Konflikt ums Ski-Tourengehen wird in Tirol zur Posse

Zuerst setzte sich die Politik fürs Tourengehen auf Pisten ein, jetzt werden sie gesperrt. Der Alpenverein ist sauer, die Seilbahner verweisen auf Haftungsfragen.

Derzeit sind viele Pisten in den Tiroler Skigebieten gesperrt. Politik und Alpenverein fordern eine Öffnung.
© Böhm Thomas

Innsbruck – Der Schnee ist da, die Skigebiete dürfen aber erst am 24. Dezember aufsperren. Zugleich hat sich die Tiroler Politik vehement für den Individualsport im Freien eingesetzt: fürs Tourengehen auch auf Pisten oder Rodeln. Jetzt haben viele Skigebiete, vor allem im Großraum Innsbruck, ihre Pisten gesperrt: weil sie präpariert werden.

Diese Woche gab es bereits ein Gespräch mit allen Beteiligten, doch erneut steckt man in der Sackgasse. Das versteht Sportreferent LHStv. Geisler (ÖVP) nicht. "Wenn alle guten Willen zeigen, dann wird es wohl möglich sein. Aber einige Tourengeher haben leider das Miteinander missachtet, andererseits müsste eine gute Abstimmung, wann präpariert und wann die Pisten geöffnet sind, schon möglich sein."

Dafür plädiert auch der Generalsekretär des Österreichischen Alpenvereins Clemens Matt. "Es benötigt einfach gegenseitige Solidarität." Dass die Pisten für die Präparierung durchgehend gesperrt werden, versteht Matt nicht. Es könnten doch klare Zeiten festgelegt werden. Matt verweist zudem darauf, dass viele Tourengeher auch das Freizeitticket besitzen würden

Wenn eine Öffnung wirklich das Ziel sein soll, dann braucht es jedenfalls ein Versicherungsmodell.
Franz Hörl (Seilbahnsprecher)

Auf der anderen Seite ist der Puls von Seilbahnsprecher und ÖVP-Wirtschaftsbundobmann NR Franz Hörl seit dem verschobenen Saisonstart ohne Gastronomie am Berg ohnehin schon am Anschlag. Gestern schnellte sein Blutdruck endgültig in die Höhe. Die aktuelle Situation setzt für ihn die Klärung wichtiger Haftungs- und Versicherungsfragen voraus. Außerdem warte die Branche noch immer auf Entschädigungen, weitere Leistungen müssten deshalb abgegolten werden.

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"Forderungen nach zusätzlichen Leistungen, wie die Präparierung von Rodelbahnen und dergleichen, sind nur gegen Bezahlung möglich", stellt Hörl klar. Daher sei es nicht möglich, auch noch Leistungen für die Allgemeinheit zu erbringen, wenn dies mit gravierenden haftungsrechtlichen Auswirkungen, wie etwa bei Präparierungsarbeiten, verbunden sei.

Das wiederum bringt Alpenvereins-Präsident Andreas Ermacora auf die Palme. "Die Skigebiete werden mit viel öffentlichem Geld subventioniert und wir können froh sein, wenn sich die Tiroler körperlich betätigen." Der Alpenverein habe auch deutlich die Eigenverantwortung kommuniziert, "das haben wir mit Hörl so vereinbart".

Und Innsbruck? Bürgermeister Georg Willi (Grüne) ist ebenfalls für eine vernünftige Abstimmung, "aber die Pachtverträge machen die Sperre notwendig". (pn)


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