Die gute Geschichte: Spende für Kinder in Armut statt großer Maturafeier

Schülerinnen und Schüler der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik an der Kettenbrücke Innsbruck entschieden sich mitten in der Pandemie für eine gute Tat.

Die Schülerinnen der Kettenbrücke übergeben den symbolischen Scheck an Caritas-Direktor Georg Schärmer. Mit im Bild: Caritas-Direktor-Stellvertreterin Elisabeth Rathgeb, Schuldirektorin Pia Handl (ganz rechts) und Viktoria Kogler (3. v. r.).
© Bachmann/Caritas Tirol

Innsbruck – Ausgehen, feiern, Party machen: Für die meisten jungen Menschen ist das ein wichtiger Teil ihres Lebens. Denn er ist nicht nur ein Ausdruck von Lebensfreude, sondern er bietet auch Möglichkeiten, neue Menschen kennen zu lernen und neue Wege auszuprobieren. Wege, die letztendlich in ein eigenständiges Erwachsenenleben führen. Doch heuer ist das alles anders. Der Lockdown sorgt dafür, dass Zusammentreffen nur im engsten Kreis stattfinden können. Viele junge Menschen müssen sich auf eine Handvoll sozialer Kontakte konzentrieren. So auch Viktoria Kogler.

Die 18-Jährige wird in diesem Schuljahr mit 53 Mitschülerinnen und drei Mitschülern in der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik Kettenbrücke die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin mit der Matura abschließen. Das hätte im Herbst mit dem Maturaball gebührend gefeiert werden sollen. Doch der Ball wurde Corona-bedingt abgesagt. Als Mitglied des Ballkomitees trägt Viktoria diese Entscheidung mit. Natürlich ist sie trotzdem ein bisschen traurig darüber: „Auf den Moment, wo du selbst auf der Bühne oben stehst, haben wir uns alle gefreut. Dass du endlich alles, was du geschafft hast, mit deinen Freunden und deiner Familie feiern kannst. So wie man das die Jahre vorher eben bei den anderen gesehen hat.“ Diesen Moment konnten Viktoria und ihre Mitschülerinnen heuer nicht auskosten.

Aber sie haben sich etwas anderes überlegt: „In der Schule haben wir über das Thema Armut gesprochen. Wir sind zwar ein reiches Land, trotzdem gibt es auch bei uns viele Menschen, die mit extrem wenig auskommen müssen. Armut ist näher, als man meint.“ Dass dies auch und vor allem Kinder betrifft, finden die künftigen Kindergärtnerinnen besonders tragisch. Viktoria: „Armut hat lebenslange Folgen für die Entwicklung der Kinder. Das ist besonders bitter.“ Die Schülerinnen wollten etwas dagegen tun. Für den Ball hatten sie bereits Sponsoren organisiert und 6000 Euro gesammelt. Es war geplant gewesen, einen Teil zu spenden.

Nun haben sich die Schülerinnen mit dem Einverständnis der Sponsoren dazu entschlossen, die ganze Summe zu spenden: „Für uns ist es zwar schade, dass wir keinen Ball haben. Aber so können wir stattdessen etwas Gutes tun.“ Es war ihnen ein Anliegen, dass das Geld für Tiroler Familien verwendet wird, die in Not geraten sind. Deshalb haben sie das Geld der Caritas Tirol gespendet, die es im Rahmen der Sozial- und Familienhilfe entsprechend verwenden wird. Viktoria freut sich, dass das Geld so genau dort zum Einsatz kommt, wo es sich die Schülerinnen wünschen: „Weihnachten ist das Fest der Liebe und es hat für Familien eine besondere Bedeutung. Darum freut es uns, genau diesen Familien Unterstützung bieten zu können.“

Für sich selbst und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler hat Viktoria auch noch einen Wunsch: „Wir hoffen schon noch auf eine kleine Abschlussfeier als Ballersatz. Damit wir den erfolgreichen Abschluss eines wichtigen Lebensabschnitts gebührend feiern können.“ (TT)


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