BBT-Zulaufstrecke: Lob und Tadel für digitale UVP

Bürgerinitiativen reagieren unterschiedlich auf digitale Umweltverträglichkeitsprüfung für BBT-Zulaufstrecke. Wesentliche Kritikpunkte wurden nicht ausgeräumt.

Werner Baumgartinger (l.) und Hans Stürner von der BI Schöfftal hoffen, dass ihre Vorschläge doch noch Gehör bei den Behörden und den Österreichischen Bundesbahnen finden.
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Von Wolfgang Otter

Langkampfen, Angath – Es war ein echtes Novum. Von Montag bis Mittwoch fand die Umweltverträglichkeitsprüfung für den Abschnitt Radfeld bis Schaftenau der Bahnzulaufstrecke zum Brennerbasistunnel statt. Aber nur digital vor dem PC. Eine eigentlich vorgesehene öffentliche Verhandlung war aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden. Bereits im Vorfeld hatte es Proteste der Gemeinden Angerberg, Angath und Langkampfen gegeben. Sie verlangten eine Verschiebung. So wie auch die Bürgerinitiativen „BI Schöfftal“ in Angath/Angerberg und die „BI Langkampfen“ auf eine Vertagung gedrängt haben, damit mehr Öffentlichkeit möglich ist.

Die Bilanz fällt unterschiedlich aus. Auch wenn das Verfahren noch nicht ganz abgeschlossen ist und laut Hans Walk (BI Langkampfen) noch Unterlagen nachgereicht werden. „Es gab technische Probleme und Übertragungsausfälle“, ärgert er sich. Unter dem Strich fällt für ihn die Bilanz eher bitter aus. „Wir spielen nicht auf dem gleichen Fußballfeld, wie uns vermittelt wurde“, meint Walk angesichts der Abweisung von Eingaben der BI. Man hätte diese Einwände, die sich auf eine andere Situierung des Tunnelportals in Schaftenau beziehen, bereits früher machen sollen, wurde mitgeteilt. „Aber damals durften wir gesetzlich noch keine BI gründen“, zeigt Walk die Diskrepanz auf. Das sei erst mit Auflage der Unterlagen durch die ÖBB möglich gewesen. Danach erfolgte die Gründung, anscheinend zu spät, wie sich nun zeigte. Er hat jetzt das Ministerium aufgefordert, dazu Stellung zunehmen.

Zufrieden, zumindest über den Ablauf, zeigt sich Hans Stürner von der BI in Angerberg. Der Gruppe um Stürner geht es darum, die Auswirkungen des Baus des Angerbergtunnels, wie Lkw-Verkehr und die Aufschüttung des Schöfftals in Angerberg, gering zu halten bzw. zu verhindern. Auf alle Fälle ortete Stürner auch Bereitschaft der ÖBB, das aus dem Tunnelbau gewonnene Material für den Hochwasserschutz im Unterland zur verwenden. „Uns geht es darum, damit etwas Sinnvolles zu machen, nicht damit Natur zu zerstören und das Schöfftal aufzuschütten“, erklärt der BI-Sprecher. Zusätzlicher Vorschlag: Das Material könnte auch im Steinbruch am Eiberg in Schwoich landen. Die BI hat sich jetzt mit einer Petition an den Landtag gewandt.

Die Situation habe alle „vor unbekannte Herausforderungen gestellt“, heißt es seitens der ÖBB. „Die Verhandlung wurde von der Behörde professionell durchgeführt. Sachverständige, Parteien und die ÖBB samt Planungsteam konnten in virtuellem Rahmen ihre Argumente austauschen. Es herrschte eine rege Beteiligung mit zahlreichen Wortmeldungen in einer insgesamt sehr ruhigen und konstruktiven Atmosphäre“, berichtet ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair. Es konnten alle Fachthemen, „insgesamt 21 Bereiche von Wasser über Luft, Schall bis hin zum Eisenbahnbetrieb, dank des außerordentlichen Engagements der Behörde und der Disziplin aller Beteiligten abgehandelt werden“, so der Pressesprecher. Und: „Die ÖBB sind zuversichtlich, 2021 einen positiven ­Grundsatzbescheid zu erhalten.“


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