Expertin Anastassia Lauterbauch: Künstliche Intelligenz als Geschäft

Unternehmerin und Cyber-Expertin Anastassia Lauterbauch sagt, was Künstliche Intelligenz in Zukunft verändert.

MCI-Rektor Andreas Altmann spricht online mit seinen Gästen, hier mit der Unternehmerin und KI-Expertin Anastassia Lauterbach.
© MCI

Innsbruck – Als gebürtige Russin kam Lauterbach mit Studienabschlüssen in Linguistik, Slawistik und Psychologie als Wirtschaftsmigrantin nach Europa. Lauterbach, die heuer Gast beim abgesagten Tiroler Wirtschaftsforum gewesen wäre, erklärt, dass sie in ihrer Karrierelaufbahn nie strategisch vorgegangen sei, allerdings stark von Personen, mit denen sie gearbeitet hat, beeinflusst wurde, u. a. von Apple-Gründer Steve Jobs.

Auch interdisziplinär, also fachbereichsübergreifend, zu arbeiten war eine der besten Möglichkeiten, welche sich ihr bot und die sie nutzte. In diesem Kontext betont Lauterbach: „Bildung ist etwas anderes als Ausbildung. Studierende erhalten gerade eine Ausbildung, Bildung untersteht der eigenen Sache.“

So kam Lauterbach über Umwege zu ihrem Forschungsschwerpunkt der Künstlichen Intelligenz (KI). Lauterbach betont dabei, dass es sich bei Künstlicher Intelligenz um fundamentale Forschung der Mathematik aus den 30ern und 40ern handelt, welche nun in angewandter Forschung Verwendung findet.

Künstliche Intelligenz durchdringt mittlerweile fast allen Sparten, sagt sie. Unternehmen betreiben mittels Künstlicher Intelligenz Forecasting, optimieren Prozesse oder bauen Roboter, um den vorherrschenden Fachkräftemangel ausgleichen zu können. Interessante Beispiele für die Unternehmenswelt finden sich z. B. in medizinischen Einrichtungen. So werden in Japan Personen schon von Robotern gepflegt. Im Silicon Valley ging man sogar so weit, diese Roboter als Teddybären zu verkleiden. Diese Entwicklungen bieten Chancen für das überlastete Gesundheitssystem – welche jedoch mit Vorsicht zu genießen sind, so Lauterbach.

Denn Künstliche Intelligenz berge auch viele Risiken. Als Beispiel erwähnt Lauterbach, dass in Kalifornien Maschinen juristische Urteilssprüche erstellen. So kann es passieren, dass eine Person schuldig gesprochen wird, nur weil sie in einem Bezirk lebt, wo eine hohe Kriminalitätsrate herrscht, so Lauterbach. Kritisch steht die Forscherin auch der internationalen Datengenerierung gegenüber. So kristallisiert sich das Gesundheitssystem in China immer mehr als Marktführer heraus und erstellt dabei Unmengen an Daten, welche in Europa noch fehlen. Doch können diese Daten aus China auch in Europa angewandt werden?

Oder gibt es doch zu viele Unterschiede in der Genetik, den Umwelteinflüssen u. Ä.? Lauterbach betont die Bedeutung von Ethik in der Anwendung von KI. Eine globale Lösung zu finden, gestaltet sich jedoch als schwierig, denn vieles, was in Europa als ethisch korrekt angesehen wird, habe in Asien keinen Bezug und umgekehrt. Ethik kann somit ohne zeitlichen und geographischen Bezug nicht funktionieren, erklärt Lauterbach. „Technik ohne menschliche Intelligenz geht nicht“, betont die Expertin immer wieder. Das System sei zu fehleranfällig. Denn im Endeffekt handle es sich bei KI nur um Mathematik. Die menschliche Intelligenz fehle bei KI, vor allem bei der Dateninterpretation. In diesem Zusammenhang zitiert Lauterbach Picasso: „Computer sind absolut doof, denn sie geben nur Antworten.“ Somit werde klar, KI braucht die menschliche Intelligenz, um die Ergebnisse interpretieren zu können. (TT)


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