Künftiger ESA-Chef Aschbacher: „Man soll sogar Fehler machen“

Der designierte ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher, ein Tiroler, will die Europäische Weltraumorganisation näher an NASA-Niveau bringen.

Der Geophysiker Josef Aschbacher (58) tritt am 1. Juli den Chefposten in der ESA an.
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Von Carmen Baumgartner-Pötz

Wien – Strahlende Gesichter im Festsaal des Infrastrukturministeriums in Wien: bei Weltraumministerin Leonore Gewessler (Grüne) genauso wie bei Josef Aschbacher, dem designierten Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Am Donnerstag wurde er vom ESA-Rat in Paris einstimmig bestellt, sein erster Termin führte den international bestens vernetzten Tiroler am Freitag in die Bundeshauptstadt. Dort streute Ressortchefin Gewessler ihm und seiner langjährigen Expertise Rosen: Ist doch das Erdbeobachtungsprogramm der ESA, das Aschbacher seit 2016 leitet, Basis der Datengewinnung für den Kampf gegen die Klimakrise. Praktische Anwendungen daraus gibt es zuhauf. So bietet etwa die Hagelversicherung auf Basis der ESA-Satellitendaten ihren Kunden ein Monitoring.

Aschbachers ambitioniertes Ziel: Er will die ESA langfristig auf NASA-Niveau heben. Konzepte für große Flagship-Programme hat er bereits im Kopf, vorstellen will er sie bei seinem Amtsantritt im Juli. „Ich gehe diese Aufgabe mit Ehrfurcht und Demut an, aber auch mit viel Freude“, sagte er. Ein besonderes Anliegen ist Aschbacher, dass der Weltraum für den Durchschnittsbürger nicht abstrakt bleibt, sondern die ESA als Dienstleister wahrgenommen wird. Dafür sollen eigene Info-Kanäle implementiert werden.

Wollen den Kampf gegen die Klimakrise gemeinsam führen: Josef Aschbacher (ESA) und Weltraumministerin Leonore Gewessler (Grüne).
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Aschbacher hat sich seine internationale Karriere zielstrebig erarbeitet. Beim Studium der Meteorologie und Geophysik (Dissertation 1989) kam er erstmals in Kontakt mit Programmen der ESA, das erste Jobangebot für die ESA-Repräsentanz in Bangkok wurde ihm nach einem Vortrag beim Forum Alp- bach unterbreitet. Seither ist er Europäer durch und durch mit Stationen in Brüssel, Italien und ab Juli Paris, wo die ESA ihren Amtssitz hat. Die internationale Perspektive und Kontakte in der ganzen Welt haben Aschbachers Blick dafür geschärft, wo Österreich – „eigentlich ganz Europa“, wie er im Gespräch mit der TT sagt – Nachholbedarf hat. Als Beispiele nennt er Gründergeist, wie es ihn im Silicon Valley gibt, aber auch die Bereitschaft, etwas zu riskieren und Fehler zu machen. „In den USA gibt es das Motto ‚fail fast, fast forward‘, also aus Fehlern lernen. In Europa ist die Mentalität anders. Ich habe einmal meinen Mitarbeitern ein eigenes Labor nur dafür bereitgestellt, dass spezielle Dinge ausprobiert werden. Nach dem Motto: Wenn es danebengeht, habt ihr viel gelernt.“

Heute ist Aschbacher mehr Manager als Forscher, das aber mit Begeisterung. Beim ESA-Hearing sei besonders seine Fähigkeit, verschiedenste Player an Bord zu holen, gewürdigt worden, wie er erzählt. Den Traum seiner Kindheit, selbst einmal ins All zu fliegen, hat er übrigens immer noch. „Ich bin zwar nicht mehr im richtigen Alter, wäre aber sofort an Bord, wenn es irgendwie ginge.“

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