Marys Heimat Ghana: Wo Schutzmasken Luxus sind

Im armen Ghana kämpft die Bevölkerung besonders mit den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie.

Der Abschied voneinander war Mary und Elisabeth Cerwenka nach über einem halben gemeinsamen Jahr in Tirol schwer gefallen.
© Cerwenka

Von Nikolaus Paumgartten

Wörgl, Accra – Aus geplanten drei Monaten wurde über ein halbes Jahr. Mary aus Ghana war im Februar zur Behandlung ihrer Verletzungen nach einem Feuerunfall zum wiederholten Mal nach Tirol gekommen. Die Operationen und Behandlungen verliefen erfolgreich, Corona machte dann aber den Rückreiseplänen einen Strich durch die Rechnung. Nach mehreren Anläufen war es Anfang September endlich so weit und die Siebenjährige konnte mit ihrer Mutter Abigail und Reisebegleiter Samuel Kye Pichler in ihr Heimatland nach Afrika zurückkehren.

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Doch auch dort tobt das Virus und der ohnehin schwere Alltag in dem armen Land stellt die Menschen vor große Herausforderungen. „Viele können sich dort überhaupt keinen Mund-Nasen-Schutz leisten“, berichtet die Wörglerin Elisabeth Cerwenka, die mit ihrem Hilfsprojekt „Grenzenlos helfen“ Menschen in der Provinz Ntronang unterstützt und Mary die Behandlung in Tirol ermöglicht hat.

Kurz nachdem Mary zurück in ihrer Heimat war, erkrankte das Mädchen an Malaria. Inzwischen geht es ihr wieder gut.
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Das öffentliche Leben spiele sich vor allem im Freien ab, wenn auf den Märkten aufgrund von Corona-Einschränkungen keine Ware verkauft werden darf, stelle das viele Familien vor ernsthafte existenzielle Probleme. Dazu kommt laut Cerwenka, dass die Schulen in Ghana seit Ende März geschlossen haben und die Kinder zu Hause sind. Für die Großfamilien, die ohnehin schon mit wenig Raum auskommen müssen, stelle das eine zusätzliche Belastung dar, sagt Cerwenka.

Mary selbst ist nach ihrer Rückreise nicht zu ihrer Pflegefamilie in einem größeren Dorf samt besserer Infrastruktur zurückgekehrt, sondern verbrachte zunächst einige Zeit bei ihrer Familie in ihrem Heimatdorf mitten im Busch. Dort erkrankte sie an Malaria, konnte diese aber auf der Krankenstation gut auskurieren. Ihren achten Geburtstag am 12. November feierte sie mit beiden Familien. Jetzt lebt das Mädchen wieder bei seiner Pflegefamilie und hofft auf einen Schulstart im Jänner. „Wir organisieren gerade eine Nachhilfe, damit Mary das Versäumte aufholen kann“, sagt Cerwenka.

Die engagierte Wörglerin hat es mit ihrem Projekt ins Finale zur Wahl der „Österreicherin des Jahres“ geschafft und dafür 10.000 Euro erhalten. Geld, das direkt an „Grenzenlos helfen“ geht. Für den 19. Dezember hat sie ihr alljährliches Benefizkonzert geplant. „Wir haben es nicht abgesagt. Ich hoffe, es kann stattfinden“, sagt Cerwenka, die mit ihrer Initiative auf Spenden angewiesen ist.

Nähere Infos gibt es unter www.grenzenlos-helfen.at

Spenden an: „Grenzenlos helfen“ an AT34 2050 6001 0111 8040


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