Mindeststudienleistung: Uni-Novelle bereitet den Grünen keine Freude

Die türkis-grüne Regierung hat sich auf eine Mindeststudienleistung geeinigt. Studierende sind empört, die Grünen verteidigen das Vorhaben.

ÖVP und Grüne wollen ab dem Wintersemester 2021/22 an den Unis eine Mindeststudienleistung einführen.
© TT/Thomas Böhm

Wien – Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet die Grünen, jene Partei, die sich unter den Studierenden einer großen Anhängerschaft erfreuen kann, sprechen sich nun für die Mindeststudienleistung aus. Was bedeutet dies? Schafft man diese von der Regierung definierten Mindestanforderungen nicht, erlischt die Zulassung für das inskribierte Studium. Die Wissenschaftssprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, versucht die Novelle des Universitätsgesetzes zu verteidigen, wenn auch nicht mit Feuer und Schwert.

„Die Mindeststudienleistung wurde schon im Regierungsprogramm festgeschrieben. Aber wenn man sich die Ausgangsposition ansieht, dann haben wir in den Verhandlungen viel erreicht. Denn statt der ursprünglich geplanten 16 ECTS-Punkte pro Studienjahr sollen nun nur 24 ECTS in einem Durchrechnungszeitraum von zwei Jahren erbracht werden“, erklärt Blimlinger im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Doch braucht es diese Mindeststudienleistung überhaupt? „Wir haben mit dieser Mindeststudienleistung keine Freude, sind aber auch nicht unglücklich. Es gibt viele Studierende, die in den ersten vier Semestern kaum ECTS-Punkte aufweisen. Aber seit der Studienplatzfinanzierung kostet dies den Universitäten viel Geld“, ergänzt die frühere Rektorin der Akademie der bildenden Künste.

Wir haben mit der Mindeststudienleis­tung keine Freude, sind aber nicht unglücklich.
Eva Blimlinger
 (Grüne Wissenschaftssprecherin)

Die Studienpläne sind so konzipiert, dass mit 60 absolvierten ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) pro Studienjahr das jeweilige Studium in Mindeststudienzeit abgeschlossen wird.

Die Studentenvertreter laufen gegen diese Verschärfungen Sturm – Blimlinger kann den Ärger nachvollziehen.

Die ECTS-Punkte für den Arbeitsaufwand seien zwischen den Studiengängen nicht vergleichbar, beklagte die Österreichische HochschülerInnenschaft. Die Grünen und Alternativen StudentInnen lehnen die Maßnahme als „sozial selektiv“ ab. Für den Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) bleibt auch die verringerte Mindeststudienleistung ein Zeichen der „Ignoranz“ von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und der schwarz-grünen Bundesregierung.

Laut geplanter Uni-Novelle sollen künftig auch Rektoren nur mehr bis zum 70 Lebensjahr aktiv sein. „Wir haben uns hier am Verfassungsgerichtshof orientiert. Auch hier muss man mit dem 70. Lebensjahr die Funktion zurücklegen. ÖVP und Grüne wollten diese Regelung so“, erklärte die grüne Wissenschaftssprecherin,

Die Begutachtung der Universitäts-Novelle endet Mitte Jänner. „Ich werde mich sicher nicht gegen konstruktive Verbesserungsvorschläge wehren“, sagt Blimlinger.


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