Dachverbände fordern „Wieder-Hochfahren“ des Vereinssports

Nichts Neues ergab die gestrige Bekanntgabe der Regeln für den Sportbetrieb abseits von Kaderathleten. Indoor- und Kontaktsport bleiben außen vor, im Freien sind Aktivitäten mit einem Meter Abstand erlaubt.

Österreichs Tennis-Verband bangt angesichts der weiterhin geschlossenen Hallen auch um die Jugend.
© gepa

Von Florian Madl und Roman Stelzl

Innsbruck – Selten waren Sportplätze in der kalten Jahreszeit so frequentiert wie zuletzt. Seit der Lockdown den organisierten Bewegungsbetrieb in die Knie zwang, heißt es Alternativen suchen. Denn bis ins neue Jahr wird sich wenig daran ändern, ein drittes Mal will die Regierung schließlich nicht mehr zusperren. Sport Austria, das sich mit den drei großen Dachverbänden ASKÖ, ASVÖ und Union auf eine gemeinsame Stellungnahme einigte, warnte ungeachtet der notwendigen Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung vor dem kompletten Aus: Es gehe um ein verantwortungsvolles „Wieder-Hochfahren“ des Vereinssports, insbesondere des Nachwuchsbereichs. Das habe zuletzt auch der Berufsverband der österreichischen Internisten bestätigt, der gesundheitliche Folgeschäden des ersten Lockdowns aufgrund mangelnder Bewegung feststellte.

Die drei Dachverbands-Vorsitzenden Christian Purrer (ASVÖ), Hermann Krist (ASKÖ) und Peter McDonald (Union) einigten sich auch deshalb mit Sport-Austria-Präsident Hans Niessl auf mehrere Forderungen:

Fortsetzung des „NPO-Unterstützungsfonds“ für den Breiten- und Amateursport: Der ursprünglich mit 700 Millionen Euro dotierte Geldtopf wird auch 2021 für den finanziellen Ausfall von gemeinnützigen Organisationen aus allen Lebensbereichen (u. a. Gesundheit, Kunst und Kultur, Pflege, Sport, Feuerwehren, Religionsgemeinschaften) kompensieren.

Entschädigung aller Sportvereine für die tatsächlichen Einnahmenausfälle während der Zeit der massiven Einschränkungen. Neben dem NPO-Fonds erklärte sich etwa auch das Land Tirol bereit, Kosten zu tragen.

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Übernahme der Kosten für Corona-Tests auch im Bereich des Sports, Genehmigung zur Verwendung von Antigen-Schnelltests im Sport. Das könnte den Trainingsbetrieb nach dem Lockdown ermöglichen und gleichzeitig Risiken minimieren.

Einbeziehung des organisierten Sports in sämtliche den organisierten Sport betreffende Maßnahmen durch die Bundesregierung, insbesondere beim Wieder-Hochfahren des Sportbetriebs. Nach Meinung der Sportverantwortlichen müsse dieser nach einem „strukturierten und vorhersehbaren Plan erfolgen und speziell den Nachwuchssportbereich berücksichtigen“.

Ein gemeinsam mit der Regierung ausgearbeitetes Aktivierungsprogramm für den organisierten Sport nach der Corona-Pandemie. Zudem habe Sport Austria seine Taskforce aktiviert, „um konstruktive Konzepte für das ,Wiederbeleben‘ des Sports zu erarbeiten“.

Ähnliches schwebt Peter McDonald, Präsident der Sportunion, vor: „Es braucht die Einrichtung einer Zukunftskommission mit politischen Verantwortungsträgern, Experten aus Sport, Public Health sowie der Gesellschaft“, so Sportunion-Präsident Peter McDonald.

Kritik: Großen Ärger gab es gestern beim österreichischen Tennis-Verband (ÖTV), der „400.000 Tennis-Spieler“ der Hallen-Saison bis zumindest 7. Jänner beraubt sieht. „Der gesamtwirtschaftliche Schaden ist schon groß genug – wir brauchen jetzt nicht noch nachhaltigere Schäden in unserer Gesellschaft. Beim Tennis als Einzelsport können der notwendige Abstand und sonstige Hygiene- und Schutzvorschriften mehr als gewährleistet werden“, meinte ÖTV-Vizepräsident Martin Ohneberg. Auch Tirols Verbands-Präsident Walter Seidenbusch stimmte zu: „Das ist für mich unverständlich. Die Spieler haben im Einzel bis zu 24 Meter Abstand. Dazu gibt es All-Wetter-Courts, auf denen bis zum ersten Schneefall gespielt wird. Ich sehe das nicht ein, dass man dort oder in der Halle nicht auch spielen könnte.“


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