Auf dem Sprung nach ganz oben: Tiroler soll neuer ESA-Chef werden

Josef Aschbacher (58) dürfte der nächste Chef der Europäischen Weltraumorganisation werden. Der Ellmauer hält sich noch zurück, in der Heimat löst die mögliche Ernennung Begeisterung aus.

Der Tiroler Josef Aschbacher gilt als Favorit für den Chefposten der Europäischen Weltraumorganisation ESA.
© APA/Hochmuth

Von Matthias Christler

Innsbruck, Rom –Einen kleinen Buben zieht es in der Nacht hinaus auf das Feld neben dem Bergbauernhof der Eltern in Ellmau, es ist „putzdunkel“, er blickt hinauf zu den Sternen. So beschrieb Josef Aschbacher vor eineinhalb Jahren in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung, wie in ihm die Faszination für den Weltraum geweckt wurde. Den Rest hat die Mondlandung erledigt, die er als Siebenjähriger in grau flimmernden Bildern am Fernseher der Familie live miterleben konnte. Damals reifte ihn ihm der Wunsch, nicht den Hof zu übernehmen, sondern nach Höherem zu streben.

Nun steht Aschbacher, der in Innsbruck Meteorologie und Geophysik studiert hat, kurz davor, den höchsten Posten zu übernehmen, den Europa in Zusammenhang mit Weltraum bieten kann. Der Ellmauer soll Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA werden.

Seit 2016 leitet der 58-Jährige als Direktor das Erdbeobachtungsprogramm der ESA und damit die finanzkräftigste Abteilung. Für die Nachfolge des aktuellen Generaldirektors Jan Wörner aus Deutschland, der Mitte 2021 zurücktreten wird, galt er als Außenseiter. Das änderte sich in den vergangenen Wochen. Wie italienische Medien berichten, hat sich Aschbacher gegen Dutzende andere Kandidaten durchgesetzt – in einem Auswahlprozess, der, so heißt es, auch politisch geprägt war. Die ESA-Mitgliedsstaaten konnten sich offenbar auf den Tiroler einigen, weil er sowohl in Österreich als auch in Italien, wo seine Abteilung angesiedelt ist, gut vernetzt ist. In der letzten Abstimmung diese Woche, bei der drei Kandidaten im Rennen waren, soll er 18 von 21 Stimmen erhalten haben. Die Ernennung wird für Mitte Dezember erwartet.

Aschbacher will „zum laufenden Prozess der Wahl keine Stellungnahme abgeben“, wie er gestern der TT mitteilte. Derzeit ist sein Blick nämlich wieder einmal ins All gerichtet. Der Satellit „Sentinel 6“, der hochauflösende Aufnahmen der Ozeane liefern und Veränderungen der Meeresspiegel erfassen soll, konnte am vergangenen Samstag ins All starten. Das Einschalten der Instrumente werde sukzessive durchgeführt und dauere noch einige Tage, so Aschbacher. Die erste Phase habe man „siebeneinhalb Stunden früher als geplant abgeschlossen“, freute sich der Tiroler. Schon seine erste Mission als ESA-Direktor für die Erdbeobachtung war ein voller Erfolg, so wie vielleicht nun seine letzte.

"Wichtigste Weltraumposition in Europa"

In Österreich hat die Nachricht, dass Aschbacher der Favorit für den Posten des Generaldirektors der ESA ist, Begeisterung ausgelöst. Gernot Grömer vom „Österreichischen Weltraum Forum“ kennt Aschbacher seit vielen Jahren und schätzt ihn als „sehr kompetenten ESA-Mann, der international hoch angesehen ist und mit dem man ganz toll zusammenarbeiten kann“. Sollte er tatsächlich den Posten übernehmen, wäre das für Österreich eine tolle Neuigkeit. „Der ESA-Generaldirektor ist die wichtigste Weltraumposition in Europa und wird in Zukunft noch wichtiger werden, je mehr Weltrauminfrastruktur auch im Alltag zum Einsatz kommt“, sagte Grömer. Damit meint er unter anderem, dass Unternehmen großes Interesse an den Daten der Erdbeobachtungssatelliten haben.

In Ellmau würde man dem Sohn der Gemeinde den Karriereschritt natürlich mehr als gönnen. „Er ist immer noch verwurzelt hier, kommt immer wieder und hat sich sogar angeboten, bei einer Jungbürgerfeier vorbeizuschauen“, erzählte Bürgermeister Nikolaus Manzl über Aschbacher – einen Ellmauer, „der schon als Kind ein außergewöhnlich gescheites Bürschl war“.


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