Verlust der Sinne bei Corona-Infektion: Spurensuche bei Geschmacklosen

In den sozialen Netzwerken nutzen User, die mit dem Coronavirus infiziert sind, ihren Geruchs- und Geschmacksverlust aus, um Videos online zu stellen, in denen sie Chillis, rohe Zwiebel oder Zitronen essen.

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Corona-infizierte Personen nutzen den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, um u. a. Chilis zu essen. Die Videos gehen viral.
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Innsbruck – Zuerst wird eine rohe Zwiebel verspeist, dann folgen Chiliflocken und am Ende wird noch ein Glas Zitronensaft getrunken, ohne dabei mit der Wimper zu zucken. In den sozialen Netzwerken nutzen User, die mit dem Coronavirus infiziert sind, ihren Geruchs- und Geschmacksverlust aus, um Videos dieser Art online zu stellen.

„Metaanalysen zeigen, dass Geruchs- und Geschmacksstörungen jeden zweiten Patienten betreffen. Patienten, die nicht im Krankenhaus oder beim Arzt waren, wurden aber nicht ausreichend erfasst“, erklärt Raimund Helbok, stellvertretender Leiter der Neurologischen Intensivstation der Universitätsklinik Innsbruck. Die Geruchsstörungen äußern sich anders als bei einer Influenza, wie Helbok betont: „Es kommt zu einer Einschränkung vom Geruchssinn bei freier Nasenatmung, also ohne Schnupfen. Es hat sich herauskristallisiert, dass dies typisch für die Erkrankung ist.“

So ging es auch einer betroffenen Tirolerin, die stutzig wurde, als der Kaffee nicht mehr schmeckte. „In der Folge konnte ich den Windelinhalt meiner Tochter nicht mehr riechen. Ich machte die Probe am Gewürzregal und roch weder Rosmarin noch Zimt. Ich salzte wie verrückt und hätte in eine Chili beißen können. Sogar das Wasser schmeckte seltsam.“ Als Erstes kam bei der 41-Jährigen nach einer Woche der Geschmackssinn wieder zurück, etwas später der Geruchssinn.

Nicht bei allen Patienten geht es so schnell, wie Helbok sagt: „Ein gewisser Prozentsatz leidet noch nach drei Monaten an Geruchsstörungen.“ Dies wird aktuell in einer Studie an der Universitätsklinik für Neurologie untersucht. Um mehr über das Auftreten und den Verlauf zu erfahren, läuft zusätzlich eine tirolweite Erhebung. Helbok bittet genesene Tiroler, online mitzumachen: covid19-tirol.at (m.l.)

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