Große Sehnsucht nach Spiritualität zum Start eines besonderen Advents in Tirol

Stille Zeit in speziellen Zeiten: Der Advent mit Do-it-yourself-Kranzsegnung, Video-Nikolaus und Online-Krippenspiel beginnt.

Advent 2020: In der Klinik in Innsbruck zündet ein Mitarbeiter die erste Kerze an.
© Foto Rudy De Moor

Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Not macht erfinderisch, heißt es, und wenn die Menschen nicht in die Kirche können, kommt die Kirche eben zu den Menschen. Viele Tiroler Pfarren haben sich in den vergangenen Wochen Gedanken gemacht, wie sie der Sehnsucht nach Spiritualität und gewohnten Ritualen besonders in der Vorweihnachtszeit gerecht werden können. Denn auch wenn nach dem zweiten Lockdown mit Lockerungen zu rechnen ist, volle Kirchen wird es dieses Weihnachten nicht geben.

In der Pfarre Allerheiligen in Innsbruck – eine der größten in der Diözese – hat Pfarrer Bernhard Kranebitter die Kinder gebeten, ihm per E-Mail ein Foto von sich und ihrem Adventkranz oder -kalender zu schicken, die Bilder werden auf der Homepage veröffentlicht. „So können dann doch wieder alle zusammen sein und sich sehen“, meint er. In diesem Jahr ruft er die Menschen erstmals dazu auf, ihre Adventkränze bei sich zu Hause selbst zu segnen, und sieht darin eine Chance, früher Übliches wiederzubeleben: „Jeder getaufte Christ kann seinen Partner, seine Kinder, Essen, aber auch Gegenstände segnen. Das ist nur etwas in Vergessenheit geraten.“ Weihwasser ist dafür keines nötig, Texte für das Feiern und Beten daheim liegen in der Kirche auf, ebenso Grußkärtchen zum Mitnehmen und Weiterschenken.

In Allerheiligen in Innsbruck stellt Irene Weinold mit selbst gemachten Puppen das Sonntagsevangelium nach.
© Vanessa Rachlé / TT

Mit dieser Aktion soll der Dezember in Allerheiligen zum „Monat der Herzlichkeit“ werden. Die Idee: Die Karte kann mit einem persönlichen Gruß und einer kleinen Aufmerksamkeit Menschen in der Nachbarschaft vor die Tür gelegt werden und soll so die derzeitige Distanz zueinander kleiner machen. In der Kirche wird außerdem mit handgemachten Puppen das Evangelium der Adventsonntage nachgestellt.

Im Seelsorgeraum Inntal mit den Pfarren Roppen, Mils, Karres und Karrösten herrscht bei Pfarrer Johannes Laichner trotz oder gerade wegen des Lockdowns Hochbetrieb. Da zu jeder Messe derzeit nur zehn Menschen kommen dürfen, die sich vorher anmelden müssen, hält er eben jeden Tag einen Gottesdienst. Auch am 24. und 25. Dezember wird es deshalb wohl mehrere Weihnachtsmessen geben. Die Kindermetten finden in allen vier Gemeinden im Freien statt: Geplant ist eine stimmungsvolle Laternenwanderung zur Kapelle, „zum Abschluss singen wir dann alle zusammen Stille Nacht“.

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Den Nikolaus samt Engeln gibt’s in diesem Jahr per Videobotschaft: Er lädt die Kinder ein, mit ihren Eltern einen Sonntagsspaziergang zu machen und sich in der Kirche eine kleine Überraschung abzuholen.

Pfarrer Laichner spricht von einer fordernden Situation: „Man kann in dieser Zeit viel verlieren, aber auch viel gewinnen. Es wäre für mich schrecklich, wenn die Botschaft rüberkäme, dass die Kirchen in dieser schwierigen Zeit zusperren. So einen Eindruck dürfen wir nicht erwecken. Wir müssen Trostspender sein.“ Der Pfarrer hat die Bewohner während des ersten Lockdowns gebeten, ihm Fotos von sich zu schicken, die Bilder befestigte er an den Kirchenbänken. Während der Messen läutet bei der Wandlung immer die Glocke, auch wenn er allein dort ist. „So können alle hören, dass ich trotz allem für sie da bin.“

Pfarrer Ferdinand Pittl segnet in Matrei in Osttirol die Kränze.
© SSR Matrei

In Osttirol hat Pfarrer Ferdinand Pittl die Bewohner im Seelsorgeraum Matrei-Kals-Huben aufgerufen, ihre Adventkränze in die Kirche zu bringen. Nachdem er sie gesegnet hat, können sie wieder abgeholt werden. Als besondere Aktion wird ein Christbaum aufgestellt, den die Kinder mit ihren Basteleien schmücken dürfen. Und damit auch heuer alle „Krippelen schaugn“ gehen können, wird vom 20. Dezember bis 10. Jänner in Matrei ein Krippenpfad eingerichtet. Ausgehend von der Pfarrkirche St. Alban können dort bei einem Rundgang in über 40 Fenstern verschiedenste Krippen und Krippendarstellungen heimischer Künstler Covid-gerecht bewundert werden.

Auch in der Pfarre Maria Himmelfahrt in Schwaz hat Pfarrer Martin Müller schon eine gewisse Lockdown-Routine. Wie zu Ostern die Palmbuschen, segnet auch er die in die Kirche gebrachten Adventkränze. Für alle, die in die Kirche kommen wollen, gibt es einen Ad­ventweg mit vier Stationen für Erwachsene und einen eigenen für die Kinder.

Die Erzdiözese Salzburg lädt in diesem Jahr die Menschen ein, zu Hause zu feiern, Vorschläge gibt es auf der eigens eingerichteten Plattform www.trotzdemnah.at. Dort sind u. a. eine Anleitung für die Do-it-yourself-Adventkranzsegnung samt Wissenswertem über die Entstehung des Brauches, ein „Advent-Crashkurs“, die „Weihnachtsgeschichte im Newsflash“ und auch eine Übersicht der Livestreams von Gottesdiensten zu finden.

Viele Informationen und Impulse für die Weihnachtszeit sind auch auf der Homepage der Diözese Innsbruck zu finden: www.dibk.at


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