Tiefststand bei Pleiten in Tirol

Der Kreditschutzverband sieht den regulären Wirtschaftskreislauf „aus den Fugen geraten“.

Innsbruck, Wien – Obwohl Österreichs Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg steckt, ist die Anzahl der Firmenpleiten mit rund 3000 heuer so niedrig wie vor drei Jahrzehnten. In Tirol bedeuten 155 insolvente Unternehmen im Jahr 2020 sogar einen historischen Tiefststand. Was auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht aussieht, könnte noch zum Bumerang werden, warnt der Kreditschutzverband KSV1870 – denn mit Staatshilfen künstlich am Leben erhaltene Firmen könnten durch Dumpingpreise auch bisher gesunde Unternehmen in den Abgrund reißen.

Tirol und Oberösterreich liegen beim Rückgang der Unternehmenspleiten mit minus 49,8 Prozent österreichweit an der Spitze. Der KSV in Tirol sieht den regulären Wirtschaftskreislauf angesichts dessen „komplett aus den Fugen geraten“. Die Ursachen „für dieses Versagen von bisher etablierten wirtschaftlichen Mechanismen“ liegen laut dem KSV in den Eingriffen der öffentlichen Hand, etwa durch direkte Unterstützungszahlungen an Unternehmen oder durch Stundung von Abgaben über Monate hinweg. Daraus resultiere „eine Wettbewerbsverzerrung“, deren Ausmaß „im Dunklen liegt“. Die größte Gefahr dabei sei, dass gerade auch „gesunde Firmen“ ins Verderben (mit-)gezogen werden.

In den letzten Jahren war das Tiroler Insolvenzgeschehen von Klein- und Kleinst­insolvenzen gekennzeichnet. 2020 gab es mehrere Insolvenzen, welche hohe Verbindlichkeiten ausgewiesen haben. Die größte Insolvenz war jene der CPH Gastronomie u. Betriebs GmbH in Kufstein mit Verbindlichkeiten von 14 Mio. Euro. Dahinter folgt die Pleite der Stahl- und Metallbau Hörburger GmbH in Roppen mit 5.6 Mio. Euro vor der Winkler Steinmetz-Gesellschaft m.b.H. & Co. KG in Schwaz mit 4,3 Mio. Euro.

Ebenfalls kein positives Signal sieht der KSV im starken Rückgang der Privatinsolvenzen. Hier verzeichnet Tirol mit einem Minus von 33,4 Prozent auf 425 Fälle die zweithöchste Reduktion. Der Österreich­schnitt beträgt 21,6 Prozent. Jedes nicht eröffnete Verfahren ist aus Sicht des KSV „eine verpasste Chance für eine Privatperson, nach einiger Zeit der wirtschaftlichen Anspannung ohne Schuldenrucksack neu durchzustarten“.

In beiden Bereichen erwartet der KSV1870 für das Jahr 2021 einen Anstieg der Insolvenzen. (APA, ecke)


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