Kritische Fragen im Zammer Gemeinderat um Schlachthof

Gemeindeverband soll 2,3-Mio.-Euro-Projekt in Fließ betreiben. In Zams wackelt Beteiligung wegen prognostiziertem Abgang von 55.000 Euro jährlich.

Im Bezirk Landeck gibt es derzeit 24 genehmigte Schlachtstätten. In den überwiegend kleinen Betrieben fallen hohe Fixkosten an.
© Böhm

Von Helmut Wenzel

Zams, Fließ – Ein Schlachthof im Dorf ist nicht unbedingt der Betriebstyp, den sich Bürgermeister wünschen. Lieber würden sie den roten Teppich ausrollen, wenn sich ein Hightech-Betrieb ansiedelt.

Andererseits liegen regionale Lebensmittel hoch im Kurs, auch Fleischspezialitäten. Wie berichtet, fördert das Land jetzt drei Schlachtstätten mit 1,24 Mio. Euro.

Doch das Vorhaben im Bezirk Landeck, das ein Gemeindeverband betreiben soll, wirft viele Fragen auf. Das hat am Montag eine kontroversielle Debatte im Zammer Gemeinderat gezeigt. Nur die Idee, mit dem in Fließ geplanten 2,3-Mio.-Euro-Projekt regionale Kreisläufe zu stärken, stieß auf ungeteilte Zustimmung bei den Mandataren.

Bei der Debatte, ob Zams dem Gemeindeverband beitreten soll, kam es knüppeldick. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass wir den jährlichen Abgang zahlen sollen, den der Projektentwickler prognostiziert“, warf Mathias Venier (Freiheitliche) ein. „Das Projekt muss nachgeschärft werden.“ Sein Kollege Christoph Köck befürchtet, als Nächstes komme dann ein Bezirkskaminkehrerzentrum, ebenfalls getragen von einem Gemeindeverband.

Zuvor hatte BM Siggi Geiger (ÖVP) erklärt, die Zammer Beteiligung würde knapp 100.000 Euro kosten. Der Betrag müsste im neuen Budget reserviert werden. Zum jährlichen Betriebsabgang von 55.000 Euro müsste die Gemeinde 4900 Euro beisteuern. Für die SPÖ sagte Gemeindevorstand Herbert Frank: „Da werden kleine Metzger kaputtgemacht, wenn ein derart großes Vorhaben gefördert wird.“ Ihm gehe der Fahrplan ohnedies zu schnell, daher werde er nicht zustimmen.

Ein kräftiges Plädoyer zugunsten des Fließer Schlachthofes kam von Dominik Traxl (ÖVP), zugleich Landesobmann der Tiroler Jungbauern und Landjugend. „Für die Bauern im Bezirk geht es um Planungssicherheit. Es geht auch um das Tierwohl, kurze Wege und Nachhaltigkeit.“

Fazit am Ende der längeren Debatte: Der Gemeinderat vertagte den Beschluss bezüglich Beitritt zum „Schlachthof-Gemeindeverband“, um detaillierte Infos einzuholen.

Zum jährlichen Abgang von 55.000 Euro klärte gestern Projektentwickler Bernhard Pircher auf: „Der Infrastruktur-Aufwand für Schlachthofbetreiber ist groß. Die Hygienerichtlinien bescheren ebenso Kosten wie die Entsorgung der Abwässer.“ Die Höhe des Abgangs sei aus Kennziffern von gemeindeeigenen sowie privaten Schlachtstätten ermittelt worden.


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