Von Massensendungen vor dem Test und Tausenden Freiwilligen in Tirol

Die Vorbereitungen für die Corona-Tests in einer Woche laufen auf Hochtouren. In vielen Gemeinden gibt es mittlerweile konkrete Pläne.

Am kommenden Wochenende stehen in Tirol die Massentests an. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Es werden aber noch Freiwillige gesucht.
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Innsbruck – Alles dreht sich um Zahlen. Infektionen. Spitalsbetten. Exponentielles Wachstum. Mit Corona ist zu rechnen. Auch wenn es um die Massentestungen in der kommenden Woche in Tirol geht. Denn nur die Masse an Teilnehmern macht sie eben zu selbigen. Auch wenn die Landespolitik, anders als in Südtirol, vor einer konkreten Zahl zurückzuckte: Letztlich wird die Menge der Testungen über den Erfolg der Aktion entscheiden und die Politik daran gemessen.

📽️ Video | Vorbereitungen für Massentests in Tirol:

Vor dem Test kommt die Massensendung. Im Laufe der kommenden Woche erhalten alle Personen, die in Tirol wohnen und im Zentralen Melderegister gemeldet sind, per Post eine Verständigung zur Testreihe. Diese beinhaltet ein Formular mit Strichcode und eine Datenschutzerklärung. „Um eine schnellstmögliche und reibungslose Registrierung vor Ort zu gewährleisten, werden die Bürger unbedingt aufgerufen, diese Formulare vorab zu Hause zu lesen und auszufüllen“, sagt Projektleiter Elmar Rizzoli. Diese Unterlagen mit dem Strichcode müssen die Bürger dann zum Test mitnehmen – das soll Wartezeiten verkürzen. In Ausnahmefällen gibt es ein Ersatzformular im Internet oder vor Ort. Die Post hat dem Land die zeitgerechte Zustellung der Briefe zugesichert.

1100 Freiwillige haben sich für die Testungen bisher über die GemNova-Hotline als medizinisches Personal gemeldet. Das Land ortet darin einen „landesweiten Schulterschluss“ und man geht davon aus, dass „sehr viele Personen“ mitmachen werden. Zu den freiwilligen im medizinischen Bereich kommen noch unzählige Helfer der Feuerwehren oder Traditionsverbände. Wie viele Helfer man letztlich brauche, das könne man nicht sagen, hieß es gestern. Das hängt nämlich auch davon ab, wie viele Teststraßen die Gemeinden letztlich in­stallieren. Weitere Freiwillige könnten sich weiterhin melden.

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Viel bleibt also auch bei den Gemeinden in der Organisation hängen. Etliche Kommunen haben ihre Strategien bereits festgelegt und veröffentlicht. In Axams zum Beispiel wird an drei Tagen getestet – alphabetisch getrennt nach Straßennamen.

Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel geht davon aus, „dass wir unseren Teil schaffen“. Es gebe genügend Verwaltungspersonal und viele Freiwillige, die sich bereits gemeldet hätten. „Auch die Infrastruktur mit Räumen und die technische Ausstattung mit Computern und WLAN sind vorhanden. Einzige offene Frage ist das medizinische Personal für die Abstriche“, sagt Krumschnabel. Er sei gespannt, ob wirklich genug kommen, und habe natürlich auch die Diskussion bezüglich der Bezahlung mitbekommen. „Ich habe heute einen Rundruf gestartet und alle Stadtratsmitglieder sind einverstanden, dass wir dem Personal aus Gesundheitsberufen die Differenz zur Entschädigung für Ärzte bezahlen. Das Letzte, was wir in dieser Krise brauchen, ist eine Diskussion ums Geld. Die Aktion muss gelingen“, meint der Bürgermeister. Für Kufstein sind vom Land neun Teststraßen an fünf Standorten vorgesehen. Krumschnabel hätte bei 20.000 Einwohnern eher mit 20 geplant, könne aber natürlich auch zurückfahren.

Ich gehe davon aus, dass wir unseren Teil schaffen. Die offene Frage ist das medizinische Personal.
Martin Krumschnabel (BM Kufstein)

Im Stanz bei Landeck hat Bürgermeister Ferdl Beer die Vorbereitungen zu den Massentests „praktisch unter Dach und Fach“, wie er am Samstag bestätigte. Bei der personellen Besetzung habe es keine Probleme gegeben. „Pensionierte Ärzte haben mir ihren ehrenamtlichen Einsatz zugesagt. Dazu kommen noch zwei Verwaltungsmitarbeiter sowie Männer von der Feuerwehr, die den Ordnerdienst übernehmen.“ Weil das Dorf nur 600 Einwohner zählt, benötige man nicht drei, sondern nur einen einzigen Tag für die Testungen – am Sonntag, 6. Dezember, von 7 bis 17 Uhr im Gemeindesaal beim Dorfwirt. Ähnlich die Situation in Tobadill mit 530 Einwohnern, wie Bürgermeister Martin Auer schilderte: „Am Donnerstag hat uns das Land über die Testungen informiert. Am Freitag haben wir alles organisiert, acht medizinisch ausgebildete Mitarbeiter inklusive einer Ärztin sind im Einsatz. Der Raum im Gemeindeamt hat einen eigenen Eingang und Ausgang.“ Auch in Tobadill wird lediglich am Sonntag, 6. Dezember, getestet. Eine Verpflichtung, drei Tage offen zu halten, gibt es vom Land übrigens nicht. Großen Gemeinden erteilte man aber eine entsprechende Empfehlung. (mm, hwe, mw)

Mehr Planung bei Testaktion gefordert

Die Massentest-Strategie der Regierung stößt auch auf Kritik. Mediziner befürchten, dass ein Nutzen ausbleibt.

Während die Vorbereitungen zu Corona-Massentests vorangetrieben werden, warnen Versorgungsforscher zunehmend vor einem überhasteten Vorgehen. „In Österreich laufen wir Gefahr, in ein chaotisches, unökonomisches, unwirksames und möglicherweise schädliches Vorhaben zu schlittern“, sagt Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung und Mitglied der Corona-Kommission.

Das Institut hat diese Woche einen Qualitätscheck der geplanten flächendeckenden Testungen auf seiner Homepage veröffentlicht. Nur zwei von 18 behandelten Kriterien wurden demnach erfüllt. Unter anderem sei weder die Logistik transparent noch ein Vorgehen nach den Testungen näher bekannt. „Die Bevölkerung hat ein Recht auf eine klare Information, besonders auch über den Nutzen und den Schaden eines solchen Testprogramms. Wenn bei fünf Millionen Getesteten 100.000 von ihnen einen falsch positiven Befund erhalten, ist das schon ein Problem“, erklärt Siebenhofer-Kroitzsch. Die vorgesehenen Antigen-Tests liefern ein rasches Ergebnis, sind daher ideal für bevölkerungsweite Testungen, aber die Ergebnisse müssen mit einem zweiten Test bestätigt werden. Es sollte geklärt werden, wie u. a. Bestätigungstests und die Kontaktnachverfolgung ablaufen.

Grundsätzlich befürwortet die Versorgungsforscherin die Strategie, die Bevölkerung flächendeckend auf Corona zu testen, um Infektionszahlen zu reduzieren. „Die Tests müssen aber zielgerichtet und regelmäßig sein.“ Das heißt, die Tests – unabhängig ob positiv oder negativ – müssten einmal, besser mehrmals pro Woche stattfinden, da sie eine Momentaufnahme sind.

Die Expertin plädiert für mehr Planung. Geeignet wären Testballone in sehr belasteten Bezirken oder in einem kleinen Bundesland. Funktioniert das Screening könne das Modell somit auf ganz Österreich übertragen werden.


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