Die gute Geschichte: Quarantäne und Sachertorte

Das Caritas-Freiwilligenzentrum Tirol vermittelt Hilfe – und stiftet dabei nicht selten auch Freundschaften.

Katharina Rainer erledigt Einkäufe für eine ältere Dame.
© Caritas

Innsbruck – Helfen und Schokoladekuchen haben eines gemeinsam: Beides zaubert ein Lächeln in unser Gesicht. Katharina Rainer aus Innsbruck meldete sich wie unzählige weitere junge Menschen während des Lockdowns beim Caritas-Freiwilligenzentrum. Sie wollte Einkäufe für jemanden aus der Risikogruppe erledigen. Sie wurde an eine ältere Dame vermittelt. Diese Dame hatte wegen ihrer Vorerkrankungen vom Arzt ein strenges Ausgehverbot verordnet bekommen. Deshalb hat sie sich ihrerseits ans Caritas-Freiwilligenzentrum gewandt und dort um Hilfe gebeten. So wurde der Kontakt zwischen den beiden Frauen vermittelt.

Einmal in der Woche besuchte Rainer fortan die Dame an der Haustüre. Sie holte den Einkaufszettel und die Geldbörse ab und marschierte los: „Die Liste der Einkaufsgegenstände war immer lang, aber einen Punkt vergaß die Dame nie: ‚Einmal Sachertorte für Kathi‘ stand immer drauf“, so die 19-Jährige: „Wenn ich mit den Einkäufen vollgepackt zurückgekommen bin, hatte die Dame bereits ein Sackerl mit Geschenken für mich vorbereitet: Schokolade, Tee oder eingewecktes Gemüse. Und jedes Mal war auch ein selbstbelegtes Brötchen für den Heimweg, hübsch verpackt in einer Serviette mit Sternchen, dabei.“ An der Türe hat man dann kurz gescherzt, sich mit einem Luftküsschen verabschiedet und sich gegenseitig zugewinkt: „Pass auf dich auf und bleib gesund“, riefen sie sich zu. Rainer erinnert sich: „Diese ehrliche Dankbarkeit und Wertschätzung geht mir unter die Haut.“

So wie ihr ging es heuer schon vielen Freiwilligen, die sich während der Ausgangssperre bei der Caritas gemeldet haben, um ihre Hilfe anzubieten. Einige Einsätze wie zum Beispiel Einkaufsdienste, Online-Lernhilfen, Möbeltransporte, Kinderbetreuung, das Nähen von Mund-Nasen-Schutzmasken für obdachlose Menschen usw. konnten auf diese Weise unkompliziert organisiert werden. Die Freiwilligenarbeit, die sonst vom direkten Kontakt lebt, musste heuer vielfach ohne diesen auskommen. Doch die Freiwilligen waren kreativ und halfen sich selbst: So gab es Videotelefonie, Grußkarten und Briefe, Konzerte vor dem Haus, kleine gebastelte Überraschungen und vieles mehr.

Katharina und die Dame haben noch regelmäßig Kontakt, Katharina geht auch nach wie vor für sie einkaufen. Das Stück Sachertort­e steht noch immer auf der Einkaufsliste. (TT)


Kommentieren


Schlagworte