Erneuter Hamilton-Sieg bei „Adventwunder“ in Bahrain

Ein Horror-Feuerunfall hat den 95. Grand-Prix-Sieg von Lewis Hamilton fast zur Nebensache gemacht. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister gewann Sonntag in Bahrain vor den Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Alex Albon und feierte seinen elften Saisonerfolg. Überschattet war das drittletzte Saisonrennen aber vom Wahnsinns-Crash des Franzosen Romain Grosjean, der dem wie durch ein Wunder leicht verletzt entkam. Auch Lance Stroll blieb bei einem Überschlag unversehrt.

Der Grosjean-Unfall passierte in der Startrunde, jener von Stroll unmittelbar nach Wiederaufnahme des Rennens. Aber selbst, dass der Kanadier aus seinem „auf dem Dach“ liegenden Racing Point krabbeln musste, war an diesem verrückten ersten Advent-Sonntag fast schon Nebensache.

Denn davor hatte Grosjean unmittelbar nach dem Start die Herrschaft über seinen Haas verloren, nachdem er beim Spurwechsel den Vorderreifen des AlphaTauri von Daniil Kwjat erwischt hatte. Das Auto des Franzosen raste danach mit über 200 km/h in die Streckenbegrenzung, das Auto wurde vom Steher der Leitplanke förmlich in zwei Teile zerschnitten. Der vordere Cockpit-Bereich mit dem Piloten bohrte sich zudem unter die Metall-Barriere und begann explosionsartig lichterloh zu brennen.

Wegen der Startrunde war das Medical Car glücklicherweise rasch zur Stelle, und während die Löscharbeiten begannen, tauchte Grosjean wie durch ein Winder aus der Flammenwand aus und entkam mit einem Sprung über die Leitplanke. Der Fahrer musste danach zwar gestützt werden, schien aber okay. Laut Haas-Teamchef Günther Steiner wurde Grosjean mit Verbrennungen an Händen und Füßen ins Krankenhaus von Manama geflogen. Der in Genf geborene Grosjean wurde zum „Fahrer des Tages“ gewählt.

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„Es ist schockierend. Es waren Bilder, die wir seit den 90er-Jahren nicht mehr zu sehen bekamen“, ging Mercedes-Teamchef Toto Wolff auch zunächst auf den Unfall ein. Der Unfall sei durchaus mit jenem von Niki Lauda vergleichbar, weil es auch den Ferrari des Österreichers seinerzeit auf dem Nürburgring in zwei Teile zerrissen hätte, sagte Wolff und betonte die hohe Sicherheitsentwicklung in der Motorsport-Königsklasse. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie dieser Unfall noch vor einigen Jahren ausgegangen wäre. Aber auch wenn die Sicherheit hoch ist, ist es immer noch ein sehr gefährlicher Sport.“

Somit ging der drittletzte WM-Lauf erst rund eineinhalb Stunden nach dem eigentlichen Beginn unter 500 Flutlichtern richtig los, verlief dann über weite Strecken glücklicherweise - fast - ohne weitere Zwischenfälle. Der als Weltmeister längst fest stehende Hamilton legte beide Male souveräne Starts hin und hatte ab da stets Verstappen im Rückspiegel, der Startlatz zwei von Bottas „geerbt“ hatte. Der Finne war wegen eines frühen Reifendefekts chancenlos und wurde am Ende nur Achter - er hat damit auch den Vizeweltmeistertitel gegenüber Verstappen noch nicht abgesichert.

Verstappen versuchte zwar beim zweiten Boxenstopp mittels Undercut dem Leader näher zu kommen, ausgerechnet da patzte aber die von einigen Corona-Ausfällen geschwächte Boxencrew. Dass am Ende erstmals seit 2017 zwei Red Bulls in die Top-3 kamen, lag auch am Pech von Sergio Perez. Der Mexikaner, zuletzt in Istanbul Zweiter hinter Hamilton, fiel drei Runden vor Schluss mit brennendem Motor aus. Dass da ein Streckenposten bei laufendem Rennen über die Piste lief, löste erneut Entsetzen aus.

Hamiltons Sieg war durch die Neutralisierung jedenfalls endgültig gesichert. Auch der Brite sprach aber sofort über den Unfall als über seinen vierten Bahrain-Triumph. „Die Bilder waren schockierend. Es ist schrecklich, wenn man so etwas sieht“, sagte er. Auch dem Engländer war klar: „Das hätte auch viel schlimmer ausfallen können und erinnert uns daran, dass das ein gefährlicher Sport ist.“

Hamilton kann nach seinem elften Saison-Erfolg nun weitere Rekorde egalisieren. Gewinnt er die beiden letzten Renen in Bahrain und Abu Dhabi, läge er bei 13 Saisonsiegen und mit den beiden Deutschen Michael Schumacher und Sebastian Vettel gleichauf. Auch der größte WM-Vorsprung ist immer noch in Griffweite, derzeit liegt Hamilton 131 Zähler vor Valtteri Bottas. Zudem kann Hamilton noch auf 100 Poles kommen.

Vettel wurde in seinem Ferrari nach dem Podest-Comeback als Dritter in Istanbul diesmal nur punktloser 13. In der Konstrukteurs-WM fiel Racing Point nach dem unglücklichen „Nuller“ hinter McLaren auf Platz vier zurück. Auch der nächste Formel-1-GP wird in einer Woche in Bahrain gefahren, dann aber auf dem kurzen Außenkurs


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