Getöteter Atomwissenschafter: Neue Vorwürfe gegen Israel

Aus dem Iran werden nach dem tödlichen Anschlag auf den führenden Atomwissenschafter Mohsen Fakhrizadeh neue Vorwürfe gegen Israel laut. Bei dem Attentat kam einem iranischen Fernsehbericht zufolge eine israelische Waffe zum Einsatz. Es seien das Logo und Leistungsmerkmale der israelischen Rüstungsindustrie darauf entdeckt worden, berichtete das englischsprachige Press TV am Montag unter Berufung auf eine ungenannte Quelle.

Neben Israel warf der Iran auch der Exil-Oppositionsbewegung der Volksmujaheddin eine Beteiligung an dem tödlichen Anschlag vor. Bei dem Attentat habe es sich um eine Operation mit „einem völlig neuen Stil und einer völlig neuen Methode“ gehandelt, erklärte der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Shamkhani, am Montag. Es sei ein Angriff „mit elektronischer Ausrüstung“ gewesen, bei der „niemand am Tatort anwesend war“. Die Volksmujaheddin „müssen beteiligt gewesen sein“, zusammen mit Israel, sagte Shamkhani weiter.

Der Wissenschafter war am Freitag in einem Auto nahe der Hauptstadt Teheran angegriffen worden und später seinen Verletzungen erlegen. Der Iran warf Erzfeind Israel sowie den USA vor, hinter der Tötung Fakhrizadehs zu stecken, und droht mit Vergeltung. In westlichen Staaten und in Israel stand er im Verdacht, der Architekt eines verdeckten Atomwaffenprogramms gewesen zu sein.

Der Iran will gleichzeitig die Spannungen mit den USA unter einer Präsidentschaft Joe Bidens abbauen. „Wir wollen ja keine Freundschaft anfangen, sondern nur unnötige Spannungen und Feindseligkeiten abbauen“, sagte Außenminister Mohammad Javad Zarif am Montag in einem Video-Interview mit dem Nachrichtenportal Entekhab. Eine Annäherung an die USA nach Bidens Amtsantritt sei im Interesse des Landes. Parteipolitische Erwägungen sollten diese Annäherung auch nicht infrage stellen.

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Er kenne Biden als Senator aus seiner Zeit als iranischer UNO-Botschafter in New York (2002-2007) und habe ihn auch persönlich getroffen. „Biden ist seit den 1970ern in der amerikanischen Außenpolitik tätig und kennt sich darin weitaus besser aus als (US-Präsident Donald) Trump“, sagte Zarif. Misstrauen und Differenzen zwischen den beiden Ländern werde es nach seiner Einschätzung auch unter Biden geben, aber weitaus weniger als unter Trump.

Fakhrizadeh wurde unterdessen in der Hauptstadt Teheran beigesetzt. Wegen der Coronakrise durften nur Familienmitglieder des Physikers und hochrangige Generäle an der Beisetzung teilnehmen. „Unsere Feinde wissen, dass kein Verbrechen im Iran unbeantwortet und unbestraft bleiben wird“, sagte Verteidigungsminister Amir Hatami in der Trauerrede. Auch sollten die „Terroristen“ wissen, dass der Märtyrertod im Iran eine Ehre sei. Der tödliche Anschlag werde den Fortschritt des iranischen Atomprogramms nicht stoppen, da Fakhrizadehs Weg „noch konsequenter“ von iranischen Wissenschaftern fortgesetzt werde.


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