Fehlerhaftes IT-System bei Massentests: Pannenserie bringt Minister unter Druck

Das fehlerhafte IT-System des Bundes für die digitale Abwicklung der Massentests kommt in Tirol nicht mehr zum Einsatz. Das Gesundheitsministerium hat Erklärungsbedarf.

Analog, aber bewährt: Wegen des Ausfalls der Bundessoftware gab es für die Helfer mehr zu tun.
© Foto Rudy De Moor

Innsbruck – Auf zwei Ebenen soll(te) die Software des Bundes bei der Durchführung der Corona-Antigentests zum Einsatz kommen: zum einen für die Anmeldung, wie etwa in Wien oder Linz, und dann bei der automatisierten Verständigung der Getesteten, ob ein positives oder negatives Ergebnis vorliegt. Tirol wollte lediglich die Software für die Benachrichtigung verwenden. Doch auch das hat nicht funktioniert, wie der Einsatzstab des Landes gestern vor Beginn der Testaktion Freitagfrüh feststellen musste. Aus Digital wurde dann wieder Analog.

Das Land stellte deshalb auf Plan „B“ um, betonte der Leiter des Einsatzstabes Elmar Rizzoli. Mit dem IT-System der Leitstelle Tirol sei gewährleistet, dass alle positiv getesteten Personen automatisiert zeitnah nach der Testung informiert und aufgefordert werden, eine PCR-Testung durchzuführen. Alle „Negativen“ erhielten vorerst nur verspätet oder keine Benachrichtigung. Zu Mittag wurde dann endgültig entschieden, für das gesamte Wochenende auf die fehlerhafte Software des Bundes zu verzichten.

Auch Linz drückt die Stopptaste: Für die in Oberösterreich geplanten Massentests vom 11. bis 14. Dezember wird die Anmeldeplattform nicht mehr verwendet. „Statt der angekündigten EDV-Lösung liefert das vom Bund beauftragte Unternehmen neue Probleme“, begründete Bürgermeister Klaus Luger seine Entscheidung. Vorarlberg beobachtete die Entwicklungen hingegen erste Reihe fußfrei, hatte man doch von Anfang an auf eine landeseigene Lösung gesetzt.

Öfter schon Gesundheitsministerium verantwortlich gemacht

Es ist nicht die erste Panne, für die das Gesundheitsministerium politisch verantwortlich gemacht wird. „Ich erwarte mir vom verantwortlichen IT-Unternehmen eine rasche Lösung“, sagte Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) relativ schmallippig. Im Ministerium wird darauf verwiesen, dass das beauftragte Unternehmen die Verantwortung dafür trage, nicht das Ministerium.

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Die A1-Tochter World Direct, die mit der EDV-Abwicklung betraut wurde, sprach am Freitag von „Kapazitätsengpässen“, die bereits „erkannt seien und an deren Erweiterung gearbeitet“ werde.

„Wir können froh sein, dass wir in Tirol auf unser eigenes bewährtes System zurückgreifen können – und dass die Tiroler Gemeinden so flexibel und professionell sind, diese zusätzliche Herausforderung ohne zusätzliche Probleme für die Tiroler Bevölkerung meistern zu können“, lässt SPÖ-Vorsitzender Georg Dornauer, der selbst Bürgermeister der Gemeinde Sellrain ist, vernehmen.

Anders beurteilt NEOS-Landessprecher Dominik Oberhofer die Situation. „Schließlich haben die Bundesländer die Termine vorgezogen, ursprünglich wären die Massentestungen ja erst für den 17. Dezember geplant gewesen. Dass dann auch den Beteiligten Grenzen gesetzt sind und es sich mit dem Softwareprogrammieren schließlich nicht ausgeht, liegt auf der Hand.“ Die Bundesregierung sorge jeden Tag „für eine veritable Panne im Kampf gegen das Coronavirus“, übte auch FPÖ-Chef Norbert Hofer heftige Kritik. „Der Bundeskanzler trägt in diesem Fall die Verantwortung für diese Pannen. Er hat die Massentests im Alleingang durchgesetzt und damit die Expertenmeinung des Gesundheitsministeriums konterkariert.“ (pn)


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