Nationalbank rät Banken zum Sparen: Pleitewelle droht

Laufen Stundungen aus, drohen eine Pleitewelle und Kreditausfälle. Zahlungsengpässe häufen sich.

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Wien – Die Nationalbank (OeNB) hält eine Pleitewelle im kommenden Jahr für möglich. Bereits jetzt kämpft jede zweite Firma in Österreich mit Liquiditätsengpässen.

Heuer hätten die staatlichen Corona-Hilfsmaßnahmen die Zahl der Insolvenzen noch deutlich nach unten gedrückt, erklärt die OeNB in ihrem Finanzmarktstabilitätsbericht. Auch „das Bankensystem hat den Unternehmen sehr viel Liquidität zur Verfügung gestellt“, so OeNB-Gouverneur Robert Holzmann. Das Geld sei vor allem zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs verwendet worden. Ohne fiskalische Maßnahmen wären 5,5 Prozent der Unternehmen insolvent geworden, rechnet OeNB-Direktorin Doris Ritzberger-Grünwald vor. Mit den Maßnahmen sinke diese Quote jedoch um zwei Drittel.

Im Gegensatz zu Kreditgarantien, Fixkostenzuschuss und Kurzarbeit wirken Stundungen nur vorübergehend und sollen im kommenden Jahr auslaufen. Insolvenzen werden dann voraussichtlich wieder steigen, so Ritzberger-Grünwald. Unklar sei noch, wie stark der Anstieg ausfallen werde.

Insolvenzwelle für Bankensystem "bewältigbar"

Laut dem Zahlungsmoralbarometer von Atradius hatten 49 Prozent der befragten Firmen in Österreich bereits in den vergangenen Monaten Schwierigkeiten, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. In anderen EU-Ländern waren es nur 38 Prozent.

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Laut der OeNB ist eine mögliche „Insolvenzwelle für das österreichische Bankensystem bewältigbar“, weil die Banken mit deutlich besserer Kapitalausstattung in die Krise gegangen seien als bei der Finanzkrise.

Die Kreditqualität der In­stitute würde unter den steigenden Insolvenzen allerdings klar leiden. Auch wenn die Quote der notleidenden Kredite derzeit noch niedrig ist, empfiehlt die OeNB den Banken deshalb, bereits jetzt zu sparen und ihre Effizienz zu erhöhen. Von künftigen Gewinnausschüttungen rät die Notenbank den Geldinstituten deshalb weiter zu vorsichtigem Vorgehen. Zum Effizienzgewinn der Banken trägt zunehmend auch die Digitalisierung bei. Im Gegenzug ist die Zahl der Bankfilialen in Österreich seit dem Jahr 2000 von 4192 auf 3525 zurückgegangen. (APA, TT)


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