„Ski-Angebot für die Tiroler“: Seilbahnen wollen rasch öffnen

Im Streit um ein Verbot von Skiurlauben bis 10. Jänner gehen weiter die Wogen hoch. Tirols Seilbahnen wollen trotz vorprogrammierter Verluste rasch in die Saison starten.

Wann und wie heuer in Tirol die Wintersaison beginnen kann, ist wegen der zu hohen Corona-Infektionszahlen weiter fraglich.
© Hildenbrand

Von Alois Vahrner

Innsbruck – Vorerst bleibt völlig unklar, wann die Seilbahnen und der Tourismus heue­r in die Wintersaison starten können. Dass die Seilbahnen von der Bundesregierung für nächste Woche grünes Licht bekommen, scheint sehr unwahrscheinlich. Zudem gibt es viele Reisewarnungen aus dem Ausland und die Forderung von Deutschland, Italien und Frankreich nach einem europaweiten Skiurlaubs-Verbot bis 19. Jänner.

„Das werden für die Seilbahnen und den Tourismus die stillsten Weihnachten seit vielen Jahren.“ – Franz Hörl
 (Seilbahner-Obmann)
© Föger

Man wolle die Skigebiete möglichst rasch öffnen, sobald dies die Infektionszahlen erlauben, sagt Tirols Seilbahner-Obmann Franz Hörl. Wann dies der Fall sein wird, sei noch offen. Bei der gestrigen Sitzung wurde fixiert, dass die Seilbahnen trotz drohender Verluste ein großes Angebot bieten wollen. Und dieses werde vorerst wohl fast nur den Einheimischen zur Verfügung stehen. „Ein Angebot vor allem für die Tirolerinnen und Tiroler aus unserer Verantwortung heraus fürs Land mit sicher optimalen Bedingungen auf den Pisten.“

Die kommende Wintersaison werde extrem schwierig, das Umfeld sei „sehr bedrückend“, so Hörl. In Österreich habe man eine „Corona-Ampel zum Kinder-Erschrecken“. Der politische Kurs Bayerns sei „nicht mehr sachlich, sondern außer Rand und Band“. Das zeige sich darin, dass jetzt sogar Tagesgäste nach einem Tirol-Besuch in zehntägige Quarantäne sollen. Hier habe die heimische Politik in der Vergangenheit auch leider verabsäumt, das politische Verhältnis zu verbessern.

Einbruch bei Investitionen

In früheren Jahren hätten Seilbahnen und Tourismus in Tirol insgesamt bis zu 700 Mio. Euro im Jahr investiert. Heuer sei noch vieles an Projekten abgearbeitet worden, im nächsten Jahr drohe dann aber ein Einbruch der Investitionen auf nur noch ein Drittel, befürchtet Hörl.

Unterdessen plädieren ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und Österreichs Skischul-­Präsident Richard Walter in einem offenen Brief an die Bundesregierung für einen „Saison­start ohne Verzögerung“. Die von Deutschland, Italien und Frankreich geforderte Schließung aller Skigebiete bis Mitte Jänner lehnen Schröcksnadel und Walter ab. Man beobachte die „Kampagn­e gegen den Wintersport, die von einigen politischen Entscheidungsträgern in Europa geführt wird“, mit großer Sorge. Das sei ein­e „hilflose Ersatzhandlung“ und lasse außer Acht, dass sich Österreichs Tourismus mit Hygienekonzepten, Platzbeschränkungen, Leitsystemen, Belüftungs­systemen und Testkapazitäten auf eine sichere Wintersaison vorbereitet habe.

In Italien haben die sechs Regionen Piemont, Venetien, Aostatal, Lombardei, Friaul Julisch Venetien und Trentino Südtirol der Regierung in Rom vorgeschlagen, statt einer generellen Schließung die Skipisten über die Weihnachtsfeiertage nur für Gäste von Hotels und Ferienwohnungen zu öffnen.

Kontingente für Skifahrer

Um einen Sicher­heitsabstand von einem Meter beim Anstellen, in Berggasthäusern und in Gondeln gewährleisten zu können, schlägt FPÖ-Tourismussprecher Gerald Hauser Kontingente für Skifahrer vor. So könne die Saison sicher starten, so sie denn starte.

„Wenn das Skigebiet voll ist, ist es voll“, meint Hauser. Saisonkartenbesitzer würde Hauser vor Mehrtagesskipass-Inhaber und Tageskartenbesitzer reihen. „Über die Homepage der Skigebiete könnten sich Wintersportler informieren, ob sie noch eine Tageskarte kaufen können oder nicht.“ Die Zahl der Fahrgäste in den Gondeln würde Hauser ebenso limitieren. „In einer Achtergondel könnten dann nur noch vier mitfahren, in einer Vierergondel nur noch zwei.“

Der FPÖ-Mann hatte im Sommer einen ähnlichen Vorschlag gemacht und verbale Prügel – auch aus den eigenen Reihen – einstecken müssen. Damals hatte Hauser vorgeschlagen, zuerst Urlauber, dann Saisonkartenbesitzer und dann Tageskartenkäufer zum Zug kommen zu lassen. Die Unterscheidung zwischen Einheimischen und Gästen will Hauser heute „gar nicht mehr in den Mund nehme­n“. (aheu)


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