie Geschwindigkeiten von bis 120 km/h erreichen.

Schnelle Tauben bringen den Züchtern viel Geld. Bei einem „Rennen“ in Afrika gibt es z. B. bis zu einer Million Euro für den Sieger. Für Chinesen sind die Tiere daher eine Art „Investment“. „Wenn jemand das Geld hat, ist es natürlich okay. Für einen kleinen Züchter ist dies jedoch unerschwinglich“, ist für Hofer klar.

Das sieht auch Lauter so: „In Österreich sind Brieftauben nur ein Hobby. Es gibt noch 500 aktive Züchter, es werden aber immer weniger. In Tirol sind Brieftauben aufgrund der Berge sowieso selten. In Osteuropa und China ist das hingegen anders.“


Kommentieren


Schlagworte