Das war Tag 2 der Massentests in Tirol: Ansturm blieb aus, Hoffen auf Sonntag

Der zweite Tag der Massentests verlief ruhig. Viel zu ruhig. Bisher ließen sich rund 156.000 Menschen testen. Die Zahl der positiven Fälle bleibt gering.

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In Telfs war der Ansturm im Sportzentrum überschaubar.
© Foto Rudy De Moor

Innsbruck – Draußen Regen und Schnee. Drinnen tröpfelte es höchstens. Tag zwei der Massentestungen in Tirol brachte nicht den erhofften Massenansturm. Das „Tröpfeln“ war dann auch der am häufigsten gebrauchte Begriff bei einem Blick in die Bezirke. Am Ende des Tages stand dann ein doch enttäuschendes Ergebnis. So ließen sich bisher rund 156.000 Menschen in Tirol testen – am Samstag waren es rund 80.000. Lediglich 417 Tests fielen insgesamt bisher positiv aus. Die Massentests gehen heute überall zu Ende. LH Günther Platter zeigte sich insgesamt „zufrieden“, konstatierte aber, dass die Beteiligung „verhaltener als erwartet“ war. Platter sah das Schlechtwetter als Hauptgrund für die schleppende Beteiligung.

📍 Kufstein: Am Samstag war es „wie abgerissen“

Wie im ganzen Land half auch in Kufstein die Feuerwehr tatkräftig mit.
© Otter

Doch der Reihe nach. Vor der Kufstein Arena machten gestern drei Aktivisten ihrem Ärger über die Massentestungen auf Plakaten Luft und warnten vor der „freiwilligen Weitergabe der eigenen DNA“, drinnen herrschte eher Langeweile als Stress. Dabei war am Freitag die zweitgrößte Stadt Tirols „mit einem sehr großen Ansturm gestartet“, wie Bürgermeister Martin Krumschnabel berichtete. Aber am Samstag war es dann „wie abgerissen“. 524 Personen wurden bis Mittag an allen Teststellen gezählt. Davon war ein einziger Teilnehmer positiv. Kufstein hat sich gewissenhaft vorbereitet und mit bis zu 15.000 Personen gerechnet.

„Schade“, bilanziert ein enttäuschter Krumschnabel, der nicht mehr an 10.000 Testwillige bis Sonntagabend glaubt. „Auch wenn der Bundeskanzler seine Erwartungen gedämpft hat und bereits mit 30 Prozent zufrieden ist, für mich braucht es zumindest die Hälfte der Einwohner, damit man den erwünschten Effekt erzielt“, sagt Krumschnabel, denn „gegen den Lockdown müssen wir aktiv ankämpfen“. Er halte trotzdem nichts von einer Testpflicht.

📍 Telfs: Kaum Positive

Anderer Ort, selbes Bild. Und fast dieselben Zahlen. In Telfs wurden gestern Vormittag ebenfalls rund 500 Menschen getestet. Auch hier ein positiver Fall. Der medizinische Leiter Stefan Ulmer schaute auch bei „tröpfelndem Zustrom“ genau hin, dass die Hygienerichtlinien eingehalten werden. „Die Stimmung ist trotzdem gut“, sagt der Mediziner, immer einen kritischen Blick auf die Teststraße werfend. In Telfs machte man sich gestern Gedanken über die geringe Zahl an positiven Fällen. „Vielleicht hat der Lockdown ja gewirkt“, war da zu hören. Aber auch die Ansicht, dass vielleicht ohnehin nur jene hingehen, die die Maßnahmen ernst nehmen.

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© Foto Rudy De Moor

📍 Imst: „Die Kinder sind die Tapfersten"

Ortswechsel nach Imst. Erst kitzelt es, dann brennt es leicht – und schon ist der Abstrich vorbei. Christian Deutschmann erledigt seine Arbeit mit Gefühl. „Heute habe ich rund 40 Tests gemacht“, rechnet er mittags schnell nach. In der Imster Teststraße war Samstagvormittag nur wenig los – anstehen muss hier keiner. „Jede Nase ist anders“, sagt Deutschmann, der im „normalen“ Beruf Krankenpfleger ist und seine Aufgabe beim Test mit Routine erledigt. Die schmalen Nasen sind die herausforderndsten – denn Druck darf man keinen anwenden, damit keine Schäden entstehen, erklärt er.

In Imst gab es gestern für die jüngsten Testpersonen von den freiwilligen Helfern eine kleine Überraschung.
© Reichle

Gestern machte er mit Lisa Bair Dienst. Die Stimmung ist gut. „Wir haben hier einen tollen Zusammenhalt“, erklärt die Diplomkrankenschwester aus Kranebitten, die sich wie ihr Kollege freiwillig gemeldet hat. „Ich finde das wichtig. Es fällt keinem ein Stein aus der Krone, wenn er dafür einen Tag opfert“, so Deutschmann. Aber wer fürchtet sich nun mehr vor dem Abstrich – Frauen oder Männer? „Die Kinder sind die Tapfersten. Die Erwachsenen zucken eher zusammen“, schmunzelt Bair diplomatisch.

An der Teststation nebenan hat man sich auf die kleinen Patienten spezialisiert. Dort ist mit Julia und Iris Walch ein Mutter-Tochter-Gespann am Werk. Die beiden haben den Dreh raus, wie man Kinder gut ablenkt. „Wir fragen, ob der Nikolaus kommt und was das Christkind bringt“, erklärt Julia Walch, die sonst auf der Neugeborenen-Intensivstation arbeitet – „so entsteht erst gar kein Stress“. Und natürlich helfen auch die Schachteln mit Schokolade und Lutschern, die bereitstehen und aus denen die Kleinen danach eine Belohnung bekommen.

📍 Vils: „Es kommen eigentlich jene, die sich sowieso schon an alles halten"

Tröpfeln auch in Vils beim Lokalaugenschein. Und die Tropfen fielen einzeln und spärlich. Freitag hatten sich 151 Personen testen lassen, bis Samstag um 13 Uhr weitere 130. Bürgermeister Manfred Immler rechnete, dass bis Sonntagabend höchstens ein Drittel der Vilser die Nase herhalten würden, wenn dieser Trend anhalte. „Ich hatte gehofft, dass mehr Leute kommen. Aber vielleicht zweifeln viele an der Qualität der Tests. Man hat ja genug gehört. Und es kommen eigentlich jene, die sich sowieso schon an alles halten“, sinniert der Stadtchef. Schlechte Laune herrschte unter den 20 Dienstschiebenden, die das Wochenende für die gute Sache opferten, dennoch nicht. So wurde während eines Besucherlochs lautstark zu „Jerusalema“ getanzt und gesungen, ganz im Sinne der gerade laufenden Gute-Laune-Challenge. Nur gegen einen Mitschnitt, der ins Netz gestellt wird, hatte sich das Gemeindeoberhaupt verwahrt.

In Vils (M.) waren BM Manfred Immler und Mitarbeiterin Bettina Ahorn voll im Geschehen.
© Helmut Mittermayr

Arbeit hatte BM Immler im Vorfeld mehr als genug. Eigentlich seien er und die künftige Amtsleiterin Christiane Huter die letzten drei Tage nur noch dafür gesprungen. Die stärkste Belastung sei gewesen, nur ja nichts zu vergessen, keine Fehler zu machen. Denn dauernd seien neue Infos und Änderungen hereingekommen.

📍 Osttirol: Termine wegen Wetterlage verschoben

Anette (r.) ließ sich in Sautens testen.
© TT

In Sautens fanden die Tests gestern nach gestaffelten Terminen statt. Und die Zufahrt zum Schulgebäude wurde kurzerhand zur Einbahn. Auch hier: Gute Organisation. Gute Laune. Gestern zumindest eher schwacher Zulauf. In Sautens nahm man das mit Humor und die Gemeinde spendierte jeder Testpersonen ein Seifenstück als Dank.

Und weil es in Osttirol nicht tröpfelte, sondern viel schneite, wurde in zahlreichen Gemeinden die Testung verschoben. So etwa in Obertilliach, Gaimberg oder Thurn. Ersatztag ist der 8. Dezember. Im 227-Seelen-Dorf Untertilliach, der kleinsten Gemeinde im Bezirk Lienz, wurde getestet. „Wir ziehen die Testung durch wie geplant“, erklärt Bürgermeister Manfred Lanzinger. „Bei dieser Wetterlage hat eine Verschiebung keinen Sinn, weil auch die nächsten Tage noch Straßen gesperrt sind. (wo, mw, mr, top, hm)


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