Start im Jänner: Schon vor dem Sommer könnten alle geimpft sein

Sollten die aussichtsreichsten Impfstoffe demnächst zugelassen werden, werden zuerst gefährdete Personen und bis Juli alle anderen geimpft.

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Von Gabriele Starck

Wien – Österreichs Impfstrategie zum Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung ist fertig und soll heute im Ministerrat abgesegnet werden. Gesundheitsminister Rudolf Anschober und sein Sonderbeauftragter für Gesundheit, Clemens-Martin Auer, haben gestern der Öffentlichkeit erste Details präsentiert:

1️⃣ Wer soll und kann wann geimpft werden? Die Reihenfolge der Impfungen wird vom Zeitpunkt der Zulassung und in der Folge von der Menge, die von den Herstellern produziert und geliefert werden kann, abhängen. Voraussichtlich wird der Impfstoff von BioNTech/Pfizer als Erster noch im Dezember zugelassen. Im Jänner und Anfang Februar rechnet der Sonderbeauftragte für Gesundheit, Clemens-Martin Auer, mit einer Million Dosen für 500.000 Menschen in Österreich. Diese kämen dann im Jänner zuerst in den Alten- und Pflegeheimen bei Bewohnern und Personal zum Einsatz, wofür zirka 150.000 Einheiten benötigt werden. Dann folgt das Gesundheitspersonal in Spitälern und im niedergelassenen Bereich, Sanitäter sowie Hochrisikogruppen und allgemein über 65-Jährige.

Derweil dürften wegen weiterer Impfstoff-Zulassungen im Februar/März weitere zwei Millionen Impfdosen in Österreich eintreffen, die zunächst Lehrern, Kindergärtnerinnen, der Exekutive und Justiz vorbehalten sind. Ab April, rechnet Auer, werde dann ausreichend Impfstoff für alle zur Verfügung stehen. „Wir gehen davon aus, dass wir im 3. Quartal alle geimpft haben, die es wollten.“

2️⃣ Wird es eine Impfpflicht geben? Nein, niemand werde verpflichtet, sich impfen zu lassen, verspricht die Bundesregierung. Klar ist aber auch, dass dem Virus nur Einhalt geboten werden kann, wenn eine hohe Impfrate erreicht wird. Je mehr Menschen geimpft sind, desto niedriger das Risiko, dass jemand schwer an Covid-19 erkrankt. Anschober wünscht sich eine Impfrate von 50 Prozent plus X, „das X groß geschrieben“, wie er sagt. Zu bedenken ist auch, dass es Länder geben könnte, die für die Einreise eine Impfung vorschreiben, und einige Fluglinien haben schon angekündigt, dass sie nur geimpfte Passagiere an Bord lassen. Die AUA-Mutter Lufthansa gehört aber nach eigenen Angaben nicht dazu.

3️⃣ Wie funktioniert die Impfung und wie lange wird sie vorhalten? Bei allen drei Impfstoffen, die in nächster Zeit zugelassen werden dürften, sind zwei Teilimpfungen notwendig. Die zweite Injektion erfolgt im Abstand von drei bis vier Wochen auf die erste. Anders als beim Grippe-Impfstoff, der jedes Jahr an den voraussichtlich vorherrschenden Stamm angepasst werden muss, werden die Covid-Impfstoffe wohl nicht verändert werden müssen. Und neuere Studien aus den USA wecken die Hoffnung, dass eine erfolgte Impfung auch jahrelang wirken könnte.

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4️⃣ Welche Impfstoffe stehen zur Verfügung? Die Europäische Union hat sich Kontingente von sieben Impfstoffkandidaten gesichert. Darunter ist seit gestern auch der als sehr aussichtsreich erachtete Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna. Die EU-Kommission hat dafür einen Rahmenvertrag für bis zu 160 Millionen Dosen ausgehandelt, der heute formell besiegelt wird. Damit hat die EU nun Verträge mit den Herstellern aller drei Impfstoffe, denen die besten Chancen für eine rasche Zulassung in den kommenden Wochen gegeben werden. Der dritte ist jener von AstraZeneca, der auf einer herkömmlichen Technologie beruht und wohl im niedergelassenen Bereich zum Einsatz kommen wird, weil er keine Tiefkühlung und damit keine Impfzentren benötigt. Österreich hat ein Anrecht auf zwei Prozent aller Impfstoffe und erhält sie auch gleichzeitig mit allen anderen EU-Staaten.

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