Wohin mit den Rekordmengen? Schneemassen bringen Osttirol ins Schwitzen

Die enormen Schneemassen in Osttirol stellen dieser Tage eine große Herausforderung dar – Mensch wie Tier. In den Seitentälern hängen riesige Schneemengen in den Höhen. Die SPÖ fordert die Verlegung der Stromkabel unter die Erde.

Schnee in Flüsse zu kippen, ist nur bis zu 48 Stunden nach dem Schneefall erlaubt. Hier eine Aufnahme von der Schneerampe an der Isel.
© Expa/JFL

Von Catharina Oblasser

Lienz, Hopfgarten i. D. – Der Schneefall in Osttirol hat aufgehört, doch damit sind die Probleme noch lange nicht zu Ende. Wohin mit den Rekordmengen, die über dem Bezirk niedergegangen sind? Sie müssen aus dem Weg geschafft werden, um Straßen, Parkplätze und Wege frei zu machen.

„Eines ist klar: So viel Schnee wie heuer hat es seit Langem nicht mehr gegeben“, sagt der Lienzer Vizebürgermeister Siegfried Schatz. Die 50 Mitarbeiter des städtischen Wirtschaftshofs und das Personal der Privatfirmen, die zu Hilfe gerufen wurden, arbeiten hart. Mit Fräsen wird der Schnee auf Lkw befördert und in die Flüsse abgeladen. Es gibt drei Rampen in der Stadt, zwei an der Isel und eine an der Drau. Damit ist aber bald Schluss, denn laut Vorgaben des Landes ist die Schneeeinbringung nur bis maximal 48 Stunden nach Ende des Niederschlags erlaubt. Alles, was dann noch übrig ist, muss deponiert werden. „Wir haben zwei Depots am Stadtrand. Wenn nötig, kann noch ein drittes, ein Privatgrundstück hinter der Tennishalle, angemietet werden“, so der Lienzer Vizebürgermeister.

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Sprengungen sind keine Option

In den Osttiroler Seitentälern wiederum hängen riesige Schneemengen in den Höhen. Ob, wann und in welcher Konzentration sie herunterkommen – das ist eine Frage, die die Lawinenkommissionen beschäftigt. Sprengungen sind keine Option, sagt Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst. „Im Siedlungsgebiet wäre das zu riskant.“ Deshalb lautet die Strategie: beobachten, genau abschätzen und darauf setzen, dass die Verbauungen ihren Dienst tun.

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In Hopfgarten in Defereggen haben sich die Schutzbauten gut bewährt, ist Bürgermeister Franz Hopfgartner erleichtert. „Wir konnten vom Hubschrauber aus sehen, dass drohende Lawinen in zwei Fällen gestoppt wurden.“ Dadurch sind die Auffangbecken aber voll, und der Winter hat gerade erst begonnen. Hopfgartner hofft, dass es nicht so bald wieder schneit. „Sonst wird es brenzlig.“

Bei Obertilliach ging gestern ein Schneebrett auf die Gailtalstraße ab. Verletzt wurde niemand.
© ZOOM.TIROL

Jäger und Wild gefordert

Die enormen Schneemassen stellen dieser Tage Wildtiere, aber auch die Jägerschaft vor große Herausforderungen. Jäger Markus Wibmer in Osttirol muss beispielsweise nicht nur regelmäßig Fütterungsbereiche von den Schneemassen befreien, sondern rettete außerdem einige eingeschneite Rehe aus dem Tiefschnee. Der Tiroler Jägerverband bezeichnete gestern die Lage als dramatisch und appelliert an die Bevölkerung, Wildeinstände und Fütterungsbereiche großräumig zu umgehen.

Für die durch den Tiefschnee geschwächten Tiere sei Ruhe momentan am wichtigsten. Wer auf ein Wildtier trifft, soll es nicht verfolgen oder verscheuchen, sondern stehen bleiben und warten, bis es abgezogen ist. Wenn ein Tier Hilfe benötigt, soll die Jägerschaft kontaktiert werden.

SPÖ fordert Verlegung der Stromkabel unter die Erde

Die Stromversorgung in Osttirol soll sicherer werden, dafür sollen die Stromleitungen unter die Erde. Das fordert die SPÖ in einem Dringlichkeitsantrag an den Landtag. Bei starken Schneefällen wie zuletzt seien immer wieder zahlreiche Haushalte ohne Strom, und das oft tagelang, begründet die Lienzer Bürgermeisterin und SPÖ-Abgeordnete Elisabeth Blanik den Antrag. Außerdem seien die Reparaturarbeiten gefährlich für die Tinetz-Mitarbeiter. Die Verlegungsarbeiten müssten bald beginnen, fordert sie.


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