Ungarns Regierung schweigt zur Szajer-Affäre

„Warum müsste ich dazu irgendetwas sagen?“, reagierte der ungarische stellvertretende Ministerpräsident Zsolt Semjen auf den Sex-Skandal des Europaabgeordneten der ungarischen Regierungspartei Fidesz, Jozsef Szajer. Auch andere Regierungsmitglieder gaben sich am heutigen Mittwoch bedeckt.

Justizministerin Judit Varga erklärte lediglich auf Frage des Onlineportals „Telex.hu“, dass Szajer in dieser Situation die einzig richtige Entscheidung getroffen hätte. Ähnlich äußerte sich auch seine Fidesz-Delegation im Europaparlament.

Während sich die Regierungsseite in Schweigen hüllt, wirft die Opposition dem Fidesz-Politiker Scheinheiligkeit vor. Der Europa-Abgeordnete der rechten Jobbik-Partei, Marton Gyöngyösi, kritisierte: Mit Szajer gebe es einen weiteren Fidesz-Politiker, der die so oft erwähnte christlich-konservative Moral für sich selbst nicht als verbindlich halte. Die liberale Partei Momentum hält es für inakzeptabel, dass ein Politiker glaube, sich über das Gesetz stellen zu können, in Zeiten der Corona-Pandemie, in der die Opferzahlen ständig steigen, und strikte Einschränkungen für die Rettung von Menschenleben notwendig seien. Die oppositionellen Sozialisten (MSZP) hinterfragten die Glaubwürdigkeit der Familienpolitik von Fidesz. An der Entstehung des neuen Familienmodells von männlichem Vater und weiblicher Mutter war Szajer nämlich maßgeblich beteiligt. Die Grünen LM beanstanden, das Fidesz seine eigenen Leute zwinge, mit Lügen zu leben.

Szajer hatte am Freitag an einer verbotenen Party in einem Club in Brüssel teilgenommen. Das gab Szajer am Dienstag in einer Aussendung zu. Nachdem die belgische Polizei laut Medienberichten die verbotene Orgie mit Drogen, Sex und Alkohol in einer bekannten Bar der Brüsseler Schwulen-Szene sprengte, versuchte Szajer über eine Dachrinne zu fliehen, wurde jedoch gefasst. Die Staatsanwaltschaft wolle nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität ein Verfahren gegen den Politiker einleiten.

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Szajer hatte am Sonntag sein Abgeordnetenmandat zurückgegeben. Laut damaliger Aussendung würde die Teilnahme an den aktuellen politischen Kämpfen eine immer größere seelische Belastung für ihn bedeuten. In seiner aktuellen Aussendung schrieb Szajer jedoch zu den wahren Gründen seiner Mandatsniederlage: „Mit meinen am Sonntag angekündigten Rücktritt habe ich die persönlichen und politischen Konsequenzen gezogen.“ Szajer bat Familie, Kollegen, Wähler um Verzeihung für seinen „Fehltritt“.


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