Osttiroler Musicbanda Franui: Komm, du schöner Weltschmerz

Franui und Florian Boesch führen Evergreens der Romantik kongenial ins zeitlose Hier und Jetzt.

Aus dem Familienalbum. Die Musicbanda Franui vollzählig und mit Chef Andreas Schett (ganz rechts).
© JUlia Stix

Von Markus Schramek

Innsbruck — Gäbe es im Musikbusiness einen Preis in der Kategorie „Angewandter Alpincharme", die Musicbanda Franui wäre ein aussichtsreicher Kandidat. Das Zehnerensemble aus dem Osttiroler Villgratental mischt mit seiner aufgeklärten und geistreichen Interpretation von Volksmusik, Klassik und Jazz regelmäßig die Szene auf. Franui gehören zu den gefragtesten Musikexporten des Landes. Sogar das deutsche Feuilleton lüpft anerkennend den Hut. „Unvergleichlich!" gerät Die Zeit ins Schwärmen über „die intelligenteste Dorfkapelle der Welt".

Womit wir beim neuen Franui-Album wären. „Alles wieder gut" sein Titel, und man kann ob der allumfassenden pandemischen Grundstimmung nur hoffen, dass diese Worte bald Realität werden. Franui haben ein Faible für die morbid-weinerlichen, Sentiment-schwangeren, Jenseits-sehnsüchtigen Lieder von Franz Schubert und Konsorten. Live und auf etlichen Vorgängeralben wurde dazu schon reichlich musikalische Kost aufgetragen. „Alles wieder gut" ist viel mehr als ein bloßer Nachschlag. Wieder enthält es zwar Schubert, Schumann, Brahms und Mahler, die Crème der Songschreiber des 19. Jahrhunderts, diesfalls aber nicht nur total instrumental, sondern vorgetragen aus berufenem Munde.

Gut bei Stimme bei Schubert und Co.: Bariton Florian Boesch.
© imago images / SKATA

Franui haben sich für das neue Opus Bariton Florian Boesch als Interpreten an die Seite geholt — oder viel besser gesagt: Die Band spielt den Sänger in den Vordergrund. Boesch fühlt sich spürbar wohl im alpenländischen Klangkonzept mit Trompete, Tuba, Klarinette, Zither, Hackbrett und Harfe, er serviert eine Gänsehaut induzierende Dosis Gefühl. Im Hintergrund werken Franui mit dem nötigen Respekt vor diesen Evergreens romantischer Liebesbeschwörungen, aber eben doch mit breiter Brust, selbstbewusst, zu Recht auf eigene Stärken vertrauend.

Oft bearbeitete Standards wie Schuberts „Heidenröslein" oder Mahlers vierteiliger Zyklus „Lieder eines fahrenden Gesellen" kommen im Zusammenwirken von Combo und Solist beeindruckend zeitlos herüber: Musik, die etwas zu sagen hat, vermittelt von Interpreten mit dem richtigen Gespür. Nach diesem Beschreibungsversuch fehlt nur noch der Praxis-Check. Der könnte so aussehen: die neue Franui-Scheibe einspannen, Beine hochlagern, ein Glaserl kräftigen Rotwein in Griffweite; dann die Augen schließen und Teil haben an einer Stunde voll von schönstem Herz- und Weltschmerz. Klassisch-alpenländisches Cross- over Franui & Florian Boesch: Alles wieder gut. Col legno. 16 Euro.

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