Reschenbahn war schon 1918 ein Milliardenprojekt

Debatte im Parlament drehte sich um enorme Beträge, die in eine „Bahnruine“ geflossen sind.

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Reschenbahn-Baustelle 1918: Die Aufnahme zeigt den Bautrupp am Tunnelportal unterhalb von Schloss Landeck.
© Jenewein

Von Helmut Wenzel

Landeck, Mals, Wien – Wie berichtet, hat die Politik heuer mit der „Grauner Absichtserklärung“ einen neuen Impuls zur Wiederbelebung des weit mehr als 100 Jahre alten Projekts Reschenbahn gesetzt. Für den Bau der Bahnverbindung Landeck-Mals müssten – aus heutiger Sicht – bis zu einer Milliarde Euro lockergemacht werden, möglicherweise noch mehr. Der Tiroler Verkehrsexperte Ekkehard Allinger-Csollich spricht von einem Jahrhundertprojekt, damals wie heute.

Um Milliardenbeträge ging es auch damals, als die Arbeiten am Teilstück Landeck-Tösens begonnen haben. Ab August 1918 war dort ein unglaublich großer Bautrupp mit 5000 Arbeitern mehrere Monate im Einsatz, wie Autor Manfred Jenewein in seinem Buch „Eine Eisenbahn über den Reschenpass“ (2018) dokumentiert hat. Übrigens zählte Landeck damals kaum 4000 Einwohner.

Die Reschenbahn ist ein Jahrhundertprojekt, damals wie heute.
Ekkehard Allinger-Csollich (Verkehrsexperte)

Eine Debatte im Finanz- und Budgetausschuss des Wiener Parlaments im Beisein von Bundesminister Hans Schürff (1875–1939) gibt Einblick in die damalige Sichtweise. Der Tiroler Anzeiger berichtete darüber am 22. Februar 1924: Abgeordneter Wilhelm Scheibein (1869–1936, Präsident der Tiroler AK) verwies darauf, „dass für den Bau der Reschenscheideckbahn bereits beinahe 31 Milliarden Kronen ausgegeben wurden“. Der bisher vorgenommene Bahnbau befinde sich trotzdem „in einem ruinenhaften Zustand“. Die in das Budget eingestellte Summe von 4,5 Milliarden genüge für die Sicherheitsarbeiten nicht, weshalb der Redner beantragte, „die Summe für die Fortführung des Bahnbaues Landeck-Tösens auf 20 Milliarden zu erhöhen“. Weiters beantragte Scheibein „die Vorarbeiten für das Außerferner Fernbahnprojekt“.

Eine Umrechnung der österreichischen Krone des Jahres 1924 auf Euro ist schwierig. Die Staatsfinanzen gerieten wegen der galoppierenden Inflation Anfang der 1920er-Jahre aus dem Lot.

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Interessant auch der damalige Debattenbeitrag des Kärntner Abgeordneten Hans Angerer, der die „übertriebene Zentralisierung auf dem Gebiete der Bundesbahnverwaltung“ kritisierte: „Bei der Besetzung der Stellen in den Zentralämtern werden die Provinzbeamten beiseite geschoben und die Posten oft mit Leuten besetzt, die aus dem Osten zugereist sind.“


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