„The Easy Grooves“: Fünf Männer genussvoll bei der Arbeit

Florian Bramböck und seine Jazz-Kollegen haben die Corona-Pausen für ein neues Album genützt. „The Easy Grooves“ soll Mut und darf Spaß machen.

Auf Live-Momente wie diesen muss das Florian Bramböck Quintett noch warten. Florian Bramböck, Herbert Walser-Breuß, Wolfgang Rainer, Dragan Traikovsky und Christian Wegscheider (v. l.).
© Klaus Spielmann

Innsbruck – Es dürfte weit Schlimmeres geben, als dass sich das Grundmotiv eines Instrumentalstücks nach dem Erklingen im Ohr einnisten will. „The Easy Grooves“, das neue Album des Florian Bramböck Quintetts, bringt Derartiges zustande. Nach einer Stunde jazzigen Musikkonsums lässt sich sagen: Hier wird nicht übertrieben. Die Grooves sind tatsächlich easy, aber nicht simpel, sie gefallen, ohne sich anzubiedern. Es ist Jazz der leicht verträglichen Sorte, loungig, locker und leichtfüßig.

Der Innsbrucker Band-Mastermind und Saxofonist Florian Bramböck hat für das neue Opus seine langjährigen Co-Jazzer Herbert Walser-Breuß (Trompete und weiteres Blechblasgerät), Christian Wegscheider (Klavier), Dragan Traikovsky (Kontrabass) und Wolfgang Rainer (Schlagzeug) um sich versammelt. Ihre Könnerschaft müssen diese fünf Männer bei der genussvollen gemeinsamen Arbeit nicht vor sich hertragen: Sie ist im lustvollen Ganzen und in den diversen Solopartien unüberhörbar.

Das Album ist Ende Mai in Wiesing entstanden, ein Wohnzimmer wurde damals kurzerhand zum Studio umfunktioniert. Es ist ein Corona-Werk insofern, als es während der Pandemie geboren wurde, und der Untertitel „Stayin’ Home“ sagt, was noch ein Weilchen sinnvoll ist zu tun: daheim bleiben.

Vom Soundbild her ist das Neuwerk der fünf aber keine Blaupause der immer noch aktuellen Krise. Vielmehr taugt es zum Stimmungs- und Mutmacher, es würde gar zum Mitshaken und zu weiß Gott was für Verrenkungen animieren, wenn man sich das nur traute.

Es ist die erste Scheibe, die ausschließlich Eigenkompositionen von Combo-Chef Florian Bramböck enthält, der als Lehrender am Landeskonservatorium sein Gefühl für Jazz auch weitergibt.

Titel wie „Lazy Sunday Afternoon“ feiern den Müßiggang in seiner schönsten Form. „Es is, wie’s is“ klingt wie der Musik gewordene lakonische Kommentar zum Zeitgeschehen. „Homepage“ holt uns Zuhörer zurück in den hektischen, digital befeuerten Alltag. Schlussendlich wird sogar der Innsbrucker „Koatlackn“ mit einem nach ihr benannten fetzigen Groove die Reverenz erwiesen. Es wäre schön, diese Tracks einmal live zu hören. 2021, vielleicht. (mark)


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