„Ich habe mein Herz in Afrika verloren“

Philipp Entner hat einen Teil seines Zivildienstes im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres in Afrika geleistet.

Philipp Entner betreute Straßenkinder in Äthiopien. Die Zeit dort hat seinen Lebensplan durcheinandergewürfelt.
© Entner

Pertisau – Im vergangenen Jahr ging Philipp Entner ein Wagnis ein. Statt des klassischen Zivildienstes entschied er sich für ein freiwilliges soziales Jahr in Afrika. Der damals 22-Jährige brach auf in die Drei-Millionen-Einwohner-Stadt Addis Abeba, die Hauptstadt Äthiopiens, um dort als Lehrer und Vertrauensperson Straßenkinder zu betreuen. „Schon als Kind interessierte mich Afrika. Als ich dann dort war, habe ich mein Herz in Afrika verloren und wusste, dass es mich wieder hierherziehen wird“, schwärmt der Pertisauer, der vor allem von der Herzlichkeit der Menschen fasziniert ist.

Doch die Freude sollte nur von kurzer Dauer sein. Durch das sich ausbreitende Coronavirus musste der Einsatz vor Ort bereits nach einem halben Jahr beendet werden. Philipp wandte sich an die Caritas, um seinen Zivildienst in Tirol fortzusetzen. Im Arbeitsprojekt Abrakadabra arbeitete er mit Suchtkranken und wirkte später bei der Ausstellung „Wir essen die Welt“ in der Stadtbibliothek mit. Philipp: „Der Zivildienst hat mich nachhaltig verändert. Es war die prägendste Zeit in meinem Leben.“ Vieles habe er seither hinterfragt: „Wenn ich früher im Stau gestanden bin und mich über den Zeitverlust geärgert habe, denke ich mir heute, dass andere Menschen viel Schlimmeres erleben, als zehn Minuten im Stau zu stehen. Heute sehe ich viele Dinge, die bei uns als Problem gesehen werden, entspannter“, resümiert der mittlerweile 23-Jährige.

Seit Herbst studiert Philipp Afrikawissenschaften und Publizistik in Wien. Er möchte später journalistisch in Afrika tätig sein. Ursprünglich hätte er den elterlichen Hotelbetrieb übernehmen können: „Für meine Entscheidungen hatte ich immer den Rückhalt meiner Familie. Das eine Jahr hat einfach meinen Lebensplan komplett durcheinandergewürfelt.“ Diese Erfahrung teilt Philipp wahrscheinlich mit vielen Zivildienern, denen es ähnlich gegangen ist. (TT)


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