Dem Wörgler Verein „Vaterland" fehlt die Heimat

Nach mehrjährigem Rechtsstreit mit den Wörgler Stadtwerken muss karitativer Verein das Gelände räumen. Die Stadt beruft sich auf die Raumordnung. „Hat Ehrenamtlichkeit keinen Platz?“, fragt sich der Obmann.

Obmann Ernst Schiller auf den Trümmern des einstigen Vereinsheimes.
© Vaterland

Von Wolfgang Otter

Wörgl – Enttäuscht, verzweifelt und etwas zornig. Seit gestern ist der karitative Verein „Vaterland“ in Wörgl, der an die 610 unterstützende und aktive Mitglieder hat, „auf Herbergssuche“, wie es Obmann Ernst Schiller in Anspielung auf die weihnachtliche Zeit nennt. Es ist der Abschluss eines langen emotionellen Streites, auch vor Gericht, mit dem Ergebnis eines Urteils gegen den Verein. Die Räumung scheint also rechtlich nicht mehr abwendbar.

„Städtische Betrieb hätte keine Veranlassung gehabt, den Vertrag zu kündigen"

Dabei spricht der Vermieter, Stadtwerke-GF Reinhard Jennewein, von einem „braven Pächter, der immer pünktlich bezahlt hat“. So gesehen, hätte der städtische Betrieb gar keine Veranlassung gehabt, den Vertrag zu kündigen. Übrigens auch den Teil betreffend, den Ernst Schiller für seinen kleinen Betrieb verwendet. Auch der muss nun weg, denn einer weiteren Nutzung mache die Raumordnung einen Strich durch die Rechnung, sagt der Stadtwerke-Chef.

Das besagte Grundstück ist als Sonderfläche Oberflächenwasser-Pumpwerk gewidmet. Dass der Verein und Schillers Betrieb dort ihre Container aufstellen konnten, hängt zum einen damit zusammen, dass es sich dabei baulich gesehen nur um vorübergehenden Bestand gehandelt hatte, zum anderen, dass die Stadtwerke die Fläche nicht gleich benötigt haben. Aber sollte es künftig notwendig werden, das Oberflächenwasser bei starkem Regen in den Inn zu pumpen, braucht der Kommunalversorger das Grundstück für die Anlage. Und für den vorübergehenden Bestand ist die Frist abgelaufen.

Frage um Widmung

Eine für den Verein passende Widmung ist scheinbar nicht möglich. Zumindest sieht Bürgermeisterin Hed­i Wechner keine. „Ich weiß nicht, wie man das widmen soll? Das geht ja nicht als Sonderfläche Oberflächenwasser-Pumpwerk mit angeschlossenem Vereinsheim und Betriebsstätte durch“, sagt Wechner achselzuckend.

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„Wir haben einen entsprechenden Widmungsantrag parat gehabt, bei dem beides möglich wäre“, zeigt hingegen Michael Riedhart, Stadtparteiobmann der Volkspartei und Gemeinderat der Jungen Wörgler Liste (JWL), auf. Der Vorschlag sei sogar mit dem Land abgestimmt gewesen. Aber die Mehrheit im Gemeinderat habe die bürgerlichen Listen überstimmt. „Die wollten den Verein da nicht haben“, glaubt Riedhart.

Für Schiller, der sich rechtlich seit zwei Jahren gegen die Vertragsauflösung und Räumung gewehrt hat, bricht auf alle Fälle eine Welt zusammen. „Anscheinend will man die Ehrenamtlichkeit nicht“, klagt er. Der Verein Vaterland habe immerhin die vergangenen Jahre an die 30.000 Euro gesammelt und gespendet – für viele Menschen und Familien in Not. Das will Schiller in einer anderen Gemeinde weiterführen, „ich hoffe, dass wir in einer anderen Ortschaft einen Platz bekommen“, sagt er zur TT.

Vereinsadministration vorerst im Container

In Wörgl scheint es nicht möglich zu sein. Er habe zeitlich befristete Alternativen, wie das frühere Kompostwerk, vorgeschlagen, aber keine Zustimmung geerntet. Bürgermeisterin Wechner sieht sich außer Stande, ein Ersatzgrundstück zu stellen. Aber sie will dem Verein und Unternehmer helfen, wie sie sagt. „Daher habe ich angewiesen, dass man die Räumung erst mit Ende Juni 2021 durchführt.“

Nur ist das Vereinsheim bereits weg. Schiller setzt jetzt auf Aktionismus und stellt einen Container auf einem Parkplatz in der Nähe des früheren Standortes auf. Dabei handle es sich um öffentliches Gut. „Hier werden wir vorerst die Vereinsadministration erledigen“, sagt Schiller. Heute, so erzählt der durchaus streitbare Wörgler, wird es ein Treffen mit Rechtsvertretern geben. „Da will man von mir eine Zustimmung für die Räumung, aber ich werde sicher nichts unterschreiben“, kündigt er an. Die Causa „Vaterland“ scheint also noch nicht abgeschlossen zu sein.


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