Tag der Menschen mit Behinderung: „Barrierefreiheit ist immer wieder bedroht“

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Bis zur völligen Barrierefreiheit ist es noch ein langer Weg.
© ÖZIV TIrol

Innsbruck – Anlässlich des heutigen internationalen Tages der Menschen mit Behinderung erinnert der Österreichische Zivilinvalidenverband (ÖZIV) Tirol an die Bedeutung von Barrierefreiheit und warnt: „Barrierefreiheit ist immer wieder bedroht.“ Denn trotz essenzieller Bedeutung für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen werde die Umsetzung von Barrierefreiheit regelmäßig von der Politik missachtet. „Obwohl wir in den Tiroler Baugesetzen noch einen relativ guten Standard an Barrierefreiheit verankert haben, fehlt es aber oft an der Konsequenz in der Umsetzung und es gibt immer wieder Interessengruppen, die diese wichtigen Normen aufweichen wollen“, kritisiert ÖZIV-Tirol-Geschäftsleiter Hannes Lichtner.

Gerade in der Covid-Pandemie könne man die Vorteile von Barrierefreiheit auch im Wohnbau sehen. „Die schwere Beherrschbarkeit von Covid-Clustern in großen stationären Einrichtungen zeigen den Vorteil von klein strukturierten Wohnangeboten und individuellen Unterstützungsstrukturen für ein Altern in den eigenen vier Wänden“, meint Lichtner, „vorausgesetzt, wir bauen diese Strukturen weiter konsequent und barrierefrei aus!“

Die derzeit aufgrund der Pandemie notwendige Einschränkung der Bewegungsfreiheit aller sei für Menschen mit Behinderungen oft auch im „normalen täglichen Leben“ bittere Realität. Ein Geschäft nicht selbstständig besuchen zu können, kein nutzbares WC im eigentlichen Lieblingslokal zur Verfügung zu haben oder die teilweise immer noch nicht mögliche Nutzung gewisser Freizeit- und Kultureinrichtungen zählen dabei zu den täglichen Erfahrungen.

Derzeit hoffe jeder, dass der Handel auch in Tirol bald wieder vollständig öffnen kann. „48 Prozent aller Geschäfte und Lokale werden in der Innsbrucker Innenstadt aber auch weiterhin für Menschen mit Behinderungen nicht barrierefrei zugänglich sein“, verweist der ÖZIV auf die Ergebnisse einer 2019 erstellten Einkaufsstraßenstudie. (TT)


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