Tiroler Schnapsbrenner bleiben auf ihren Produkten sitzen

Nach dem schmerzhaften Wegfall des Tourismus als Absatzgarant blickt die Landwirtschaftskammer auf volle Lager bei den Edeldestillaten.

Ein Stamperl Schnaps gehört – nicht zuletzt für Touristen – zu Tirol dazu und ist ein Qualitätsprodukt im Genuss-Segment.
© Bernhard Kraxner

Von Thomas Parth

Innsbruck – Egal ob als Gipfelschluck, als Hüttenschnaps oder Verdauungsschnapserl sowie traditionellerweise zum „landesüblichen Empfang“ von Marketenderinnen gereicht: „Der Schnaps gehört zu Tirol, ist ein hochpreisiges Qualitätsprodukt und zeugt von hoher Handwerkskunst“, bricht Ulrich Zeni von der Landwirtschaftskammer Tirol eine Lanze für das identitätsstiftende Getränk heimischer Produzenten.

Online Handel nur innerhalb Österreichs möglich

Durch den De-facto-Ausfall des Tourismus als Absatzgarant für die Tiroler Abfindungsbrenner sei ein wichtiges Standbein der Landwirte „ziemlich eingeknickt“, attestiert Zeni: „Der Besuch der Tiroler Schnapsroute oder der Schaubrennereien, wo wir das Schnapsbrennen erlebbar machen, fiel ebenfalls fast zur Gänze Corona zum Opfer.“

Der Online-Handel sei nur innerhalb Österreichs machbar, weshalb ausländische Stammkunden überhaupt nicht bedient werden konnten. „Zuwächse im Vertrieb über Ab-Hof-Verkäufe konnten den Umsatzentgang durch den Tourismus nicht wettmachen“, rechnet Zeni: „Würden alle Tiroler mindestens ein Stamperl Schnaps pro Woche trinken, entspricht das unserer Jahresproduktion.“

Derweil mussten die Tiroler Schnapsbrenner ihre Edelbrände aufbewahren. „Das Gute ist, dass es auf den Bränden generell kein Ablauf­datum bzw. ein Mindesthaltbarkeitsdatum gibt“, klärt Zeni, selbst Obstbauer, auf: „Einige Destillate, wie z. B. Steinobst- oder Wurzel­brände, entwickeln ohnehi­n erst nach einer gewissen Lagerzeit ihr volles Aroma.“

Gute Ausbeute bei der heurigen Obsternte

Die heurige Obsternte – und damit auch die Ausbeute der Schnapsbrenner – sei trotz eines Frosteinbruches im Frühjahr letztlich als positiv zu bewerten gewesen. „Die vollen Lager werden sich meiner Einschätzung nach nicht negativ auf die Preisgestaltung auswirken. Ein Preisdumping ist deshalb nicht zu befürchten, weil es sich um ein sauber und ehrlich durchkalkuliertes Endprodukt handelt“, unterstreicht der Obstbrandexperte.

Man setze weiterhin verstärkt auf den Kunden aus der direkten Umgebung. „Unsere Hoffnungen ruhen speziell auf dem Weihnachtsgeschäft“, bestätigt Zeni und merkt dabei an, dass es eine Vielzahl weiterer Spirituosen von Tiroler Edelbrennern wie Whisky oder Gin sowie verschiedenste Liköre zu erstehen gibt.


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