Dritter Lockdown bremst Aufschwung 2021 kräftig

Heuer dürfte die Wirtschaft um rund 7,5 Prozent einbrechen. Laut dem Wifo könnte das Wachstum 2021 mit 2,5 Prozent schwach ausfallen.

Symbolbild.
© Sven Hoppe

Wien – Die Pandemie hat sich zu einer Wellenbewegung entwickelt, ebenso verhält sich derzeit die wirtschaftliche Entwicklung, erklärte gestern Martin Kocher, Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes IHS, bei der Präsentation der Wirtschaftsprognose bis 2022. Konkret sieht das so aus: Verringert sich das Pandemiegeschehen wie etwa in den Sommermonaten, dann nimmt der Aufschwung an Fahrt auf, steigen die Corona-Fallzahlen, wird dieser Effekt gebremst. Nicht zuletzt wegen der damit einhergehenden Lockdown-Maßnahmen. Demzufolge wird sich auch der von der Regierung angekündigte dritte Lockdown mit 26. Dezember negativ auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auswirken. Laut Berechnungen der Wirtschaftsforscher des Wifo ziehen sich die Folgen deutlich bis in das kommende Jahr.

Im Szenario „Dritter Lockdown“ nimmt das Wifo ein vollständiges Herunterfahren für vier Wochen an – ab Ende Jänner 2021 und danach einen teilweisen Lockdown bis Ende März mit weiter geschlossenen Gaststätten und Beherbergungsbetrieben. Dass der Lockdown nun früher komme, habe aber laut Wifo-Chef Christoph Badelt kaum Auswirkungen auf die prognostizierten Konsequenzen für die heimische Wirtschaft.

„Jetzt werden wir im Jahresschnitt bis zu 380.000 Arbeitslose haben – das ist eine unhaltbare Situation.“– Christoph Badelt (Wifo-Chef)
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Im ersten Halbjahr 2021 werde das BIP weiter absinken und der Zuwachs im Gesamtjahr nur 2,5 Prozent betragen, das Tempo der Expansion dann aber 2022 auf 5,1 Prozent zulegen.

Für heuer erwarten Wifo und IHS 7,3 bzw. 7,5 Prozent Einbruch der Wirtschaftsleistung. Im ersten Halbjahr 2021 werde das BIP laut dem „Lockdown-Szenario“ des Wifo weiter absinken. Beim Institut für Höhere Studien (IHS) würde der dritte Lockdown nur eine leichte Anpassung der Konjunkturprognose für kommendes Jahr erfordern, keine massive, sagte IHS-Chef Martin Kocher. Das IHS erwartet 2021 ein Wachstum von 3,1 Prozent und für 2022 ein Plus von 3,8 Prozent.

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Die Arbeitslosenrate, die 2019 nach nationaler Rechnung 7,4 Prozent betrug, dürfte heuer nach Einschätzung beider Institute auf 9,9 Prozent klettern und 2021 mit 9,3 (Wifo) bzw. 9,7 (IHS) Prozent sehr hoch bleiben. Nach 0,7 Prozent Budgetüberschuss gemessen am BIP im Vorjahr dürften heuer 10,1 bzw. 10,7 Prozent Budgetabgang ins Haus stehen, 2021 dürfte das Minus 5,5 bzw. 6,4 Prozent betragen, übernächstes Jahr 3 Prozent, sind sich die Fachleute momentan einig.

„Die Pandemie ist wirtschaftlich und gesundheitlich zu einer Wellenfunktion geworden.“ – Martin Kocher (IHS-Chef)
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Beide Wirtschaftsinstitute fordern von der Politik eine sorgfältige Planung des Exits aus der Krise. Nötig seien Strukturreformen, um wieder auf einen nachhaltigen Budgetpfad zurückkehren zu können, so IHS-Chef und Fiskalrat-Präsident Martin Kocher. Wifo-Chef Christoph Badelt warnte davor, zu rasch auf einen Sparkurs einzuschwenken.

In der Arbeitsmarktpolitik würden die Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsstiftungen angesichts der krisenbedingt hohen Arbeitslosigkeit an ihre Grenzen stoßen, daher sollten spezielle Programme für Ältere oder andere am Arbeitsmarkt besonders gefährdete Personen geschaffen werden, forderte Badelt. IHS-Arbeitsmarktexperte Helmut Hofer plädierte für noch stärkere Prävention gegen Langzeitarbeitslosigkeit durch Qualifizierung und Schulbildung.

Die Risiken für die wirtschaftlichen Entwicklungen seien weiterhin der Pandemieverlauf und der Brexit. Wobei sich ein früheres Erreichen einer hohen Durchimpfungsrate auch positiv auswirken könnte, meint Badelt. (ecke, APA)


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