Massentests in Tirol: Die Feuerwehren fahren im Viertelstundentakt vor

Hunderttausende Testkits und Schutzanzüge wurden vom Heer verpackt und in die Tiroler Gemeinden geschickt. Ein Besuch in der Standschützenkaserne.

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Erst kommissionieren Soldaten die Test-Pakete für die Gemeinden (links), dann werden diese von den Feuerwehren abgeholt.
© Land Tirol/Franz Oss

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Vier Männer eilen vom einen Eck des Raumes zum anderen, sammeln kleine Schachteln ein, stapeln sie auf der Palette in der Mitte des Raumes. „Ist da Desinfektionsmittel dabei?“, ruft einer in die Runde. Zustimmendes Nicken. „Dann kann die Folie drauf.“ Rasch wurde die Halle am Areal der Standschützenkaserne in Innsbruck-Kranebitten umfunktioniert. In einem Regal an der Wand liegen noch grüne Pullover, vier Paar schwarze Stiefel stehen am Rand. Daneben stapeln sich Kartons mit Antigen-Schnelltests, Schutzanzügen, Masken. Dort, wo das Heer sonst die Ausrüstung für seine Soldaten lagert, wird seit Anfang der Woche ein Teil der Materialien für den heute beginnenden Massentest kommissioniert und in die Gemeinden verschickt.

„Wir haben unsere Expertise eingebracht – in die Planung, bei der Logistik und beim Personal.“ – Ingo Gstrein 
(Militärkommandant)
© Land Tirol/Franz Oss

„178.000 Testkits, 100.700 Handschuhe, 3520 Brillen haben wir hier verwertet“, erklärte Oberst Felix Resch, der den Einsatz in der Kaserne koordiniert, gestern bei einem Lokalaugenschein. „50 Leute wurden für diese Arbeit eingesetzt, Kadersoldaten und Rekruten durchgemischt. In mehreren Abschnitten wurden die Kartons für die Orte zusammengestellt, im Schnitt zwei bis drei pro Gemeinde“, sagt er und zeigt auf hüfthohe Pakete, die am Boden verteilt stehen.

„Pfaffenhofen“ wurde auf einen davon mit schwarzem Filzstift geschrieben, „Hatting“ auf den daneben. „Hier bei uns wird das Testmaterial für den Bezirk Innsbruck-Land kommissioniert. Für die Stadt liefern wir lediglich die Schutz­ausrüstung.“ Auch in den anderen Bezirken dienen Kasernen als Verteilerzentren.

Feuerwehr an Logistik und im Ordnerdienst beteiligt

Im Viertelstundentakt fahren die Freiwilligen Feuerwehren aus dem Bezirk mit ihren Wägen am Heeresareal im Westen der Landeshauptstadt vor. Und bringen die Pakete zu den Testlokalen in die Kommunen. „4000 unserer Mitglieder sind an diesem Wochenende unterwegs“, sagt Landesfeuerwehrkommandant Peter Hölzl. „Wir unterstützen maßgeblich im Bereich der Logistik, sind aber auch im Ordnerdienst vor Ort im Einsatz. Und am Ende werden wir das nicht gebrauchte Material auch wieder zurückbringen.“

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Mehr als 200 Soldaten werden bis Sonntag im Einsatz stehen – zur Unterstützung, als mobiles Testteam in Spiss und Untertilliach. „Es gibt auch eine Reserve in den Kasernen – für den Fall, dass irgendwo eine Teststraße ausfällt“, berichtet Tirols Militärkommandant Ingo Gstrein. „Wir haben unsere Expertise eingebracht – in die Planung, bei der Logistik und beim Personal.“

Verteidigungsministerin lobt Einsatz des Heeres

In einem Telefoninterview mit der TT lobt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) den Einsatz des österreichischen Heeres vor und während der Massentests. „Noch nie“ sei so eindrucksvoll der Beweis erbracht worden, dass „die Arbeit des Bundesheeres absolut unverzichtbar ist“, sagt Tanner. Wohl auch deshalb sei das Vertrauen in das Heer „seit Beginn der Pandemie stetig gewachsen“.

Was bei der Aktion gut funktioniert habe und was nicht, werde sich „erst in ein paar Tagen“ herausstellen, meint die Verteidigungsministerin. „Es können und müssen aus diesem Massentest Schlüsse gezogen werden. Auch weil das Heer dann, wenn es so weit ist, auch die logistische Verantwortung im Bereich der Impfung übernehmen wird.“

Wien wird Kontakte nachverfolgen

Neben Tirol starten heute auch in Vorarlberg und Wien die Covid-Massentests. In der Bundeshauptstadt, in der bis zu eine Million Menschen auf das Virus untersucht werden können, soll es definitiv ein Contact-Tracing geben, kündigte Bürgermeister Michael Ludwig an. Dies sei wichtig, „weil wir weitere Infizierte vermeiden können“.

Um möglichst viele Menschen mit Migrationshintergrund für eine Teilnahme an den Testaktionen zu begeistern, kündigt Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) eine Info-Offensive an. In 17 Sprachen sollen Auskünfte vermittelt werden, unter anderem an 50.000 Menschen via SMS und E-Mail.

Bekannt wurde gestern, dass sich der Beraterstab des Gesundheitsministeriums in einer Sitzung am 17. November gegen Massentests ausgesprochen hat. Die Gefahr von falsch positiven und negativen Ergebnissen sei zu groß. (TT, APA)


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