Tiroler Epidemiearzt warnt vor falscher Test-Abnahme

Coronavirus-Abstriche im Mundrachen liefern bis zu drei Viertel weniger positive Ergebnisse als Tests durch die Nase, warnt der Epidemiearzt Gerald Hernegger.

Ein korrekter Corona-Abstrich, wie ihn die Testhersteller und das deutsche Robert-Koch-Institut verlangen, erfolgt durch die Nase.
© APA

Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Bei den jüngsten Corona-Massentests in Tirol wurden Abstriche auch durch den Mundrachenraum genommen. Unter anderem erzählte eine Screening-Mitarbeiterin, dass sie den Menschen freistelle, was sie lieber möchten: einen Abstrich durch den Nasenrachen oder den Mundrachen.

Diese Vorgangsweise kann der Tiroler Epidemiearzt und Unfallchirurg in St. Johann, Gerald Hernegger, nicht verstehen. Er appelliert eindringlich, bei kommenden Corona-Testungen nur noch Nasenrachen-Abstriche durchzuführen. „Schnelltests verlangen ausschließlich nach einem Nasenrachen-Abstrich. Das steht in allen Test-Gebrauchsanleitungen (die der TT vorliegen) und das sagt auch ganz klar das Robert-Koch-Institut. Mundrachen-Abstriche sind – wenn ich so sagen darf – für den Hugo“, so Hernegger.

Warum die Landessanitätsdirektion keine ausdrückliche Anweisung über die „richtige“ Abnahmemethode im Vorfeld gegeben hat, kann er nicht sagen. „Ich komme mir bei diesem Thema vor wie Don Quijote. Sogar unter uns Ärzten gibt es immer noch welche, die Tests durch den Mundrachenraum machen, und das obwohl nun nochmals eine neueste Studie auf die fehlerhaften Ergebnisse beim Mundrachen-Abstrich hinweist. Mit diesen Abstrichen erwischt man um bis zu drei Viertel weniger Positive als beim Nasenrachen-Abstrich“, erklärt Hernegger.

Die viel niedrigere Trefferquote – gerade bei Asymptomatischen oder Menschen, bei denen die Virenlast nicht hoch ist – führe dazu, dass sich die Menschen in Sicherheit wiegen, negativ zu sein, „was oft einfach leider nicht stimmt“. Und Hernegger betont: „Die Fehlerhaftigkeit der Antigen-Schnelltests liegt nicht an den Tests selber, die sind wirklich super. Sie liegt nur an der falschen Abnahme.“ Würde man die Schnelltests „richtig“ machen, „muss ich bei den Asymptomatischen auch keinen viel teureren PCR-Test nachschießen“, so Hernegger.

Mit seinem Aufschrei in der Öffentlichkeit hofft er, dass bei kommenden Tests klar kommuniziert wird, „dass es keine Alternative zu den Nasenrachen-Abstrichen gibt – außer natürlich in Einzelfällen, wie z. B. nach einer Nasenoperation“. Beim Land kann man den Appell nicht verstehen, dort hält man nach wie vor beide Abstrichmöglichkeiten für richtig. „Je nach Testkit sollten die Antigen-Tests nach den entsprechenden Empfehlungen in der jeweiligen Gebrauchsanweisung durchgeführt werden“, sagt Jakob Kathrein vom Landespressedienst.


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