Viele Freiwillige in Reutte sind zum Nichtstun verdonnert

Das Freiwilligenzentrum Reutte kann sich vor Anfragen engagierter Bürger kaum retten. Aber der Lockdown zwingt die Helfer in die Warteschleife.

Damit ältere Menschen, die durch Covid besonders gefährdet sind, nicht raus müssen, wurden Einkaufsdienste organisiert.
© iStock/urbazon

Von Simone Tschol

Reutte – Während so manche Branche händeringend nach Mitarbeitern sucht, hat das Freiwilligenzentrum Reutte ein ganz anderes Problem: ein Luxusproblem sozusagen. „Wir haben enorm viele Leute, die sich gerne ehrenamtlich einbringen möchten. Aber es gibt derzeit so gut wie nichts zu tun“, beschreibt Koordinatorin Sieglinde Breuss das Dilemma.

Bereits im ersten Lockdown sei die Zahl der Freiwilligen rasant gestiegen. Doch schon da habe sich gezeigt, dass die Nachbarschaftshilfe im Bezirk noch funktioniert und die Familienbande stark sind. Den Rest, wie Einkaufsdienste oder Ähnliches, hätten großteils örtliche Sportvereine und Landjugendgruppen abgedeckt.

Trotzdem sei das Engagement der Leute nicht gesunken, die Lage quasi unverändert: „Jetzt braucht offenbar niemand was. Im Herbst haben wir noch Helfer für den Paulusladen und das Tierheim organisiert. Einigen wenigen in Quarantäne befindlichen Hundebesitzern wurden Personen organisiert, um mit dem geliebten Vierbeiner Gassi zu gehen. Aber das war’s dann auch schon“, resümiert Breuss.

Neben der guten Nachbarschaft und dem Familienzusammenhalt glaubt Breuss auch, dass die Hemmschwelle, um Hilfe zu bitten, vielfach zu groß sei: „Gerade die ältere Generation hat oft das Gefühl, dann jemandem zur Last zu fallen.“ Diese Bedenken möchte Breuss jedoch zerstreuen und appelliert: „Wenn jemand Hilfe braucht – bitte melden! Wir haben genug Menschen, die gerne helfen würden.“

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Breuss hofft auf eine baldige Lockerung der Corona-Maßnahmen. „Denn dort, wo man uns dringend brauchen würde, dürfen wir nicht hin und sonst gibt es nichts zu tun.“ Gerade Initiativen wie Bewohnern in den Wohn- und Pflegeheimen Zeit zu schenken – für Spaziergäng­e oder Gespräche – seien derzeit nicht möglich. Zudem seien im Winter auch Projekt­e in der freien Natur nicht machbar.

Umso mehr Zeit investiert Breuss für den Blick in die Zukunft. Sie entwickelt zahlreiche Ideen, wie es nach dem Lockdown weitergehen wird. „Pläne hätte ich genug, aber Covid hat mich ausgebremst“, lacht die Koordinatorin. Sie ist sich durchaus bewusst, dass die Zahl an Freiwilligen nach Corona wieder sinken wird. Nichtdestotrotz soll an Initiativen wie beispielsweise dem Begegnungscafé im Tauscherhaus, Einsätzen im Naturpark und Unterstützung im Flucht- und Migrationsbereich festgehaltten werden.


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