Keine Großfeuerwerke zu Silvester in Tirol: Innsbruck will es trotzdem knallen lassen

Die Corona-Verordnung, ökonomische Gründe oder Umweltschutz – organisierte Großfeuerwerke sucht man heuer in Tirol vergebens. In Innsbruck dürfte das Spektakel auf der Seegrube aus heutiger Sicht aber stattfinden. Für die Zukunft setzt man in Tirol auf Lichtkunst statt Feinstaub.

Keine große Bergsilvesterparty – dafür aber ein Feuerwerk von der Seegrube aus dürfte es heuer in Innsbruck geben.
© Nordkette

Innsbruck – Die großen Feuerwerke in Tirol bleiben heuer mit Ausnahme von Innsbruck wohl aus. Quer durchs Land mussten die Gemeinden und Tourismusverbände die bunten Spektakel am Nachthimmel absagen – ob Vorsilvester, zum Jahreswechsel oder zum Neujahrsempfang. Zum einen fehlen die Gäste als Investitionsgrund für die bis zu sechsstellige Summe, zum anderen will man keine Menschenansammlungen provozieren. Immer mehr rückt auch der Umweltgedanke in den Fokus. Wer privat Raketen zum Himmel schießen will, sollte sich vorher gut informieren – erlaubt ist das nur bedingt.

Noch in der Entscheidungsphase befindet sich der TVB Kitzbüheler Alpen Brixental, „aber es sieht nicht gut aus“, sagt Geschäftsführer Max Salcher über die Feuerwerke in Westendorf, Kirchberg und Brixen (Neujahr). „Die Entscheidung hat keine Eile, Gäste sind ohnehin keine da“, verweist er auch auf die Pflicht der Verbände, mit den Ausgaben hauszuhalten.

Bis zu zehn Personen aus verschiedenen Haushalten

In der Landeshauptstadt hält man indes an den Plänen fest: „Aus heutiger Sicht findet das Silvesterfeuerwerk auf der Nordkette statt“, freut sich Bernhard Vettorazzi, Geschäftsführer des Innsbrucker Stadtmarketings. Unter Vorbehalt: An etwaige Auflagen und Verbote, die theoretisch noch kommen könnten, werde man sich jedenfalls halten, betont er. Das Land Tirol denke derzeit nicht über ein generelles Verbot nach – die Situation werde aber täglich neu bewertet und mit Bund und Ländern abgestimmt.

Um Mitternacht soll also der Innsbrucker Nachthimmel von der Seegrube aus mit bunten Funken erleuchtet werden – Corona hin oder her. „Der Vorteil vom Bergfeuerwerk ist, dass man es von unterschiedlichen Stadtteilen aus sieht. Außerdem ist die Gastronomie ja geschlossen“, ist Vettorazzi zuversichtlich, dass das Spektakel keine Menschenmassen in die Stadt locken wird.

Mit einer Lasershow wird üblicherweise in St. Anton am Arlberg ins neue Jahr hineingefeiert. Heuer muss auch diese pausieren.
© +eventZ

Die Corona-Regelungen des Bundes – etwa der Mindestabstand von einem Meter im öffentlichen Raum – gelten auch an den Feiertagen, betont man beim Land. Bis zu zehn Personen (inklusive Kinder) aus verschiedenen Haushalten dürfen gemeinsam ins neue Jahr rutschen und nach 20 Uhr noch weiterfeiern – das Land appelliert hier einmal mehr an die „Eigenverantwortung der Tiroler zum Schutz der Familie und Mitmenschen“.

Trend geht hin zum Verzicht – aus Umweltgründen

Wer seine eigenen Raketen oder Knallkörper zünden will, sollte einige Aspekte beachten. Im Ortsgebiet braucht man laut Pyrotechnikgesetz selbst zu Silvester eigentlich eine behördliche Genehmigung. Eigentlich deshalb, weil die Polizei zwar kontrolliert, selten aber von Haustür zu Haustür tigert und im Funkenregen schwer nachvollziehbar ist, woher die Rakete kam. Anzeigen mit Geldstrafen bis zu 3600 Euro gibt es aber immer wieder. Nahe sensibler Bereiche wie Seniorenheimen, Gotteshäusern oder Tiergärten sind selbst Feuerwerkskörper der Kategorie F1 (Knallerbsen, Tischfeuerwerk) verboten. In der Peripherie heißt es: Vorsicht, Waldbrandgefahr, Müll mitnehmen und freilich gelten auch hier die Corona-Regeln.

Ob im nächsten Jahr wieder die Kommunen und Touristiker das Feuerwerk in die (professionelle) Hand nehmen? Der Trend geht hin zum Verzicht – aus Umweltgründen. In St. Anton hat der Verein „+eventZ“ bereits 2017 die „erste feuerwerksfreie Zone der Alpen“ ausgerufen. Als Alternative wird dort eine große Lasershow geboten – nur heuer muss auch diese pausieren. Ziel ist es, privatem „Schießen“ entgegenzuwirken, erklärt Martin Jennewein vom Organisationsteam.

Lichtkunst statt Feinstaub

Ähnlich denkt man in Hochoetz: „Wahrscheinlich werden auch wir – im Sinne des Umweltschutzes – auf das Feuerwerk künftig verzichten und stattdessen eine Lasershow veranstalten“, sagt Bahnen-Chef Andreas Perberschlager.

Aus ökologischen Gründen ausgeknallt hat heuer wie berichtet auch der TVB Wilder Kaiser. Lichtkunst statt Feinstaub zu Silvester forciert seit einigen Jahren der TVB Kufsteinerland. Den Planungen kam heuer die Pandemie dazwischen. Zudem sei die Show derzeit nicht finanzierbar, erklärt GF Stefan Pühringer.

Selbst in Innsbruck ist man für ein Silvester ohne Feuerwerk gerüstet: Lichtinstallationen begleiten Spaziergänger am Marktplatz, beim Goldenen Dachl, am Domplatz und vor dem Haus der Musik stimmungsvoll ins neue Jahr. (jazz, aha, pascal, emf, mr)

🧨 Land übt Kritik an Feuerwerk-Studie

Mit Vorsicht zu genießen ist eine Studie über die Emission von Feuerwerken, welche die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) in Auftrag gegeben hat. Zu diesem Schluss kommt der Fachbereich Luftgüte der Abteilung Waldschutz des Landes Tirol. Die WKO-Erhebung verharmlose die Umweltschädlichkeit von Pyrotechnik, kritisieren die Experten.

„Es wurde eindeutig nachgewiesen, dass frühere Aussagen zu den Emissionen in Österreich, die aus Feuerwerken stammen, um ein Vielfaches zu hoch waren“, schreiben die Autoren im Fazit der Wirtschaftskammer-Studie. Der Anteil von Feuerwerken am jährlichen Ausstoß von Feinstaub (PM10) in Österreich betrage lediglich 0,28 Prozent, bei Kohlenstoffdioxid (CO2) seien es gar nur 0,0001 Prozent. Das Ergebnis beruht auf Messungen aus Deutschland und der Schweiz, die auf die jedes Jahr für Österreich angenommene Explosionsmasse umlegt wurden.

Der Fachbereich Luftgüte gibt in einem der TT vorliegenden Kommentar einerseits zu bedenken, dass Emissionsabschätzungen „insbesondere von Feuerwerken mit großer Unsicherheit verbunden sind“. Andere Erhebungen hätten eine höhere Belastung ergeben. Unabhängig davon seien Feuerwerke zu Silvester und Neujahr „die dominierende Emissionsquelle von Feinstaub“. Selbst wenn die von der WK angeführte Einschätzung stimme und nicht zu niedrig sei, würden immer noch jährlich 61 Tonnen Feinstaub verursacht.

Die in Tirol für den Naturschutz zuständige Landesrätin Ingrid Felipe (Grüne) ist alarmiert. Angesichts dieser Menge wünsche sie sich „in der Diskussion um alternative Silvesterfeiern mehr Offenheit und mehr Mut“. (bfk)


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