Weihnachten und Lockdown: Eine Paket-Flut wie noch nie in Tirol

Der Dezember ist die stressigste Zeit des Jahres für Paketzusteller. Doch heuer steht nicht nur Weihnachten vor der Tür, wegen des Lockdowns wird sogar noch mehr online bestellt.

Für Paketzusteller ist die besinnliche zugleich die stressigste Zeit im Jahr.
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Von Matthias Christler und Theresa Mair

Innsbruck – Abgefahren, so könnte man die Situation bei den Paketzustellern gut beschreiben. Das Weihnachtsgeschäft im Corona-Jahr steuert auf einen Rekord zu. Wesentlicher Grund dafür ist der boomende Online-Handel. Laut einer Umfrage der Linzer Johannes-Kepler-Universität will jeder vierte Befragte im zweiten Lockdown öfter sowie länger online shoppen und dabei auch mehr Geld ausgeben. Die Folge: Im Dezember werden so viele Pakete zugestellt werden müssen wie noch nie.

Die Österreichische Post hat deshalb nicht nur eine Urlaubssperre verhängt, sondern auch das Personal aufgestockt. „In Tirol werden 100 zusätzliche Paketzusteller im Einsatz sein“, sagt Pressesprecher Michael Homola. Warum das nötig ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Vergangenen Dezember wurden vom Postverteilerzentrum in Hall aus pro Tag durchschnittlich 63.000 Pakete zugestellt, heuer rechnet man mit 83.000.

Auch der Zustellservice DHL Express erwartet heuer einen Weihnachtsrekord. „Derzeit werden bei uns täglich 4300 Pakete abgeholt und zugestellt. Das sind 900 mehr als in Normalzeiten. Bereits jetzt sind es zehn Prozent mehr als letztes Jahr in der Weihnachtszeit und wir rechnen mit noch mal zehn Prozent mehr“, sagt Marku­s Kaller, Service Center Manager von DHL Express in Tirol.

Paket-Flut im Dezember

  • 100 zusätzliche Paketzusteller liefern im Dezember in Tirol für die Post aus.
  • 20.000 Pakete mehr pro Tag stellt die Post im Dezember in Tirol zu.
  • 4300 Abholungen und Zustellungen von Paketen führt DHL Express derzeit täglich durch. Das sind 900 mehr als normal. Bis Weihnachten rechnet man mit einer Steigerung um weitere zehn Prozent.
  • Stichtag für Pakete bei DHL Express ist der 22. Dezember, bis dahin sollten im EU-Raum spätestens Pakete aufgegeben werden, damit sie noch rechtzeitig am 24. ankommen. Pakete aus Übersee sollten spätestens am 17. Dezember aufgegeben werden.Die Post rät, Pakete bis Montag, den 21. Dezember, aufzugeben, bei Post-Express-Sendungen ist es der 23. Dezember.

Solch eine Paketflut bedarf der Vorbereitung. Im Lager in Inzing sind mehr Mitarbeiter im Einsatz. Auf der Straße sind rund 40 Zusteller, statt wie in Normalzeiten 32, unterwegs, wie Robert Glatz, Verantwortlicher des DHL-Servicepartners DEX, schildert. „Unser Notnagel ist noch, dass wir am Samstag auch ausliefern. Das tun wir normalerweise nicht und wir haben das in der Vergangenheit extrem selten gemacht“, schildert Kaller

Ansonsten soll alles ablaufen wie gewohnt. Der Tag der Paketlieferanten beginnt um 5.30 Uhr im Lager, um sieben Uhr schwärmen sie durch ganz Nordtirol aus, am frühen Nachmittag ist die Arbeit getan. Für jene, die später anfangen, ist spätestens um 18 Uhr Schluss. Denn DHL ist an die Vorgaben des Flughafens gebunden, wo die abgeholten Päckchen am Abend noch in den Flieger verfrachtet werden müssen. Die Kilometer, die ein Fahrer – auch Radkuriere zählen dazu – am Tag herunterspult, sind unterschiedlich.

Die Rede von „Paketsklaven“ will Glatz nicht stehenlassen. „In Österreich läuft es schon anders ab als vielleicht in Deutschland. Die Fahrer sind ganz normal für 40 Stunden angemeldet und Überstunden werden ausbezahlt.“

„Rund um den 10. Dezember ist immer die Hölle los, heuer sicher noch mehr als in früheren Jahren.“ – Cihan Islak (Paketzusteller Post)
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Gefallen lassen müssten sich Zusteller aber trotzdem sehr viel im Weihnachtsgeschäft. „Manche Kundschaften sind ein bisschen verständnisvoller aufgrund von Corona. Es gibt auch Leute, die Trinkgeld geben. Manche sind aber noch nervöser und gereizter geworden“, weiß Glatz. Er arbeitet zwar meist im Büro, setzt sich ab und zu aber auch noch selbst hinter das Steuer. Manche Leute, die zu spät bestellt haben, würden sogar Zusteller abfangen, die gerade in der Gegend unterwegs sind, und versuchen „alle Hebel in Bewegung zu setzen“, fügt Kaller hinzu.

Cihan Islak, Paketzusteller bei der Post, kennt den Ärger der Kunden, aber auch die Freude nur zu gut. „Für manche sind wir der Teufel, für die meisten aber hoffentlich schon eher der Nikolaus“, glaubt der 38-jährige Schwazer. Jeden Tag stapelt er 100 bis 140 Pakete in seinem Lieferwagen, um sie überreichen zu können. Jetzt werden es täglich mehr. Rund um den 10. Dezember wird es am vollsten in seinem Lieferwagen, da sei „immer die Hölle los. Heuer sicher noch mehr als in früheren Jahren.“

Füllt sich der Wagen, werden auch die Schichten länger. Normalerweise beginnt sein Tag um 4.30 in Hall und endet nach Mittag. Im Dezember dauert ein Arbeitstag oft bis 15 Uhr. Weil er schon seit 14 Jahren in der Innsbrucker Innenstadt ausliefert, hat er einen Vorteil, der ihm etwas Zeit verschafft. Viele Empfänger kennt er schon lange, deshalb weiß er, wo er Pakete auch mal ablegen darf. Den Dezember-„Wahnsinn“ übersteht er auch, weil es schöne Momente gibt in seinem Beruf. „Als ich in der Innenstadt angefangen habe, war da eine Schwangere und da habe ich das Kind aufwachsen gesehen. Jetzt ist die Tochter 14, bestellt selbst schon und bekommt von mir Pakete.“

Aber auch er muss nicht mit leeren Händen nach Hause fahren. Die Pakete werden bis zum Ende des Arbeitstages hin zwar weniger, dafür wird der Lieferwagen mit Keksen aufgefüllt. „Das stimmt schon, man bekommt jetzt viel von den Kundschaften zugesteckt. Süßigkeiten für Weihnachten muss ich jedenfalls nie einkaufen gehen“, lacht Islak.

Wenn er sich etwas wünschen dürfte, wäre das allerdings etwas anderes. Nichts Materielles, sondern etwas, das nicht nur für Paketzusteller gilt in dieser Vorweihnachtszeit im Corona-Jahr: „Wenn alle zusammenhalten, dann packen wir das schon.“

5 Fragen zur Paketlieferung

Eine Onlinebestellung läuft nicht immer reibungslos ab. Deshalb klärt Manuela Robinson vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) wichtigsten Fragen.

📦 Ist es erlaubt, dass der Zusteller das Paket vor meine Haustür legt?

„Grundsätzlich bedarf es dazu einer Abstellgenehmigung“, sagt Robinson. Die kann bei der Post z. B. online ausgefüllt werden. Ohne Abstellgenehmigung muss das Paket dem Empfänger direkt zugestellt werden. Nicht bei allen Anbietern sei das so geregelt.

📦 Darf der Zusteller die Pakete bei meinem Nachbarn abgeben?

Das sei nicht einheitlich gesetzlich geregelt, heißt es vom VKI. In den Geschäftsbedingungen der Post steht, dass Pakete auch an Nachbarn übergeben werden können. „Wenn der Nachbar das als kostenlosen Service übernimmt, muss er eine gewisse Sorgfaltspflicht einhalten“, so Robinson.

📦 Ich war zuhause, aber statt des Pakets habe ich nur eine Hinterlegungsanzeige im Postkasten gefunden. Was kann ich tun?

Der VKI hat öfters mit solchen Beschwerden zu tun. Viel könne man nicht tun, „weil es schwierig nachgewiesen werden kann, dass man zu Hause war“. Wiederholt es sich, soll man den Zustelldienst informieren.

📦 Wenn mein Paket beschädigt ist oder nicht ankommt, wer ist dafür verantwortlich?

„Man hat es bei einem Händler gekauft und der hat einen Vertrag mit dem Zustelldienst abgeschlossen, also ist der Händler mein Ansprechpartner, nicht der Zusteller.“

📦 An wen kann ich mich bei Problemen wenden?

Wenn der Händler in Österreich seinen Sitz hat, hilft der VKI (vki.at), außerhalb Österreichs das Europäische Verbraucherzentrum (www.europakonsument.at). Bei Problemen mit dem Zustelldienst ist die Postschlichtungsstelle (www.rtr.at) zuständig. (chris)


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