Ein Test für alle: Vom Warten auf Details und Teams an der Belastungsgrenze

Während im Land die Planungen zum Massentest gestern auf Hochtouren liefen, tappen Gemeinden und Organisationen, die dabei helfen sollen, im Dunkeln.

Schon in einer Woche starten die Massentests in Tirol. Die Vorbereitungen laufen. Gestern gab es erste Details vom Land.
© Vanessa Rachlé

Innsbruck – Die Einladung kommt mit der Post. Getestet wird in der Heimatgemeinde. Das alles erinnert an einen Wahltag und so könnte es wohl letztlich auch ablaufen. Zwischen 4. und 6. Dezember können/sollen sich die Tiroler einem freiwilligen, kostenlosen, flächendeckenden Antigen-Test unterziehen. Alle – ab dem 6. Lebensjahr, die in Tirol wohnhaft sind, keine grippeähnlichen Symptome aufweisen und in den vergangenen drei Monaten keinen positiven Corona-Test hatten.

Die Einladung muss um Telefonnummer und E-Mail­adresse ergänzt werden und zum Test (es soll zwischen 7 und 17 Uhr getestet werden) mitgenommen werden. Das sind die ersten Details zum Massentest, die das Land gestern veröffentlichte.

Weitere Informationen sollen folgen. Bis Anfang nächster Woche wird von den Gemeinden festgelegt werden, wo sich die Testlokale befinden bzw. wie viele Testlokale pro Gemeinde geöffnet werden. „Zur Entflechtung der Personenströme und zur Vermeidung von großen Menschenansammlungen seien Bürger entweder alphabetisch, nach Ortsteilen oder nach Straßenzügen einzuteilen“, sagt Elmar Rizzoli, Leiter des Einsatzstabes.

Pro Teststraße werden für die anfallenden Tätigkeiten – von der Abstrichnahme über die Ablesung der Testergebnisse bis hin zu Verwaltungs- und Backoffice-Tätigkeiten sowie Hilfspersonal (Ordnerdienste etc.) – zumindest vier Personen benötigt, die gleichzeitig Dienst verrichten müssen. Insgesamt soll es tirolweit über 560 Möglichkeiten zu Tests in den Gemeinden geben.

Viele jener Organisationen, die heute in einer Woche mithelfen sollten, tappten gestern aber noch im Dunkeln, wie ein Rundruf durch die Bezirke zeigte. „Alles was ich weiß, weiß ich aus der Zeitung“, formulierte es der Musauer Bürgermeister Sieghard Wachter gestern Nachmittag deutlich. Er wisse nicht, wo die Tests stattfinden sollen, wer sie macht, ob die Feuerwehr eingebunden ist oder nicht. „Wir haben noch keinerlei Informationen.“

Vorbereitungen „sehr weit fortgeschritten“

Bei der Bezirkshauptmannschaft Kufstein hatte man naturgemäß gestern schon mehr Details parat. Die Vorbereitungen für die Massentests seien „sehr weit fortgeschritten“, berichtet BH Christoph Platzgummer durchaus optimistisch. Die Informationen an die Gemeinden seien bereits verschickt, es gebe auch erste Pläne, in welchen Gemeinden wie viele Tage für die Tests eingeplant sind. „Auch genaue Pläne für den Testablauf und die dafür notwendige Infrastruktur sind bereits erstellt.“

Laut Platzgummer werden die Feuerwehren miteingebunden, die die Verteilung der Antigentests aus den Kasernen, wo diese zwischengelagert werden, übernehmen sollen. Gesucht werden laut dem Kufsteiner Bezirkshauptmann auch Ehrenamtliche für Ordnerdienste. Schwierig zu planen sind die PCR-Tests, die anschließend an einen positiven Antigen-Test gemacht werden sollen. „Es ist eine herausfordernde Aufgabe“, sagt Platzgummer, auch in Hinblick auf das eigene Amt, das die Verständigung bei einem positiven Test übernehmen muss. Dies soll möglichst rasch geschehen. Wobei man bereits jetzt am Anschlag arbeite.

Bernhard Gschnaller (GF Rotes Kreuz Kitzbühel): „Wir müssen sicher flexibel sein, aber das kennen wir schon. Wir werden das gut schaffen.“
© Angerer

„Wir warten auch noch auf Informationen“, sagt Bernhard Gschnaller, Geschäftsführer des Roten Kreuzes im Bezirk Kitzbühel. Klar sei bisher lediglich, wann die Tests durchgeführt werden. „Für mich heißt es nun, so viel wie möglich Personal für das nächste Wochenende zu haben“, erklärt Gschnaller. Da müsse man flexibel sein, „das kennen wir aber schon“, sagt der Geschäftsführer lakonisch. Er zeigt sich aber auch überzeugt: „Wir werden das gut schaffen.“

Wo die Bevölkerung getestet wird und wie der genaue Ablauf aussehe, wusste man auch hier noch nicht. „Die Infrastruktur wird gestellt, wir stellen das Personal“, sagt Gschnaller.

Kathrin Hörschlager, Geschäftsführerin der Sozialen Dienste Stanzertal, hat inzwischen aus Eigeninitiative die Hilfe ihres Teams angeboten. Sie wisse zwar nicht, was geplant ist, man könne aber „mit Rat und Tat zur Seite stehen“. Deshalb schrieb Hörschläger einen Brief an die Verbands­obleute und die Bürgermeister. Derzeit sei ihr Team bereits an der „Belastungsgrenze“ – trotzdem glaubt sie, dass man auf freiwilliger Basis Mitarbeiter und pensionierte Kräfte motivieren kann, mitzumachen. „Umso besser wir uns auf die Zukunft vorbereiten, umso schneller können wir wieder in den normalen Betrieb gehen.“

📽️ Video | Massentests als logistische Herausforderung

Feuerwehren stellen in Innsbruck Personal bereit

Die wohl größte logistische Herausforderung wird der Test in Innsbruck bringen. Vize-BM Hannes Anzengruber (VP) hat bereits die Feuerwehren um Mithilfe und Unterstützung ersucht. Neben der Berufsfeuerwehr Innsbruck werden auch die zehn Freiwilligen Feuerwehren in den einzelnen Stadtteilen Personal bereitstellen. Für das Abnehmen der Testabstriche soll medizinisch ausgebildetes Personal – bis zum Rettungssanitäter – eingesetzt werden. „Grundsätzlich soll ein möglichst einfacher Zugang gewählt werden, damit so viele Menschen wie möglich erreicht werden können. Wir setzen auch in Innsbruck auf die Freiwilligkeit.“

Richard Stefan, Kommandant der Feuerwehr Lienz, weiß noch nicht viel über den bevorstehenden Einsatz bei den Testungen. „Bis jetzt haben wir noch keine Informationen bekommen“, sagt er. „Wir werden wahrscheinlich logistisch und organisatorisch eingesetzt, aber Genaueres kann ich zurzeit nicht sagen.“ Im Fall des Falles sei die Feuerwehr aber sehr rasch mobilisiert, meint Stefan. „Feuerwehren gibt es ja überall, in jeder Gemeinde, wir warten jetzt ab, was auf uns zukommt.“

Die Kostenersätze trägt vorerst das Land Tirol, in weiterer Folge werden diese durch die Republik refundiert. Übrigens ist mittlerweile klar, wer eine Probe nehmen darf: Ärzte, biomedizinische Analytiker, Personen, die ein naturwissenschaftliches oder veterinärmedizinisches Studium erfolgreich abgeschlossen haben, der gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege nach ärztlicher Anordnung, die Pflegefachassistenz nach ärztlicher Anordnung sowie Sanitäter. (mw, fasi, wo, co, aha, mr)


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