Ehefrau auf der Flucht: Crime-Thriller „I'm Your Woman"

„I’m Your Woman“ ist ein ungewöhnlicher US-Crime-Thriller über eine Vebrecher-Frau.

Verbrecher-Hausfrau Jean (Rachel Brosnahan, bekannt aus „The Marvelous Mrs. Maisel“) bekommt Hilfe von Cal (Arinzé Kene).
© imago images/ZUMA Press

Innsbruck – Ehefrauen von Filmverbrechern fristen meist ein fades Hausfrauen-Dasein. In „I’m Your Woman“ erzählt Regisseurin Julia Hart aber nun die Geschichte von Jean. Mitten in der Nacht steht ein Kollege ihres Ehemannes Eddie vor der Tür. Sie solle sofort flüchten, es sei etwas schiefgelaufen.

Mit einer Tasche voll Geld und dem Baby im Arm lässt sie ihr beschauliches Leben hinter sich. Es ist bekannt aus klassischen Mafiafilmen – man weiß man oft lieber nicht so genau, woher das Geld für das angenehme Leben stammt. Wenn es allerdings wie in diesem Fall kracht, sind trotzdem alle hinter einem her.

📽️ Video | Trailer zu „I'm Your Woman"

Einen Gutteil der Spannung bezieht „I’m Your Woman“ aus diesem Unwissen und der Ungewissheit. Jean ist in Gefahr und auf der Flucht – doch wovor und warum? Wer ist der Beschützer Cal wirklich, der Jean zunächst in einen sicheren Unterschlupf bringt? Wo ist Eddie, und was hat er angestellt? Regisseurin Hart deckt ihre Karten, zusammen mit ihrem eigenen Ehemann-Co-Autor Jordan Horowitz, erst nach und nach auf.

Die großartige Rachel Brosnahan (aus der Amazon-Serie „The Marvelous Mrs. Maisel”) legt ihre Jean ähnlich stark an wie schon ihre Rolle als Callgirl auf der Flucht in „House of Cards“. Die ins kalte Wasser geworfene junge Jean lernt schnell zu überleben. Ihr nicht ganz legal adoptiertes Baby Harry fungiert dabei als zusätzliche Schwierigkeit und thematisiert Elternschaft und Verantwortung in Abwesenheit einer (verbrecherischen) Vaterfigur. Für den Film dient es auch als Stimmungsbarometer und menschlicher Soundeffekt: Je lauter das Kind schreit, desto angespannter ist die Lage.

Einige souveräne Action-Sequenzen durchbrechen die ansonsten langsam-abwartende Stimmung des Films. Mit zwei Stunden ist er zwar zu lang geraten. Die ungewöhnliche und gerade deshalb umso glaubwürdigere Perspektive der Geschichte und das 70er-Jahre-Setting machen „I’m Your Woman“ jedoch zu einem ordentlichen, reduzierten Genrefilm.

In normalen Zeiten mit offenen Kinos erhalten solch ungewöhnliche, kleine US-Independent-Filme in Europa kaum Aufmerksamkeit neben den Blockbustern und dem Euro-Förderkino.

Der erzwungene Streaming-Auftrieb bietet nun zumindest die Chance, das hierzulande oft so schiefe Bild des US-amerikanischen Kinos geradezurücken. (maw)


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