Keine Ausnahme für wilde Gesellen: Polizei stellt Krampussen Rute ins Fenster

Wer trotz Verbots als Krampus unterwegs ist, muss die Folgen tragen. Die Polizei stockt beim Personal auf und Zwangsmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen.

Szenen wie diese soll es heuer nicht geben. Die Polizei hofft auf Einsicht bei den Krampus-Fans, wird aber im Notfall hart durchgreifen.
© Brunner Images

Von Catharina Oblasser

Lienz, Innsbruck – Die ersten Dezembertage sind für Freunde des Tiroler Krampustreibens heuer düster: Umzüge und andere Veranstaltungen sind wegen der Covid-Beschränkungen verboten. Zwar haben Brauchtumsvereine und andere Veranstalter schon angekündigt, dass ihre Mitglieder zu Hause bleiben wollen, doch Polizei und Behörden sind auf der Hut. Schließlich gibt es auch Krampusaktivitäten ohne Verein oder Veranstalter und genug leidenschaftliche Fans, die vielleicht trotz des Verbots mit Fell, Glocken und Maske gruppenweise durch die Nacht ziehen wollen.

In Osttirol, einer der Krampus-Hochburgen, ist das Behörden und Polizei durchaus bewusst. „Der weitaus größte Teil der Bevölkerung hält sich an die Beschränkungen“, sagt Silvester Wolsegger, Bezirkskommandant der Polizei in Osttirol. Dennoch: Mit Ausnahmen ist zu rechnen, weiß er. Deshalb hat sich die Exekutive für die Tage von 1. bis 6. Dezember gerüstet.

Silvester Wolsegger (Polizeikommandant): „Unser Appell: Bitte bleibt daheim! Das Spital braucht gerade jetzt nicht auch noch Krampus-Verletzte.“
© Oblasser

Kurz zusammengefasst: Zusätzliche Beamte von außerhalb des Bezirks können jederzeit angefordert werden, es wird verstärkt kontrolliert, und es gibt auch Hotspots, wie etwa das Iseltal und ganz besonders Matrei. Dort besteht – anders als in den meisten anderen Gemeinden – kein Verein, der Läufe organisiert und auf seine Mitglieder einwirken könnte. Ebenso gibt es bestimmte Tage, die für eine bestimmte Gemeinde „ihren“ Krampustag darstellen, sei es nun der 3. Dezember für Gemeinde A oder der 4. Dezember für Gemeinde B. Auch diese Details sind der örtlichen Polizei bekannt, und sie wird sich danach richten.

Wolsegger selbst formuliert es diplomatischer: „Als Partner der Bevölkerung wollen wir mit Fingerspitzengefühl agieren. Zuallererst appellieren wir an alle: Bitte verzichtet heuer auf diesen Brauch. Es wird andere Jahre geben, wo wieder alles wie gewohnt möglich ist.“ Und er stellt noch einmal klar: „Die Covid-Beschränkungen gelten, und Krampuslaufen stellt keine Ausnahme dar.“

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Warum die Polizei die wilden Gesellen nicht auf der Straße haben will, ist schnell erklärt. Erstens kommen dann mehrere Personen aus mehreren Haushalten zusammen, das birgt Ansteckungsgefahr.

Viel wichtiger ist aber der zweite Grund. Jedes Jahr müssen zig Krampusläufer und Zuschauer – einmal mehr, einmal weniger – im Spital behandelt werden: wegen ausgerenkter Schultern, Knieverletzungen oder gebrochener Knöchel. Diese Verletzungen entstehen, wenn das wilde Treiben allzu wild wird und Alkohol im Spiel ist.

In Zeiten von Corona ist das Krankenhaus aber vollauf mit der Bekämpfung der Infektion beschäftigt. Da ist jeder zusätzliche Patient, der des Nachts auftaucht, bald zu viel. Darauf will Silvester Wolsegger die Krampus-Fans ausdrücklich hinweisen: „Unser Appell: Bitte bleibt daheim! Das Spital braucht gerade jetzt nicht auch noch Krampus-Verletzte.“

Wie die Kontrollen zwischen 1. und 6. Dezember aussehen, beschreibt der Polizeikommandant so: „Wir sprechen die Menschen an und fordern sie auf, nach Hause zu gehen. Wenn das nicht hilft, gibt es eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft.“ Für besondere Härtefälle besteht noch die Möglichkeit von so genannten „Zwangsmaßnahmen“, also zum Beispiel, den Betreffenden mit dem Polizeiauto nach Hause zu befördern. Standardmäßig ist das nicht erlaubt, doch im äußersten Notfall kann die Bezirkshauptmannschaft – in ihrer Funktion als Gesundheitsbehörde – die Polizei dazu ermächtigen.

Auch in anderen Tiroler Regionen mit regem Krampus-Brauchtum sind Polizei und Behörden wachsam. „Die Polizei ist sich der Problematik bewusst“, heißt es von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Landes.


Kommentieren


Schlagworte