Knapp 50 Millionen Euro für den „Schlachthofblock neu“ in Innsbruck

Kompromiss nach jahrelangen Debatten: Rund zwei Drittel des legendären Innsbrucker Sozialbaus werden saniert, der Rest wird abgerissen und neu gebaut.

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154 von derzeit 209 Wohnungen im Schlachthofblock bleiben erhalten und werden saniert. Im Innenhof werden Aufzüge und Balkone nachgerüstet. Durch einen Dachbodenausbau soll die Gesamtzahl der Wohnungen auf knapp 260 steigen.
© Michael Domanig

Innsbruck – Der Schlachthofblock in Dreiheiligen, 1922 bis 1925 nach Vorbild der Wiener Gemeindebauten errichtet, ist einer der ältesten und prägendsten Sozialwohnbauten Innsbrucks. Seit 2013 wurde die Entwicklung des Komplexes im Eigentum der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) politisch kontrovers debattiert, zwischen den Polen Totalabriss/Neubau und Erhalt/Komplettsanierung. Nach konträren Beschlüssen in Gemeinderat und Bauausschuss wurde schließlich eine Facharbeitsgruppe (Stadtpolitik, Stadtplanung, Architekten, IIG) darauf angesetzt.

Herausgekommen sei nun ein „guter Kompromiss“, befindet BM Georg Willi (Grüne). Man zeige „Respekt vor dem historischen Bauwerk“ – rund zwei Drittel des Komplexes bleiben bestehen –, zugleich komme Neues hinzu, so dass ein „gut durchmischtes Projekt“ entstehe.

Die Gebäudeteile Schlachthofgasse 2 bis 6 (Bild) sowie jene auf der Nordseite Richtung Viaduktbögen werden abgerissen und neu errichtet.
© Michael Domanig

IIG-Geschäftsführer Franz Danler stellte gestern die Details vor: Demnach werden der Nordteil des Blocks (an den Viaduktbögen) sowie die östlichen Gebäude im Bereich Schlachthofgasse 2 bis 6, also insgesamt 55 von derzeit 209 Wohnungen, abgerissen und neu gebaut. Der übrige Bestand wird saniert, wobei im Innenhof Aufzüge und Balkone nachgerüstet werden.

Drei Eckgebäude adaptiert die IIG für günstiges studentisches Wohnen (ca. 70 Einheiten). Mit einem Dachgeschoßausbau – für frei finanzierte Nutzung – soll die Zahl der Wohnungen im Endausbau auf 260 steigen, die Nutzfläche wächst von 13.500 auf ca. 17.500 m2. Die markanten Fassaden zur Erzherzog-Eugen- und Matthias-Schmid-Straße bleiben optisch unverändert.

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Die markanten straßenseitigen Fassaden Richtung Erzherzog-Eugen-Straße und Matthias-Schmid-Straße bleiben optisch unverändert.
© Michael Domanig

Schon 2021 soll die Sanierung in zwei Gebäudeteilen beginnen, die bereits größtenteils abgesiedelt sind, auch das studentische Wohnen soll rasch angegangen werden. Für den Neubau (dürfte 2023 starten), aber auch den innenseitigen Balkon- und Lifteinbau ist ein Architekturwettbewerb geplant, ca. 2024/25 soll alles fertig gestellt sein.

Danler beziffert das Gesamtvolumen mit knapp 50 Mio. Euro – 20 Mio. für die Sanierung, 16 Mio. für den Neubau, 7 Mio. für den Dachgeschoßausbau, dazu soll der bestehende Kindergarten neu errichtet und auf drei Gruppen erweitert werden (die genaue Situierung ist noch offen) und eine Tiefgarage entstehen.

© BAG2NG

GR Helmut Buchacher (SPÖ), Leiter der Arbeitsgruppe, sprach von einem „Freudentag“, weil der Block nicht „plattgemacht“, sondern großteils saniert und somit jahrelanger Leerstand beseitigt werde. Zudem würden Mieter nicht „vertrieben“. Laut Danler müsste für die Generalsanierung nicht zwangsläufig abgesiedelt werden, wegen der hohen Belastung biete man aber Ersatzwohnungen für die Umbauphase an.

Bauausschuss-Obmann Lucas Krackl (Für Innsbruck) hätte einen Totalabriss befürwortet: „Wir hätten durchaus mehr Wohnungen zu einem günstigeren Preis schaffen können.“ Aber die Stadt wolle sich diese Lösung eben „leisten“, der Kompromiss gehe in Ordnung.

„Rein ökonomisch und von der Zahl der Wohnungen, die man hier unterbringen könnte, müsste man das Gebäude abreißen“, bestätigt Innsbrucks oberster Stadtplaner Wolfgang Andexlinger. Zentral – und das habe die Stadtplanung stets klar vertreten – sei aber eben auch der baukulturelle und soziale Aspekt, „der nun gewürdigt wird“.


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