Staunen über Kultplatz-Funde nahe der Burg Laudegg

Die Lader Ochsenweide gab Schätze aus der Bronzezeit frei. Der TVB lehnte Marketing vorerst ab.

Eine Auswahl der Fundstücke ist in Vitrinen im Chalet „Am Burgsee“ in Ladis zu sehen. Dort hat Familie Netzer viel Herzblut in die Präsentation investiert.
© Wenzel

Ladis – „Es ist eine der wichtigsten Fundstellen, die wir im Obergricht haben“, bewertet der Experte Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt. „Für die Wissenschaft bedeuten die Fundstücke aus Ladis einen Glücksfall.“ Zudem müsse man der Lader Familie Netzer danken: „Sie hat die Grabungen bestmöglich unterstützt, auch finanziell.“

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Dass die Ochsenweide nahe der Burg Laudegg als Funderwartungszone ausgewiesen ist, habe die Familie gewusst, als sie 2017 mit dem Bau ihres Alpinchalets begann. In Absprache mit dem Denkmalamt rückte auch ein Team der Innsbrucker „Ardis Archäologie“ an. Die Baustelle erwies sich „als sensationelle Fundstelle“, so Pöll. Rund 20.000 Einzelstücke konnten auf dem ca. 20x20 Meter großen vorchristlichen Kultplatz geborgen werden. Der Bogen reicht von Metallschmuck und Keramiken – viele Bruchstücke – aus der Bronze- und Hallstattzeit (1500 bis 200 vor Christus) bis hin zu rund 15.000 teils bearbeiteten Tierknochen, auch von Bär, Steinbock, Hirsch und Pferd. Zu den wertvollsten Stücken zählt ein Metallband mit Resten einer Vergoldung, vermutlich ein Armreiffragment, gefertigt um 1300 vor Christus. Auch eine gebogene Nadel aus der Bronzezeit (um 1140) weckt Neugierde.

Der Fundort liegt unweit der Burg Laudegg.
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Den Großteil der Fundstücke haben die Netzers dem Landesmuseum Ferdinandeum geschenkt. Nur ein kleiner, aber feiner Teil ist in Vitrinen und im gläsernen Tresen an der Chalet-Rezeption zu sehen. „Es sind schon viele Leute gekommen, die unsere Ausstellung besichtigen wollten, auch Professoren. Das große Interesse haben wir gar nicht erwartet“, erzählt Toni Netzer beim Rundgang. Information zum Fundplatz hat die Familie in Eigeninitiative aufbereitet, Broschüren liegen zum Mitnehmen auf. Führungen durch das Chalet gibt es auf Anfrage.

Verwundert reagierte Netzer allerdings, als der TVB-Ortsausschuss ein Angebot ablehnte. Er habe vermutet, dass der Tourismusverband den geschichtsträchtigen Ort in das Marketing aufnehmen würde. Ein Irrtum. „Wir haben im TVB-Ortsausschuss abgestimmt. Die Mehrheit war dagegen“, bestätigte Obmann Ferdinand Larcher. Man arbeite an einem „historischen Gesamtkonzept“ für Ladis, auch die Burg Laudegg soll eingebunden werden.

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„Zwar gibt es einen offiziellen Grabungsbericht, aber noch nicht alles ist wissenschaftlich aufgearbeitet“, sagte Pöll. „Da gibt es noch einige Masterarbeiten für Studierende.“ Interessierten werde das Denkmalamt empfehlen, sich mit dem Lader Fund zu beschäftigen. (hwe)


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