Montenegro verwies serbischen Botschafter des Landes

Die voraussichtlich noch vier Tage im Amt befindliche Regierung Montenegros hat den Botschafter Serbiens zur unerwünschten Person erklärt und des Landes verwiesen. Der Diplomat Vladimir Bozovic habe sich in die inneren Angelegenheiten des Gastlandes eingemischt und damit gegen geltendes Völkerrecht verstoßen, teilte das montenegrinische Außenministerium am Samstag in Podgorica mit.

In Montenegro regiert seit fast 30 Jahren in unterschiedlichen Funktionen Präsident Milo Djukanovic. Er hatte das kleine Balkanland 2006 in die Unabhängigkeit von Serbien und 2017 in die Nato geführt. Im August verlor seine Regierungspartei DPS die Parlamentswahl. Am kommenden Mittwoch soll das Parlament über eine neue Regierung abstimmen, hinter der ein breites Oppositionsbündnis steht.

Dominierende Kraft in dieser Koalition ist die pro-serbische und pro-russische Demokratische Front (DF). Die kleineren Bündnispartner sind pro-westlich ausgerichtet, wollen aber wie das DF die angebliche Allmacht von Djukanovic brechen. In den Koalitionsverhandlungen wurde vereinbart, dass die NATO-Mitgliedschaft und der EU-Beitrittsprozess nicht in Frage gestellt werden sollen.

Djukanovic bemüht sich, eine auf Prinzipien des Bürgerstaats beruhende montenegrinische Identität zu stärken. Serbien versucht demgegenüber immer wieder, das Land in seine Einflusssphäre zu ziehen. Über die serbisch-orthodoxe Kirche, Diplomaten und mediale Interventionen propagiert Belgrad das völkische Konzept der „serbischen Welt“, das die ethnischen Serben außerhalb Serbiens zu vereinnahmen trachtet. Bei der Volkszählung 2011 bezeichneten sich 29 Prozent der Bürger Montenegros als Serben.


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