Großprozess um Drogendeals über Innsbrucker Pizzeria: Acht Angeklagte

Großprozess in Innsbruck: Drogendeals liefen über eine Innenstadtpizzeria. Drei der acht Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Nicht nur die Justizwache, sondern auch größtmögliche Abstände sorgten gestern für Sicherheit beim Drogenprozess im Schwurgerichtssaal.
© Fellner

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Covid-19 und Drogen sind Teil der Gesellschaft. So begann Staatsanwalt Thomas Willam gestern sein Plädoyer beim Drogenprozess gegen eine angeklagte kriminelle Vereinigung aus dem Raum Innsbruck ungewöhnlich – und streute Richterin Verena Offer Rosen: „Es sind befremdliche Zeiten. Ein Prozess mit acht erschienenen Angeklagten ist bereits eine gesundheitliche Gratwanderung. Die Staatsanwaltschaft schätzt es deshalb sehr, dass heute auch im Schwurgerichtssaal für alle Maskenpflicht verordnet wurde.“ Darauf erklärte die Vorsitzende des Schöffensenats sieben Italienern und einem Albaner auch gleich die Hygiene-Regeln im Prozess: „Das ist hier am Tisch wie mit dem Supermarktwagerl – jeder, der sich hinsetzt, desinfiziert!“

„Suchtgift unter ein paar Salablättern zugestellt“

Ungewöhnlich war der Suchtgift-Großprozess aber auch so: So hatten sich auf der Anklagebank in Begleitung der Justizwache großteils Pizzaköche und Kellner versammelt. Neben angeklagtem Suchtgifthandel einte die meisten der teils Geständigen zweierlei: Freundschaft und ruinöser Drogenkonsum. Zumindest für die mitangeklagten Drogenkuriere das Tatmotiv zur Finanzierung der eigenen Sucht. Das triste Geschäft klang dann so: „Kokain das Gramm für 80 Euro ein- und für 100 Euro verkauft. Den Gewinn von 300 Gramm hab ich sofort verkonsumiert – mir ist da nichts geblieben.“

Der erstangeklagte Pizzabäcker hatte sich gegen die von Drogenjäger Willam angeklagten 1,7 Kilogramm Kokain zwar verwahrt, aber immerhin den Handel „von einem halben bis zu einem Kilo“ schon zugestanden. Er war es, der laut Anklage von einer Innenstadtpizzeria aus Drogengeschäfte mit seinen Landsmännern dirigiert hatte. 143 Gramm Kokain waren vom Hinterausgang dort an einen Kunden vermittelt worden – es war ein BKA-Beamter. Das Geschäft lief laut Observationen aber auch über Wohnungen der Bekannten bis hin zu Essenslieferservicediensten: „Ja, da hat man Suchtgift einfach unter ein paar Salatblättern zugestellt“, so Richterin Offer aus dem Akt.

Bis zu 15 Jahre Haft drohen

Erwerben könne man größere Mengen von Suchtgift in Innsbruck laut einem Studenten „von verschiedensten Leuten“. Er selbst sei aber nai­v gewesen, dass er für einen bereits vorbestraften Bekannten ein halbes Kilogramm Cannabis in der Wohnung gebunkert habe. Dass es für den Eigenbedarf gewesen wäre, ließ Ankläger Willam die Stirn runzeln. Genauso wie die Erklärung des Erstangeklagten, dass für seinen Cousin erst nicht klar gewesen sei, ob es sich bei einem Treffen um „ein Auto- oder um ein Kokaingeschäft“ gehandelt hätte. Der Prozess setzt sich heute fort – drei der Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

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